Wicked-Vision-Index

Login 18er Bereich

Registrieren

Startseite und Neuigkeiten Reviews
• Filmberichte
• DVD/HD-Reviews
• Bildvergleiche
• Literatur
• Hörspiele Weitere, medienbezogene Informationen
• Hidden Features
• Schnittvergleiche
• Videocover
Slugs - Ein Albtraum aus Blut, Schleim und Wahnsinn

Prolog: SLUGS - A Novel of Mind-Shattering Horror. Written by Shaun Hutson (1982)

 
Trennlinie
The slug's eye stalks waved slowly as it moved towards the crimson lump on which several of its companions were already feeding. It slithered onto the meat and buried the long central tooth in the flesh, its rows of sharp radular teeth moving back and forth like rasps as it chewed off pieces of meat, enjoying the new coppery taste of blood. ("Slugs", Shaun Hutson, Seite VII)
Trennlinie
So beginnt der 1982 veröffentlichte Roman des britischen Schriftstellers Shaun Hutson, der das Genre des Tierhorrors um ein weiteres, faszinierendes Wesen erweiterte: die Nacktschnecke. Der Shaun Hutson1958 in Hertfordshire geborene Shaun Hutson gilt als der "Bad Boy" der britischen Horrorliteraturszene, nicht nur aufgrund seiner wilden Jugendjahre (er wurde unter anderem der Schule verwiesen und versuchte sich an diversen Jobs, die er allesamt unrühmlich beenden musste), sondern auch aufgrund der Tatsache, dass er sich niemals ein Blatt vor den Mund nimmt. Es sagt was er sich denkt, sei es über Schriftstellerkollegen, bestimmte Bücher, oder die Genreliteratur im allgemeinen, was ihm mehr Feinde als Freunde eingebracht hat (tatsächlich hat er sogar diverse Morddrohungen erhalten). Mit seinem Durchbruch als Autor zu Beginn der 1980er Jahre scheint er seine Bestimmung gefunden zu haben, und mit Werken wie "Spawn" (1983), "Erebus" (1984) und "Relics" (1986) untermauerte er seinen Ruf als "Godfather" bzw. "Shakespear of Gore". Zu seinen Hobbys zählen Filme, Rockmusik (u.a. Iron Maiden), und Fußball (Liverpool). Den größten Einfluss auf sein Schaffen haben - eigenen Aussagen zufolge - die Werke des Regisseurs Sam Peckinpah, und Kenner seiner Romane kommen nicht umhin, dem beizupflichten.
Den 208 Seiten starken Horrorschocker "Slugs" kann man guten Gewissens als typisches Frühwerk des Schriftstellers bezeichnen. Geradlinig, flott und blutig wird uns hier eine Geschichte erzählt, die sich nicht gerade durch Originalität auszeichnet. Die britische Kleinstadt Merton steht im Mittelpunkt Slugs by Shaun Hutsonder so ekligen wie unfassbaren Vorgänge. Gemeine Nacktschnecken, die sich mit einer fleischfressenden Spezies gekreuzt haben, bedrohen Mensch und Tier der unter einer brütenden Hitzewelle leidenden, idyllischen Stadt. Ron Bell, in dessen heruntergekommenen Haus sich die Schnecken rapide vermehrt haben (und deren Anführer bis zu zwanzig Zentimeter lang werden), bekommt deren Blutdurst und Heißhunger als erstes am eigenen Leib zu spüren. Zum unfreiwilligen Helden des Romans mutiert Mike Brady, Hauptverantwortlicher für das städtische Gesundheitsweisen, der relativ schnell hinter das Geheimnis der mysteriösen Todesfälle kommt. Zusammen mit dem Museumskurator John Foley und dem Kanalisationsarbeiter Don Palmer stellt er sich der mörderischen Bedrohung entgegen, und es gelingt ihnen schließlich im spannenden Finale, die Biester (die sich in der Kanalisation verstecken) mit einem speziell hergestellten Gift zu vernichten. Ende gut, alles gut? Denkste, denn nicht nur sind Opfer zu beklagen (Don Palmer wird von den bissigen Tierchen lebendig gefressen), sondern der Nachwuchs der Schnecken wartet (unbemerkt in der Salaternte eines lokalen Bauern) aufs Schlüpfen. Es ist Shaun Hutson hoch anzurechnen, dass es ihm tatsächlich gelingt, die eher lächerliche Idee von menschenfressenden Nacktschnecken glaubwürdig zu gestalten. Der Vorteil der monströsen Bedrohung liegt großteils in deren Anzahl sowie in der tödlichen Lautlosigkeit, mit der sie sich zum Angriff formieren (außerdem bewegen sich die Kreaturen deutlich schneller, als es von ihnen üblicherweise erwartet wird). Bis die Opfer merken, was da vor sich geht, ist es auch schon zu spät. Der betrunkene Ron Bell, das erste Opfer der Schnecken, hat nicht den Funken einer Chance, da er sich kaum auf den Beinen halten kann. Der Grabräuber, der in den Sarg voller hungriger Biester fällt, kann auch nur mehr auf ein schnelles Ende hoffen. Und auch das junge Liebespärchen, das so mit sich selbst beschäftigt ist, dass es das Herannahen der schleimigen Bedrohung nicht bemerkt, ist chancenlos gegen den glitschigen Albtraum. Drei Seiten lang schildert Hutson den blutigen Todeskampf der jungen Menschen, der so explizit ausfällt, dass wohl selbst Hartgesottene das eine oder andere Mal heftig schlucken müssen.
 
