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Terror in den USA: Die Auswirkung für die Filmlandschaft
Selten oder besser gesagt fast nie gab es in der Geschichte des Films reale Ereignisse oder Katastrophen, die Einwirkungen auf die Filmlandschaft hatten. Kurzfristige Änderungen in der Veröffentlichungspolitik diverser Filmfirmen und langfristige Folgen im Käuferverhalten sind bisher abzusehen.
Am 11. September 2001, auf den Tag genau, als von den USA gelenkte Panzer und Kampfflugzeuge den Präsidentenpalast in Santiago de Chile in Schutt und Asche Bilder des Anschlags vom 11.09.2001gelegt hatten und das faschistische Gewaltregime von Pinochet in den Sattel gehoben wurde, trafen, von fanatischen Selbstmörderterroristen entführte und gelenkte Verkehrsflugzeuge frontal die beiden Türme des World Trade Centers, Welthandelszentrum in New York, und ins Pentagon in Arlington/Virginia, am gegenüberliegenden Ufer des Potomac Flusses nahe des Washingtoner Weißen Hauses. Das Pentagon, das Zentrum der mächtigsten Armee und dem weitausgebreitetsten Spionagenetz der Welt, wurde schwer getroffen. Die materielle und gleichzeitig symbolische Zerstörung dieser Weltmachtzentren konnte jedermann unzählige Male auf den Fernsehschirmen miterleben, wie in einem Hollywood-Sciene-Fiction-Film, wo panikartig von den Plätzen des Grauens Menschen flüchten. Wenn man nur an die vielen tausende Bilder des Anschlags vom 11.09.2001Opfer dieses ungeheuerlichen Anschlags denkt, läuft einem das grausen über den Rücken, das Herz schmerzt, der Kopf schwirrt, die menschlichen Gefühle sträuben sich, das Mitgefühl mit den Opfern und deren Hinterbliebenen ist tief und echt.

Eigentlich fast jeder von uns saß an diesem Tag vorm Fernseher, meist bis tief in die Nacht, und sah mehrmals die Türme einstürzen oder Menschen über hundert Stockwerke Richtung Asphalt fliegen. Die ersten "kleinen" Medienreaktionen in Deutschland waren sofort zu spüren. Die Radiosender spielten nur ausgewählte Songs, es wurden komödiantische und humoristische Einlagen ausgelassen, die Fernsehsender ließen diverse Filme ausfallen und Viva schaltete sich sogar komplett aus dem Fernsehnetz.
Nur ein Fernsehsender war so geschmacklos den Film Interner Link"Der Soldat James Ryan" auszustrahlen. Cover zu 'Turbulence 3'Welche Unterhaltung nach diesen Nachrichtenbildern. Die Filmfans tauschten ihre schockierenden Eindrücke untereinander aus. Das beste Beispiel ist das Internetforum DVDinside, wo sich die Benutzer in unzähligen Beiträgen zu der Lage äußerten oder einfach nur Dampf abließen. Was raus muss, muss raus.

Auch Hollywood reagierte auf den Terroranschlag. Oftmals greifen Kinofilme zukünftigen Ereignissen vor, indem sie aktuelle Konflikte weiterspinnen. Wer zurück denkt an Filme wie Interner Link"Einsame Entscheidung" oder "Ausnahmezustand" erlebt ein wahres Deja vu. Auch Tom Clancy hatte 1994 bereits in einem Buch einen gezielten Flugzeugcrash auf den US-Kongress detailliert beschrieben und daraus ein Weltkriegsszenario entwickelt. Nun wurde die Fiktion von der Realität eingeholt, und zwar in einem Maße, welches wohl nicht mal die phantasievollsten Drehbuchschreiber Hollywoods besaßen. Was gestern noch für wohlige Spannung im Kinosessel sorgen sollte, bekommt heute eine ganz neue Perspektive.
Selbst Hollywood hat dies, zumindest für kurze Zeit, eingesehen, und teils aus Sicherheitsgründen, teils aus Trauer und Schock, vorerst die Arbeit in den Studios gestoppt. Der Start des neuen Films von Arnold Schwarzenegger, "Collateral Damage" stand deshalb unter keinem guten Omen. Arnold spielt dort einen Feuerwehrmann, dessen Familie Opfer eines Terroranschlags wird. Die Handlung ist sehr nahe an der Realität. "Collateral Damage", eine makabre Anpielung auf den von der NATO für Ziviltote im Balkankrieg gebrachten Ausdruck, wurde deshalb auf unbekannte Zeit verschoben.
Sämtliche Werbemaßnahmen für den ursprünglich am 5.10.2001 startenden Film wurden gestoppt. Hintergrund: Der Trailer zu 'Spider-Man' wurde wegen einiger Szenen mit den Twin Towers entschärft.Eine markante Szene des Films zeigt die Zerstörung eines Wolkenkratzers durch einen Terroranschlag. Die Gründe für solche Schritte wurden folgendermaßen begründet: "Wir haben die aktuelle Problemmatik sofort ins Auge gefasst und festgestellt, keine actionlastige Titel ins Programm zu nehmen, deren Veröffentlichung taktlos wäre." Nun prüfen viele Anbieter, ob einige Filme gestrichen, oder vielleicht nur verschoben werden sollten, bis die Lage sich erst einmal wieder beruhigt hat.

