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Den Namen kenn ich doch!

Was viele Superheldencomics bei der Namensgebung vor machen, wird auch bei TRS eingesetzt. Ich meine natürlich sprechende Namen. Bei Superhelden und Bösewichtern handelt es sich oft um Namen, die zur jeweiligen Superkraft passen. Als Beispiele seien an dieser Stelle Magneto, Storm und Mr. Freeze genannt. Allerdings geht Autor Christian Gossett nicht so plump vor, sondern eher den Weg der klassischen Literatur, deren Figuren oft ihre inhaltliche Bedeutung aus Namensbezeichnungen der Antike beziehen.

Drei kleine Beispiele:

Markus Antares

Markus leitet sich Markus Antaresvom lateinischen Wort "martkos" ab und bedeutet sinngemäß "dem Mars geweiht". Mars war der römische Kriegsgott. Antares wiederum ist der hellste Stern im Sternbild Skorpion und entstammt dem Griechischen. Das Wort lautet übersetzt "Gegenares". Ares war der griechische Gott des Krieges. "Antares" ist somit sein Antagonist.

Markus Antares ist ein Soldat der Streitkräfte Imbohls, stellt sich aber im Verlauf der Geschichte gegen ihn. Imbohl verkörpert den Krieg, Markus ist durch seinen Eid der Streikräfte gegenüber ihm sozusagen "geweiht", aber zugleich ist er auch sein Widerstreiter.

Maya Antares

Maya hat mehrere Maya AntaresBedeutungen. Im Altjapanischen steht Maya für "Goldene Locke", auf Arabisch für Quelle oder Fluss, in Indien wiederum ist Maya eine Göttin, deren Name Illusion bzw. Zauberei bedeutet.

Die blonde Maya Antares ist eine Zauberin der V.R.R.S., dient in den Schussbuchten des Wokenbrüters Konstantinov als Batterie (Quelle) für die Geschütze des Schiffes, wird aber später ebenfalls zu einer Gegnerin des Kriegstreibers Imbohl.

Andrei Torin

Torin kommt aus Andrei Torindem gälischen und wird als "chief" ins Englische übersetzt. Das wiederum ist u.a. die Bezeichnung für den obersten Maschinisten auf Schiffen.

Torin ist - wen wundert es - Chefmaschinist an Bord der Konstantinov und dient unter Urik Antares.

... und innere Werte hat es auch noch!

Zur Zeit des bolschewistischen Aufbruchs propagierten russische Künstler ein neues Leben, eine bessere Welt für alle. In dieser sogenannten Avantgarde schien alles möglich zu sein; sie griffen nach den Sternen - und das quer durch alle Kunstformern. Beispielsweise:

Architekten wie Wladimir Tatlin entwarfen spiralförmige Türme, in deren Inneren sich Räume in unterschiedlicher Geschwindigkeit um die eigene Achse drehen sollten. Bücher wie Boris Pasternaks "Doktor Schiwago" oder die düstere Abrechnung mit der bolschewistischen Utopie "Wir" von Jewgenij Samjatin erschienen und wurden von der Zensur verboten. Sergej Eisenstein drehte den Film "Panzerkreuzer Potemkin", in dem neue Montagetechniken zum Einsatz kamen. Der Maler, Grafiker und Architekt El Lissitzky beeinflusste mit seinen Arbeiten das Design und die Architektur des 20. Jahrhunderts. Wsewolod Meyerhold inszenierte Theaterstücke, in denen sich die Akteure wie Puppen bewegten. Komponist Dimitrij Schostakowitsch schrieb Symphonien mit Fabriksirenen und eine Oper, in der stellenweise mit zugehaltener Nase gesungen werden musste.

Mitte der 30er jedoch verkündete die Kommunistische Partei der Sowjetunion (KPdSU) unter Stalin, der Sozialismus in Russland habe gesiegt und der Sowjetbürger sei nun endlich "befreit". Mit der Erklärung, der Klassenkampf sei vorüber, wurde der Avantgarde offiziell der Antriebsmotor entzogen. Leichte, seichte Unterhaltung war nun die neue Linie, der zu folgen war. Allgemeine Fröhlichkeit wurde verordnet, während weiterhin Säuberungskommandos durch das Land zogen, Erschießungen an der Tagesordnung waren und in den Gulags die Insassen dahinvegetierten und starben.

Die KPdSU wollte nun nicht länger den Geschmack der Massen revolutioniert, sondern gleichgeschaltet sehen, als Maßstab für alles künstlerische Wirken im Lande. Kunst sollte also ähnlich wie in Nazideutschland nicht länger individueller Ausdruck, sondern vom Staat gelenkte Propaganda und Opium fürs Volk sein. Fortan galt die Avantgarde überholt, deren Künstler nun gerade auch bei internationalem Erfolg in Gefahr schwebten. Viele starben in der Folge für ihre unkonventionellen Ideen, die als nicht systemkonform und antisowjetisch diffamiert wurden, in Arbeitslagern oder wurden gleich nach ihrer Verhaftung als Feind des Volkes hingerichtet.

Ebenso wie in der wirklichen Welt wurden auch die Menschen in TRS nach der Revolution ihrer Utopie beraubt. Machthunger, Gier und Verfolgungswahn sorgten für einen raschen Verfall der Ideale im Regierungsapparat. Der Mensch wurde zu einer entbehrlichen, beliebig reproduzierbaren Ressource degradiert. Mitunter werden hier Millionen in einem Handstreich auf dem Schlachtfeld geopfert. Das Individuum existierte für den Staat nicht länger.

Daher ist TRS all diesen Künstlern und ihren Träumen von einer besseren Welt gewidmet. Gossett versucht ihnen ein kleines bisschen Gerechtigkeit zu geben, indem er ihnen gedenkt und den Figuren in TRS die Möglichkeit gibt, für ihre Träume und Ideale, für eine bessere Welt zu kämpfen.

Etwas, das nicht in der Macht der Protagonisten der Avantgarde stand.

Lars Conrad

Lesetipp zum Thema: GeoEpoche Nr. 38 "Stalin - Der Tyrann und das Sowjetreich"





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