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Interview mit Torsten Emrich

Herr Emrich, wie kamen sie zum Film und wie kam es zum "Mikado-Projekt"?
Nun, das ist eine leichte Frage. Da ich aufgrund meines bescheidenen Talents nie ein Engagement bekam, beschloss ich selbst mein Ding in die Hand zu nehmen, also etwas zu gründen ... ein Gründer zu werden und gleichzeitig ein Bestimmer, ein Produzent, der sich selbst die Hauptrollen gibt. So einfach ist das.
In den frühen Achtzigern hatte ich leider keine bessere Idee wie "Das Mikado-Projekt". Hätte ich eine bessere gehabt, wäre ich heute reich & drogenabhängig, wäre schon wie mein Altersgenosse Michael J. 19x facegeliftet und hätte eine Penisverlängerung in der Ukraine hinter mir.
Sie waren Mitarbeiter im Kino, haben Sie die dort gezeigten Filme beeinflusst? Wenn ja welche Richtungen, Regisseure oder Schauspieler waren ihre Favoriten oder haben evtl. sogar als Vorbild für "Das Mikado-Projekt" gedient?
Das ist eine sehr intime Frage, denn noch heute arbeite ich im Servicebereich im Kino. Ich sammle pfundweise Müll auf, den Kinofreaks im Saal hinterlassen, fülle Toilettenpapier und Handseife in flüssiger Form auf den Kunden-WCs auf und trinke zum Feierabend gerne ein gepflegtes Pilsbier im Foyer.
Vorbilder im Bereich Regie und Schauspiel hatte ich nie. Das hindert einen nur daran, selbst ein enorm Großer zu werden und trübt den Blick für's eigene Ego.
Wie kamen Sie an Eddie Costantine? War er Ihre Wunschbesetzung für Beppo Bourbon?
Eine gute Frage. Nein, Eddie war nicht unbedingt mein Wunschkanditat. Aber leider waren viele damals schon tot ... wie der gutfrisierte Lex Barker oder unerreichbar ... wie der herrlich versaute Kinski. Blieb eben Eddie. Und der hat seine Sache richtig gut gemacht.
Nach dem Film war (und bin ich noch bis heute) ein Fan von Mister Lemmy Caution. Mit dem alten Kerl konnte man Pferde (vom Acker) stehlen und Käsebaguettes auf der Landstraße mampfen, Hauptsache es gab einen leckeren, trockenen Wein dazu.
Im heute-journal-Bericht wird erwähnt, dass der Film (abgesehen von Eddie Constantin) ausschließlich von Laien erstellt wurde. Musste ihr Freundeskreis für den Film "herhalten" oder wie kamen Sie an Schauspieler und Crew?
Das ist eine sehr persönliche Frage. Freunde hatte ich nie, das haben Größenwahnsinnige übrigens selten. Dafür kannte ich eine Menge professionelle Laien, die schon bei den zwei Wörtern Film drehen eine Erektion bekamen. Die schufteten dann wie die Bekloppten und ich liebe sie heute noch dafür.
Wie kamen sie an Werner R. Röglin? Röglin kennt man ja immerhin aus einigen der Frühachtziger Klamotten der Lisa Film von Karl Spiehs. Dort spielte er, wie auch im "Mikado-Projekt", oft den alle Klischees erfüllenden Schwulen. Ist er ein so guter Schauspieler oder ist er im richtigen Leben genau so? ;-)
Eine sehr schwule Frage. Werner spielt nicht rosa, er ist es. Ein bunter Hecht, wie er in jeden Teich gehört. Und der einzige Mann, der mir jemals Rosen zum Geburtstag schenkte.
War es schwierig Geldgeber für den Film zu finden? In den Credits werden Born & Emrich Movie Production sowie die Martin Taege Filmproduktion angegeben. In einem Zeitungsbericht wurde auch der HR als Koproduzent angeben.
Eine ausgekochte Frage. Keiner wollte nur einen Penny in "Das Mikado-Projekt" investieren, außer diesen zwei irren Jungs ... Born & Emrich, die schon bei den zwei Wörtern Film drehen eine Erektion bekamen. Ich glaube, Marten Taege und den hr-Redakteuren ging es da nicht anders.
In den Credits wird u.a. Arne Elsholtz als Dialogschreiber aufgeführt. Elsholtz, den meisten sicher bekannt als dt. Stimme von Tom Hanks, synchronisiert im Film auch R.R. Wickenreuther (Torsten Emrich).
Wenn mich mein Gehör nicht täuscht, leihen noch einige andere namhafte Synchronsprecher (Rainer Basedow als Geheimdienstchef, Erik Schumann als B. Bourbon, Mogens von Gadow als U-Bahnmitarbeiter) den Darstellern ihre Stimme. Wie kam es hierzu?