Karsten Vogt, Verkaufsdirektor von Warner Deutschland, beurteilt alle in der nächsten Zeit erscheinenden Titel als thematisch unproblematisch, hätte aber keine Sekunde gezögert, Titel bei Bedenken zu streichen. Der Marketingleiter bei Universal, Murat Isgüder, hat ebenfalls alle zukünftigen Titel geprüft und lässt verlauten, dass es keine kritischen Titel gäbe.
Titel wie "Arlington Road" würde man zu diesem Zeitpunkt auf keinen Fall bringen. Bei dem Titel Interner Link"Verschollen" mit Tom Hanks wurde zunächst nachgedacht. Immerhin kommt dort ein Flugzeugabsturz vor. Doch der Grund dafür stehe in keinem wirklichen Zusammenhang mit den realen Terroranschlägen, und somit wurde der Film veröffentlicht. Etwas mehr Pech hatte der deutsche Anbieter BMG Video (UfA-BMG). Am 30. Oktober sollte der Film "Turbulence 3" seine Videopremiere erleben. Schon das Cover mit der bedrohten Passagiermaschine sagt mehr als tausend Worte. Doch der Respekt vor den Opfern in den USA und die restliche Thematik des Films führten dazu, dass für BMG sofort klar war, dass ein solcher Film momentan nicht erscheinen darf. Der Handel reagiert dafür zum Glück mit absolutem Verständnis. Wann der Film nun erscheinen wird, steht noch in den Sternen.

Ebenfalls auf ein unbekanntes Datum verschoben (vom 21. September auf ein unbekanntes Datum) wurde der eigentlich am 21. September erscheinende Film "Big Trouble" von Tim Allens, in dem eine Kofferbombe eine nicht unbedeutende Rolle spielt. Ed Burns Komödie "Sidewalks of New York", die am Wochenende in den USA starten sollte, wurde auf November verschoben. Nachdem der erste Teaser zur Comicverfilmung Interner Link"Spider-Man" unmittelbar nach den Anschlägen auf das World Trade Center zurückgezogen wurde, präsentiert Sony jetzt eine veränderte Version. Der Banküberfall aus dem ersten Teaser fehlt komplett, dafür sieht man etwas länger wie sich "Spidey" durch die Hochhausschluchten New Yorks schwingt. Zudem haben die meisten US-Seiten den Trailer von Interner Link"Spiderman - The Movie" von ihren Servern genommen, weil dieser ein großes Spinnennetz zwischen den Twin-Towers des World Trade Centers aufspannt. Auch für "The Last Castle", mit Robert Redford als General, wurden die Werbemaßnahmen gestoppt.
Dennoch wird die filmische Bearbeitung des Themas wohl nicht lange auf sich warten lassen. Denn genug Filmmaterial einer beeindruckten Destruktionsorgie ist bereits vorhanden. Doch die Produzenten eines solchen Films müssen sich im Klaren sein, dass sie dieses Thema mit der Kneifzange anpacken müssen. Gerade hier wäre der Zuschauer wahrscheinlich kritisch und empfindlich wie selten zuvor.
Obwohl Hochhäuser in Filmen wie Interner Link"Armageddon", Interner Link"Independence Day" oder "Deep Impact" eigentlich keine besondere Rolle spielen, kommen in Amerika Forderungen auf, diese Filme auf Dauer aus Videotheken und aus dem Programm der Fernsehsender zu entfernen. Das ist sicher etwas zu übertrieben, aber seien wir mal ehrlich: wer hat im Moment noch Spaß daran, ein künstlich in die Luft gesprengtes Hochhaus in New York einstürzen zu sehen, nachdem solche Bilder die täglichen Nachrichtenmagazine schmücken.