Trennlinie
It bit into her and she shrieked in pain, feeling the blood running freely from the wound. Another struck at her buttocks, boring deep into the flesh and now Donna struggled to her feet but, a third slug slid up the inside of her thigh and, to her horror, Donna felt it boring into her crutch. She screamed with renewed ferocity as the thick black thing forced its way into her, like some obscene bloated penis. ("Slugs", Shaun Hutson, Seite 140)
Trennlinie
Als ob der Horror der fleischfressenden Schnecken noch nicht genug wäre, tut sich noch eine weitere Gefahr auf, der Hutson allerdings nur in einer Nebenhandlung Beachtung schenkt. Der von den Schnecken ausgesonderte Schleim verwandelt Menschen in tollwütige Bestien, Original artwork by Mark Taylorwährend die in Schnecken lebenden Parasiten eine Gefahr ganz anderer Art darstellen. Mit anderen Worten: wird ein Teil einer Schnecke unbeabsichtigt (z. B. mit dem Salat) mitgegessen, so nisten sich die wurmähnlichen Parasiten im Menschen ein, bis sie ausgewachsen aus ihm herausbrechen (dieses Schicksal stößt z. B. David Watson zu, dem die Würmer aus seinem Auge platzen). In einer tabubrechenden Sequenz leckt die zweijährige Amanda Green ihren Finger ab, an dem sich etwas Schneckenschleim befindet. In kurzer Zeit überfallen sie schreckliche Schmerzen und in einem Anfall von Raserei beißt sie ihrer Mutter so tief in den Hals, dass diese hilflos verblutet. Auch dem Kind ist nicht mehr zu helfen, allerdings wird im Roman (noch) nicht erklärt, was genau es damit auf sich hat. Das hat sich Shaun Hutson für sein überaus hartes Sequel aufgehoben. Obwohl der Roman durchaus unterhaltsam und leidlich spannend zu lesen ist, so scheint es doch, als ob sich die Story episodenhaft von einem Splatter-Setpiece zum nächsten hangelt und sich Shaun Hutson nicht mal bemüht, Tiefgang zu erzeugen. Alle Charaktere bleiben oberflächlich und werden nur sehr vage skizziert. Am schlimmsten wirkt sich dies bei den Opfern aus, da einem ihr grausiges Schicksal mehr oder weniger egal ist, einfach weil man sie überhaupt nicht kennt und fast nichts über sie weiß. Aber auch die Helden bleiben schlicht und ergreifend eindimensional, ja, teilweise sind sie nicht einmal sonderlich sympathisch. Da es Hutson nicht schafft, dass man mit seinen Figuren mitfiebert, bleibt natürlich einiges an Spannung und Intensität auf der Strecke. Es hat fast den Anschein, als wären Shaun Hutson seine Schnecken und die von ihnen verübten Grausamkeiten, welche oft bis ins letzte, blutrünstige (manchmal sogar klinische) Detail geschildert werden, wichtiger als seine Protagonisten. So bleibt der Roman streckenweise ziemlich kalt und unemotional, stellt aber dank der geradlinigen Schnörkellosigkeit ein gefundenes Fressen für anspruchslose Horrorfans dar.