Eine detaillierte Frage. Ich war damals im Gebrauch meiner Stimme nicht so zungenfertig wie heute. Deshalb habe ich ausgekochten Stimmverleihern wie Arne, Erik Schumann (Eddie) und Rainer den Part überlassen. Schließlich sollte man später im Kino verstehen, (Emrich kichert) was da auf der Leinwand so geredet wird.
Der Film wird ja - auch von Ihnen - als DER deutsche Trashfilm schlechthin bezeichnet. War dies so geplant oder zeichnete sich dies erst später ab? Oder anders gefragt, wie war der Film ursprünglich von Ihnen geplant?
Mmmh, eine abgebrühte Frage. Naja ... damals fühlte ich mich mit der Kritik an meinem erstgemeinten ersten deutschen 007-Film sehr gekränkt. Oft weinte ich tagelang still vor mich oder biss voller Wut in diverse Dinkelpelzkissen. Aber die Zeit heilte alle Wunden.
Zahlreiche Abenteuer rund um den Globus in den frühen 90ziger Jahren ließen mich reifen wie einen guten Harzer Käse und ich begriff: Schlecht zu sein ist meine Bestimmung. Ein nur wenigen gegönntes Schicksal, ein einmaliges Geschenk, eine Bereicherung der Sinne, eine ...
(unterbrechend): Ist gut, Emrich, äh ... wieviele Zuschauer hatte der Film im Kino?
(verwirrt): Einspruch abgelehnt, ich meine eine schwierige Frage, denn ich habe keine blassen Dunst. Ich gab mich direkt nach dem Kinostart im Jahr 1983 total den Frauen und dem Alkohol hin. Wenn ich ehrlich bin, hatte ich bis 1986 einen kompletten Filmriss.
Auf dem DVD-Covertext werden sie als "Deutschland's Ed Wood" bezeichnet. Schmeichelt eine solche Bezeichnung? Oder finden Sie eine solche Bezeichnung unpassend, da Ed Wood selbst seine Filme ja immer als ernsthafte Werke angesehen hat?
Ed Wood genannt zu werden ist schmeichelhafter als z. B. Polsterpopper oder Arschgesicht. Also, ich kann damit gut leben. Übrigens eine verdammt coole Frage.
Überrascht es sie, dass "Das Mikado-Projekt" jetzt auch das digitale Zeitalter erreicht hat und als DVD erhältlich ist? Oder ist die Zeit jetzt einfach reif :-D Oder anders gefragt überrascht es sie, dass jetzt gut zwanzig Jahre nach Herstellung des Films das Interesse an Ihrem Film beständig wächst?
Eine Frage, die mich nachdenklich stimmt. Ich glaube, das sind die ersten Auswirkungen vom Elektrosmog, der uns alle ein bisschen gaga macht. So wird aus einem Hundehaufen eine Skulptur und aus dem "Mikado-Projekt" ein Kultfilm. Mir soll es recht sein, denn ich konnte mir durch die Vergabe der DVD-Lizenzen endlich einen Philips Sensotec 8894 leisten. Diesen Trockenrasierer benutzt Pierce Brosnan in Interner Link"Stirb an einem anderen Tag".
Auf der DVD ist auch der Musikclip zu "Geheimagenten" enthalten. Das Stück hört sich wie ein typischer (gelungener) Vertreter der NDW an. War der Song als "normales" NDW-Lied konzipiert, welches ja auch ohne den Film funktioniert?
Ohh, eine Musikfrage. Nun, mit dieser kongenialen Eigenkomposition wollte ich meine Ära zum King of Pop einleiten, leider hatte mein facegelifteter Altersgenosse Michael J. die besseren Karten.
(Die Frage müssen sie jetzt nicht beantworten)
Im Clip sind zahlreiche Ausschnitte aus bekannten Actionfilmen zu sehen. Haben die Filmfirmen Ihnen "einfach so" die Ausschnitte zur Verfügung gestellt oder hat dies auch Überzeugungsarbeit gekostet?
Diese Frage möchte ich nicht beantworten. Ich müsste aus Copyrightsverletzungen Jahrhunderte hinter schwedischen Gardinen verbringen. Ich sage dazu nichts. Auch wenn ihr mich foltert, aus mir kriegt ihr nicht raus, ich halte jeder Marter stand, außer vielleicht nackten Frauen und ...
Äh, entschuldigung, Emrich was machen Sie heute, gibt es evtl. auch aktuelle Film oder Fernsehprojekte? Wenn ja können Sie uns hierzu schon etwas erzählen?
Was ...?
Wir danken Ihnen für dieses Interview ...
Ich danke Ihnen für die offenen Fragen ...

Torsten Emrich lebt heute glücklich mit seiner Frau Ninet, Tochter Poema und Sohn Timothy in Frankfurt am Main.
Momentan arbeitet er an seinem neuesten Projekt EBENE 7, einer Hommage an John Steed und Emma Peel. Nächstes Jahr sind die Dreharbeiten einer 30 Min. TV-Folge auf 35mm geplant.
Mehr dazu ab 15. Dezember 2002 auf www.ebene7.tv

Das Interview führte Stefan Knust.

Bauer Emrich in action ...
Bauer Emrich in action ...



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