Ebenfalls Filme wie Roland Emmerichs Interner Link"Godzilla", der schon so manches Mal in meinem DVD-Player rotierte, bleibt vorerst im DVD-Schrank stehen. Der Unterhaltungswert dieses Films ist zur Zeit sehr gering. Dieser Trend zeigte sich aber auch in den USA. Zwei Folgen zeichneten sich in den amerikanischen Videotheken ab. Zum einen ging die Anzahl der Verleihvorgänge im allgemeinen stark zurück, Szene aus Roland Emmerichs 'Godzilla'in der ersten Woche wegen des großen Informationsdranges sogar um 70 Prozent. Zum zweiten waren ausschließlich Komödien und Familientitel gefragt. Die Bürger wollten sich ablenken und wieder lachen. Ernste Filme blieben dabei natürlich in den Regalen liegen.
Mittlerweile hat sich die Lage soweit beruhigt, dass die Verleihzahlen wieder anstiegen. Der Regisseur Wolfgang Petersen sagte in einem Zeitungsinterview: "Ich hätte ein Skript mit entführten Flugzeugen und Kamikazepiloten, die ind die Türme des World Trade Centers rasen und das Pentagon attackieren, als zu unwahrscheinlichen Horror abgelehnt."
Während Firmen wie Fox PR-Aktionen zu Interner Link"French Connection" oder Buena Vista zu Interner Link"American Werwolf in London" absagten, riefen viele Medien zu Spendenaktionen auf. Der US-amerikanische Videoverband VSDA rief seine Mitglieder zu einer "Penny per Transaction" auf, um Geld für die Hinterbliebenen der Opfer zu sammeln. In Deutschland folgten deutsche Radiosender und das Fernsehen der Aktion. Selbst der deutsche Indie-Hersteller Cineworld rief in einer deutschen Fachzeitschrift zu einer Spende auf.
Da in den USA sogar Mitarbeiter von Walt Disney und NBC ums Leben kamen, wollen diese mit einer Spende von sage und schreibe 10 Millionen Dollar ein gutes Beispiel geben. Der Telegraph berichtete, dass Miramax einen Film über ein Attentat auf das Weiße Haus drehen will. Hauptfigur ist der SAS-Agent Nick Stone, der die ehemalige britische Agentin Sarah Greenwood aufhalten soll. Diese wurde nämlich von Bin Laden angeheuert, um eine Bombe im Weißen Haus unterzubringen.
Die Geschichte beruht auf dem Buch "Chrisis Four", das der englische Autor Andy McNab bereits 1999 veröffentlichte. Angeblich war McNab (Pseudonym) früher ebenfalls SAS-Agent und unter anderem Kein Kinoeffekt: Einer der beiden Türme fällt in sich zusammenim Golfkrieg aktiv. Insofern dürfte er über einiges Detailwissen verfügen. Auch hat McNab schon mit Al Pacino und Robert DeNiro für Interner Link"Heat" zusammengearbeitet.
Der möglichen Kritik an diesem Filmprojekt ist sich McNab bewusst. Er verweist jedoch darauf, dass er sein Buch bereits zwei Jahre vor dem Attentat veröffentlicht habe. Micht neu, aber aktuell: Im Zusammenhang mit den Attentaten in den USA hat Bruce Willis einmal mehr bestätigt, dass es keine weiteren Folgen der Interner Link"Stirb Langsam"-Reihe mit ihm mehr geben wird. Willis spielte in den drei Filmen jeweils einen Einzelkämpfer-Cop, der im Alleingang eine ganze Gruppe von Terroristen zur Strecke bringt. Im ersten Teil war ein Hochhaus Ort des Geschehens. Neben den aktuellen Ereignissen dürfte aber auch der von Willis nachhaltig forcierte Imagewechsel Grund für diese Absage sein.

Es sind schon wieder zahlreiche Filmprojekte geplant. Da wäre zum Beispiel der Film zu Spielbergs aufpolierter "E.T." Version, die demnächst in die Kinos kommt. Die Fans freuen sich allerdings weniger über die neuen Szenen, angesichts der Tatsache, dass Spielberg sämtliche Waffen aus dem Film retouchieren ließ und einige aus heutiger Sicht anstößige Dialogzeilen entfernte. Lange hat es nicht gedauert, bis sich Hollywood wieder zurück auf der Bühne der Unterhaltung meldete und sich dabei auch des Terrors annahm. Dabei verwundert es nicht, dass es gerade Oliver Stone mit seinem Gespür für politisch brisante Themen ist, der als erster laut seine Ideen für einen Film über den Terror äußerte. Sensibilität und Zurückhaltung zeichneten ihn noch nie aus.
Die New York Post berichtete, Stone sei nicht davon überzeugt, dass alle Welt jetzt nur noch Filme wie "Zoolander" (eine harmlose Komödie mit Ben Stiller) sehen wolle. Vielmehr wolle er gerade jetzt einen Terrorfilm drehen, um das Phänomen zu ergründen. "It could be a fascinating thriller that would really entertain people.", so Stone.
Ob der Unterhaltungsfaktor allerdings tatsächlich so ausgeprägt ist, dürfte wohl zu bezweifeln sein. Gleiches gilt auch für die Frage der Finanzierung. Für solch einen Film dürfte momentan kaum Geld aufzutreiben sein. Macht aber auch nichts, denn auf diesen Film können wir verzichten.

Aber wie könnte es anders sein, muss in diesem Zuge auch nochmal auf die Filmzensur hingewiesen werden. Es gibt sicher wichtigeres auf dieser Welt, als dass sich Behörden und Gerichte um Filme, reine Fiktionen, kümmern und verbieten. Wie kann es dann sein, dass Hefte (Zeitung darf man es ja wohl nicht mehr bezeichnen) wie die Bild extra nur plakative Bilder von Leid oder vergrößerten Menschen, die in den Tod stürzen, abbilden und dafür auch noch Geld nehmen. Darum sollten sich die Gerichte mal kümmern. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.


© 2002 Daniel Ortholan und Andreas Bethmann
Abdruck mit freundlicher Gehnemigung von X-Rated.
Die Twin Towers vor dem Anschlag




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