Main Feature: SLUGS, MUERTE VISCOSA (aka SLUGS: THE MOVIE) - They ooze. They slime. They kill. Directed by Juan Piquer Simón (1988)

Im Jahre 1988 wagte sich der 1935 in Spanien geborene Regisseur Juan Piquer Simón an eine Verfilmung von Shaun Hutsons Roman (der in seinem Heimatland übrigens zum Bestseller avanciert ist), und mit dem Ergebnis ist der britische Autor überhaupt nicht zufrieden. In einem Interview mit James Whittington für das Magazin "The Dark Side" (Ausgabe 118, Seite 60) äußert er seine Meinung zur Verfilmung (und zu Buchadaptionen für die Leinwand im Allgemeinen) auf folgende Weise:
 
Trennlinie
James Whittington: Your novel, "Slugs", was turned into a movie which, to be honest, wasn't the best horror movie I've seen. You've gone on record slating it as well, what went wrong do you think?
Shaun Hutson: What went wrong? Jesus, how long have you got? I must admit, I had absolutely nothing to do with it, as is patently bloody obvious I would have thought. To be honest, with all film adaptations, every writer knows that what appears on screen is rarely going to bare any resemblance to what they've written. You just pray that the film company give you enough money then lay back in your hammock in Bermuda and say "Yes, I thoroughly enjoyed the musical version of "Necessary Evil" starring Bette Midler and Liza Minelli." Then you go and count your money and forget about it ...
James Whittington: Has this experience stopped you allowing others to make movies from your text?
Shaun Hutson: If Paramount rang up tomorrow and said, "We'd like to turn all of your novels into comedies, here's an obscene amount of money", I would take the money, happily fuck off into the sunset and get on with my next novel. That's showbiz.
Trennlinie
Auch wenn Shaun Hutson sich mit Juan Piquer Simóns Interpretation seiner Vorlage nicht anfreunden kann, so finde ich doch, dass der Roman ziemlich adäquat auf die Leinwand transferiert wurde. Das Buch wurde von José Antonio Escrivá, Ron Gantman und Regisseur VHS-ArtworkSimón in ein Drehbuch umgewandelt, das sich nicht nur sehr eng an die Vorlage hält, sondern auch die Stimmung des Buches akzeptabel einzufangen vermag. Dass das Ergebnis teilweise sehr trashig und unfreiwillig komisch erscheint, liegt wohl mehr am Regisseur, der seit Mitte der 1960er Jahre als Filmemacher tätig ist und mit solch 'Klassikern' wie Interner Link"Supersonic Man" (1979), Interner Link"Pieces" (1982), "Los Nuevos Extraterrestres" ("The Pod People", 1983), Interner Link"The Rift" (1990) und "Cthulhu Mansion" (1990) bewiesen hat, dass sich der Name Juan Piquer Simón mit der Bezeichnung "großartige Horrorfilme" nicht vereinbaren lässt. Wie die Vorlage hat auch die filmische Umsetzung ihre Qualitäten, aber auch ihre Schwachstellen. Doch der Reihe nach ...

Interner Link"Slugs: The Movie" beginnt auf einem idyllischen See, wo ein junges Pärchen in einem kleinen Boot die Sonne genießt. Der Junge versucht sein Glück mit Angeln, wobei seine Füße ins Wasser baumeln. VHS-ArtworkPlötzlich spürt er einen Ruck, und bevor er weiß, was los ist, wird er ins Wasser gezogen. Seine Freundin muss hilflos mit ansehen, wie er unter der Wasseroberfläche verschwindet, und bald darauf färbt sich das Wasser an der Stelle, wo er versunken ist, blutrot. Nach dem Vorspann begegnen wir dem hochverschuldeten Trunkenbold Ron Bell, der am nächsten Tag aus seinem heruntergekommenen Haus delogiert werden soll. Doch soweit wird es nicht kommen, da er am Vorabend den gefräßigen Schnecken zum Opfer fällt. Mike Brady (Michael Garfield), der Gesundheitsinspektor, und Sheriff Reese (John Battaglia) finden einige Stunden später seine blutigen Überreste, teilweise bis auf die Knochen abgenagt. Während der Sheriff von der Annahme ausgeht, dass Waschbären dafür verantwortlich sein könnten, tendiert Brady eher zu mörderischen Ratten. Nachdem ein Pensionistenehepaar durch die schleimige Brut ums Leben kommt und zwei Teenager nach heißem Sex von den monströsen Wesen überrascht und lebendig gefressen werden, kommt Brady der grausigen Wahrheit langsam auf die Spur. Allerdings ist die Vorstellung von menschenfressenden Schnecken zu grotesk, als dass ihm die entscheidenden Stellen Glauben schenken würden. Zusammen mit seinem Freund Don Palmer (Philip MacHale), dem Verantwortlichen für die Kanalisation, und dem Wissenschaftler John Foley (Santiago Alvarez) macht sich Brady daran, der tödlichen Plage Einhalt zu gebieten, solange es überhaupt noch möglich ist ...

Slugs (Szenenbild 1)Slugs (Szenenbild 2)Slugs (Szenenbild 3)
Slugs (Szenenbild 4)Slugs (Szenenbild 5)Slugs (Szenenbild 6)

Das Hauptproblem des Filmes ist identisch mit dem der Vorlage: Es gibt keine sympathischen Identifikationsmöglichen, mit denen man mitfiebern kann. Sämtliche Protagonisten sind entweder überhebliche Arschlöcher (wie der strunzdumme Sheriff oder der klischeehaft Slugs (Szenenbild 7)gestrickte Bürgermeister), dumme Teenager (wie aus einem beliebigen Slasherfilm der 1980er), oder eindimensionale Durchschnittstypen, die so einfallslos charakterisiert sind, dass sie einem praktisch völlig egal sind. Mike Brady, der Held des Streifens, macht da keine Ausnahme, und es ist fast schon peinlich, seinen vergeblichen Bemühungen zuzusehen, betroffen zu wirken (wenn z. B. Freunde und Bekannte den Schnecken zum Opfer fallen; man achte auf die Dialoge!). Alles bleibt oberflächlich und es kommt leider so gut wie nie so etwas wie Mitgefühl mit den Protagonisten auf. Ein Manko, welches schon die Vorlage etwas abwertete, allerdings erscheint dieses Problem im Film erheblich größer als im Buch. Des Weiteren wurden einige Änderungen vorgenommen, die ich nicht gerade als glücklich bezeichnen möchte. Der erfundene Prolog des Films, mit dem Pärchen am See, ist völlig idiotisch und macht wenig Sinn, wenn die Schnecken wie bissige Piranhas den Jungen in die Tiefe zerren und fressen. Das Buch beginnt, nach einem kurzen Prolog über die Schnecken, mit Ron Bell, welcher im Film erst nach dem Vorspann seinen kurzen Auftritt hat. Die hinzugefügte Nebenhandlung mit einer Clique von Teenagern und ihrer Halloween-Party dient bestenfalls als Füllmaterial, um die gewünschte Länge von 90 Minuten zu erreichen.
Die entsprechenden Szenen sind nicht nur ärgerlich, sie führen auch (trotz eines Opfers bei der Party) ins Nichts und zum Drüberstreuen sind beinahe alle Teens so dämlich und unsympathisch charakterisiert, dass man sich wünscht, die Schnecken mögen doch gleich die gesamte Bande erledigen. Aber das ist dem Zuseher leider nicht vergönnt. Wieso es den Drehbuchautoren nötig schien, die Ursache der tödlichen Schneckenplage auf eine Giftmülldeponie zu schieben, bleibt ebenfalls ein Rätsel. Vielleicht war ihnen die Erklärung der Vorlage, dass sich verschiedene Spezies der Schnecken kreuzten, einfach zu unspektakulär? Ein weiterer Unglücksgriff der Drehbuchautoren ist meiner Ansicht nach die zeitliche Änderung der Schneckenangriffe. Während sich diese in Hutsons Buchvorlage stetig steigern und in ihrer Intensität zunehmen (die effektivste und blutigste Sequenz, der das sexhungrige Pärchen zum Opfer fällt, findet im Buch konsequent erst im letzten Drittel statt), wird im Film das Pulver relativ schnell verschossen, weshalb knapp nach zwei Dritteln der Laufzeit praktisch die Luft raus ist. Gegen Ende werden die Bemühungen von Mike Brady und seinen Slugs (Szenenbild 8)Freunden fast schon langweilig, und auch wenn das Finale relativ spektakulär ausfällt, so bleibt doch ein etwas bitterer Nachgeschmack, da die zwanzig Minuten davor einfach zu wenig passiert ist. Dass der Schneckenschleim nebenbei auch noch Überträger einer tödlichen Krankheit ist, welche die Opfer, die damit in Berührung kommen, in tollwütige Bestien verwandelt, wird nur in einem Nebensatz angedeutet. Im Buch wurden die schrecklichen Auswirkungen anhand eines Kleinkindes geschildert, welches in einem Anfall von Raserei seiner Mutter die Kehle aufreißt. Diese schockierende Szene glänzt im Film durch Abwesenheit.
Interessanterweise wurden zwei Ideen aus Shaun Hutsons Sequel "Breeding Ground" (siehe weiter unten) in den Film eingefügt. Da wäre einmal die Sequenz gegen Ende, als einige der Biester mit Hilfe von Elektrizität getötet werden. Außerdem stirbt ein Mann auf der Toilette, was allerdings leider nur angedeutet und nicht gezeigt wird (wir sehen hinterher nur die Überreste des Toten). Technisch gesehen ist der Film relativ routiniert inszeniert, wobei einige Szenen und vor allem gewisse Dialoge äußerst unfreiwillig komisch erscheinen (ich rätsle immer noch, wieso Brady seinem Freund Foley eine Schnecke zur Untersuchung bringt, ohne ihn auf die Gefahr hinzuweisen. Das Ding massakriert prompt seinen Hamster!). Wobei ich allerdings anmerken muss, dass ich mir nicht hundertprozentig sicher bin, ob Regisseur Simón die Absicht hatte, den Streifen beinhart und bierernst, oder doch eher locker und ironisch umsetzen zu wollen. Wenn ich jedoch die anderen Werke des spanischen Regisseurs als Vergleich heranziehe, so tendiere ich eher zu ersterem. Die Schauspieler sind großteils erschreckend schwach, aber für einen B-Film dieser Kategorie sollte man besser keine Oscar-verdächtigen Leistungen erwarten. Kamera, Schnitt und Ausleuchtung sind okay, und die Musikuntermalung unterstreicht das Geschehen bisweilen etwas zu aufdringlich.

Slugs (Szenenbild 9)Slugs (Szenenbild 10)Slugs (Szenenbild 11)
Slugs (Szenenbild 12)Slugs (Szenenbild 13)Slugs (Szenenbild 14)

Nun könnte man ja zu der Annahme verleitet werden, dass man Interner Link"Slugs: The Movie" unter allen Umständen meiden sollte. Doch weit gefehlt. Auch wenn der Film alles andere als ein Highlight des DVD-ArtworkHorrorkinos ist, so ist er doch ein unterhaltsamer und teilweise richtig blutiger Vertreter des Tierhorrorgenres, der für kurzweiligen Spaß sorgt, vorausgesetzt, man stellt keine allzu hohen Ansprüche. Dass der Film im Jahre 1990 beim Fantasporto Festival für einen Preis in der Kategorie "Bester Film" nominiert wurde, sollte man besser als keinen Qualitätsmaßstab heranziehen. Ich vermute mal, dass sich auch die Konkurrenzbeiträge in Sachen Qualität stark zurückhielten. Auch wenn nie wirklich Spannung aufkommt, so reicht es doch für Unterhaltung der anspruchslosen Art. Für Anhänger von splattrigen Todesszenarien ist Interner Link"Slugs: The Movie" ein kleiner Leckerbissen, sind die entsprechenden Sequenzen doch nicht nur äußerst blutig, sondern auch sehr einfallsreich und realistisch umgesetzt, sodass sie auch fast zwanzig Jahre nach ihrer Entstehung nichts von ihrer Faszination verloren haben. Der Goya Award in der Kategorie "Beste Spezialeffekte" war der verdiente Lohn für die sehr überzeugende Arbeit. Im Gegensatz zur Buchvorlage, wo die Todesszenen lange ausgewalzt und detailliert geschildert werden (was im Sequel noch x-fach gesteigert wird), so sind die filmisch umgesetzten Szenen zwar relativ kurz und prägnant, aber nichtsdestotrotz sehr effektiv und grausig. Höhepunkte diesbezüglich sind die Abtrennung einer Hand mit einer Axt (hier hält die Kamera voll drauf) und das Herausplatzen von wurmähnlichen Parasiten aus der Augenhöhle eines infizierten Mannes (diese Szene kommt im Film definitiv besser rüber als im Buch). Am wirkungsvollsten ist meiner Meinung nach jedoch die Szene mit dem splitternackten Liebespärchen, welches nach einer heißen DVD-ArtworkSexnummer dem gefräßigen Albtraum zum Opfer fällt. Besonders der Tod des Mädchens, welches bei der Flucht auf den glitschigen Biestern ausrutscht und mitten in die Menge fällt, ist ungemein blutig und schrecklich ausgefallen, wenn sie mit halbzerfressenem Gesicht und blutüberströmten Körper hilfesuchend die Hand nach ihrem Freund ausstreckt, während sie von den Schnecken lebendig gefressen wird. Eine tolle, blutrünstige Szene, die im Gedächtnis haften bleibt.
Auf Logik sollte man bei diesem Film lieber nicht wert legen, ansonsten könnte der Spaß erheblich beeinträchtigt werden. Wie kommen Hunderte von Schnecken innerhalb von Minuten ins Schlafzimmer des Paares, ohne dass diese es bemerken? Wieso tauchen Schnecken wie Piranhas pfeilschnell durchs Wasser? Wie kommt es, dass eindeutige Hinweise auf die Mörderschnecken (wie z. B. die zurückbleibenden Schleimspuren) konsequent ignoriert werden? Und wie zum Teufel schaffen es die oftmals fast apathisch daliegenden Biester eine Geschwindigkeit zu entwickeln, um Mensch und Tier überhaupt gefährlich werden zu können? All dies und vieles mehr bleibt ein Rätsel, und man sollte besser nicht zu viel darüber nachdenken.
Das Ende des Films verweist auf eine Fortsetzung, welche von Shaun Hutson zwar verfasst, aber bis dato nicht verfilmt wurde. Mit Interner Link"Slugs: The Movie" ist Juan Piquer Simón ein ansprechender, wenn auch über weite Strecken uninspirierter und klischeehafter Tierhorrorschocker gelungen, der eine nette, wenn auch reichlich absurde Bereicherung des Subgenres darstellt. Fans von B-Movies voller unfreiwillig komischer Dialoge, oberflächlichen Charakteren (meist verkörpert von talentfreien Schauspielern), aber effektvoll und blutig in Szene gesetzten Todesszenen sollten bei diesem Film voll auf ihre Kosten kommen. Ansonsten empfehle ich, das Hirn auf Leerlauf zu schalten, um das teilweise doch arg trashige Vergnügen entsprechend genießen zu können.

Epilog: BREEDING GROUND - The Slugs Have Returned to Their Breeding Ground. Written by Shaun Hutson (1985)

Drei Jahre nach "Slugs" ließ Shaun Hutson seinen schleimigen Horror erneut auf die Menschheit los, und das atemberaubende Sequel Breeding Ground by Shaun Hutsonstellt seinen nicht gerade zimperlichen Vorgänger in allen Belangen in den Schatten. Hutson setzt seinem Tierhorrorschocker-Bestseller nicht nur einen drauf, sondern gleich mindestens drei. Das Ergebnis ist ein kompromissloses Gorefest, das in dieser Form wohl unverfilmbar ist. Mehr denn alle anderen Bücher des britischen Autors ist "Breeding Ground" dem "Splatterpunk" verhaftet, und glücklicherweise geht mit der extremen Brutalität auch eine Steigerung in der Schreibweise des Schriftstellers einher.
Die Geschichte erscheint nicht mehr so episodenhaft angelegt wie im Vorgänger, und die Hauptfiguren haben mehr Tiefe und kommen sympathischer rüber, auch wenn zu Charakteren vom Schlage eines Stephen King noch viel fehlt. Der Epilog von "Slugs" dient gleichzeitig als Prolog von "Breeding Ground", was heißt, dass die Fortsetzung unmittelbar nach den Geschehnissen des Vorgängers einsetzt. Ort des Grauens ist diesmal jedoch keine unbekannte, idyllische Kleinstadt, sondern der Moloch London, in dem es von nichtsahnenden Menschen nur so wimmelt. Die Schnecken nutzen Menschen als den titelgebenden "Breeding Ground", wachsen in den unglücklichen Opfern, die durch die unsagbaren Schmerzen und der Auswirkung der Fremdkörper aufs menschliche Gehirn regelrecht in den Wahnsinn getrieben werden und alles töten, was sich in ihrer Nähe befindet. Shaun Hutson erklimmt neue Höhen der Splatterprosa, und seine flott erzählte Horrorvision nimmt nahezu apokalyptische Ausmaße an. Im Mittelpunkt des Geschehens steht diesmal der Arzt Dr. Alan Finch, der zu einer Patientin gerufen wird, deren Körper mit seltsamen Pusteln und Beulen übersät ist.
 
Trennlinie
Every inch of Molly Foster's skin was swollen and bulging with thick, oozing sores which were continually bursting, weeping their vicious contents onto the sheets. ("Breeding Ground", Shaun Hutson, Seite 104)
Trennlinie
Er verweist sie ins nächstgelegene Krankenhaus, wo die Frau in Raserei verfällt und eine Krankenschwester tötet, bevor ihre Beulen allesamt aufplatzen und sie tot zusammenbricht. Mit einem bei Scotland Yard angestellten Pathologen kommt er dem Geheimnis nach und nach auf die Spur, während zeitgleich die Schnecken zu tausenden über Buch-Artworkihre Opfer herfallen und viele mit Schneckenschleim in Berührung gekommene Menschen als Brutplatz missbraucht werden und emotionslos töten, was ihnen lieb und teuer ist. So ersticht ein kleiner Junge seine Eltern im Schlaf, eine Frau zerstückelt ihren Freund mit einem elektrischen Messer und ein Mann presst seiner Frau beim Liebesspiel einen Dildo in den Schlund, bis sie qualvoll erstickt ist. Zusammen mit Scotland Yard wird an einem Plan gearbeitet, der die Schnecken ein- für allemal ausschalten soll. In einem klassischen 'wir opfern zwölf Menschen um tausende zu retten' Szenario wird ein Dutzend ahnungsloser Soldaten mit der tödlichen Schneckenseuche infiziert, um die mörderische Brut - als Köder dienend - in gewisse Tunnels der Kanalisation zu locken, wo die Biester dann mit Strom getötet werden sollen. Der Plan gelingt, auch wenn ein infizierter Soldat ausbricht und einige Leute mit in den Tod reißen kann. Nach dem spektakulären Finale scheint trotz aller Verluste alles eitel Wonne zu sein, wäre da nicht der bösartige Epilog, der sowohl die Hintertür für ein weiteres Sequel weit aufstößt als auch dem Leser ein schmerzhaftes Anti-Happy-End vor den Latz knallt, welches einem Schlag in die Weichteile gleicht.
Shaun Hutsons Fortsetzung ist flüssig und temporeich geschrieben, bisweilen recht spannend und immer unterhaltsam, aber aufgrund der extremen Gewalt, die in ihrer detaillierten Beschreibung fast schon sadistische Züge annimmt, muss man zartbesaiteten Gemütern dezidiert von der Lektüre abraten. Des Weiteren nimmt sich Shaun Hutson auch bei der Beschreibung sexueller Aktivität kein Blatt vor den Mund und dringt ungeniert in Hardcore-Gefilde vor. Allerdings gibt es nach den Sexspielen für die Beteiligten ein böses Erwachen, da die Lust unverzüglich in ausweglosen Horror umschlägt. Immerhin ist es den zwei Burschen und dem Mädchen, welche sich in einem flotten Dreier austoben, erlaubt, ihre Höhepunkte zu erleben, bevor sie von dem schwarzen, schleimigen Albtraum gefressen werden. Der Showdown in der Kanalisation Londons ist wahrlich nicht von schlechten Eltern, sowohl in der klaustrophobischen Beschreibung der stinkenden, dunklen Tunnels als auch in der Schilderung der allgegenwärtigen Gewalt, die in den mit Exkrementen gefüllten Gängen umso härter erscheint.
Trennlinie
He pulled the Scot towards him, driving the bayonet into his stomach just below the navel, dragging the blade upwards until it cracked against Lewis' sternum. His stomach opened like a grinning mouth, the ragged edges of the wound stretching wide as his intestines spilled forward in a steaming tangle which made a loud splash in the filthy water. Bile, thick and green, came spilling from his slashed bladder and the Scot jerked in uncontrollable spasms as he attempted to push his innards back into the hideous rent. ("Breeding Ground", Shaun Hutson, Seite 205)
Trennlinie
Shaun Hutson ist kein begnadeter Geschichtenerzähler wie es beispielsweise Joe R. Lansdale ("The Drive-In (A B-Movie Buch-Artworkwith Blood and Popcorn, Made in Texas)" [1988], "The Nightrunners" [1987], "Mucho Mojo" [1994]) ist, dem es mit wenigen Sätzen gelingt, interessante Charaktere zu erzeugen und den Leser in den Bann der Story zu ziehen. Hutson ist ein solider Handwerker, der flott erzählt, dessen Geschichten und Protagonisten aber jeden Tiefgang vermissen lassen. Stephen King sagte einmal: "If I cannot horrify, I'll go for the gross-out". Bei Hutson hat man den Eindruck, als würde er sich gar nicht erst bemühen, den Leser erschrecken zu wollen. Er überspringt solche subtilen Praktiken und stürzt sich voll in den Gross-out-Bereich. Gorehounds werden es ihm danken, doch anspruchsvollere Gemüter werden von seinen expliziten Eskapaden nicht wirklich befriedigt werden. Aber auch die werden nicht umhinkommen anzuerkennen, dass seine Frühwerke eine kompromisslose Rohheit und Brutalität ausstrahlen, die weit über die schon nicht zimperlichen Werke seines Landsmannes James Herbert ("The Rats" [1974]) hinausgehen.
Mit "Breeding Ground" schafft Hutson immerhin eine klare Steigerung zu seinem Vorgänger, sowohl in Erzähltempo und Charakterzeichnung, als auch in der Schilderung des Grauens und der ungezügelten Blutrünstigkeit. Sein größter Verdienst ist es wohl, harmlose Schnecken in grausige, menschenfressende Monster zu verwandeln, und das auf durchaus glaubwürdige Art und Weise. Das Ergebnis ist ein schonungsloses Tierhorrorszenario, das seinesgleichen sucht. Ein starker Magen ist Voraussetzung für diesen Albtraum aus Blut, Schleim und Wahnsinn. Mahlzeit.
© 2006 Günter Müller



Alle Bilder und Texte sind Eigentum des jeweiligen Rechteinhabers

Copyright by Wicked-Vision 2000-2013/Designed by Daniel Pereé 2000-2013.