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Kriegstreiberei

Band eins endete mit einer Kurzgeschichte, Band zwei beginnt mit einer. Auch dieses Mal wird eine neue Figur eingeführt: Das fünfzehnjährige Mädchen mit der Fahne von der letzten Seite der ersten Geschichte spielt in "Run, Makita, Run!" die Hauptrolle. Maya hatte vor dem Aufbruch nach Nokgorka eine Ahnung, vielleicht sogar eine klare Vision, dass ein Mädchen wie Makita sie im kommenden Kampf töten und sie mit ihrem Mann Markus wieder vereinen wird.

Zunächst aber muss Makita binnen einer Stunde bei ihrem Vater sein, um einen Auftrag zu erhalten, den er nicht mehr erfüllen kann. Dazu muss sie das unter dem wochenlangen Bombardement zerstörte Bahamut - die Hauptstadt Nokgorkas - durchqueren ohne selbst von der Roten Armee getötet zu werden ...

Auch in der Hauptgeschichte des zweiten Bandes spielt Makita eine große Rolle. Seit über 40 Tagen schon wirft die V.R.R.S. Invasionsarmee Bomben über Bahamut ab. Das Land hat sich für unabhängig erklärt und soll nun in den Bund zurück gezwungen werden. Obwohl hunderttausende bereits ihr Leben ließen, weigern sich die Gorken zu kapitulieren.

Urik Antares, der mittlerweile Kommandant der Konstantinov ist, ahnt dass dieser Krieg nicht so schnell gewonnen werden kann und es in einem fürchterlichen Blutbad enden wird. Der Nimbus der Unbesiegbarkeit der V.R.R.S. Armee ist seit der Schlacht vor Kar Dathras Tor dahin. Doch im Oberkommando will man nichts von seinen warnenden Berichten wissen. So gehen die Kämpfe weiter, während sich Makita, mit dem Brief ihres Vaters in der Tasche, in den Ruinen auf die Suche nach Maya Antares begibt ...

Was gibt's Neues?

Nachdem man sich im ersten Band an das Setting herangetastet hat, starten Gossett und sein Team nun richtig durch. Wo es in der ersten Geschichte teilweise etwas an flüssigem Erzählstil mangelte und gerade die unkonventionelle Sprache noch gewöhnungsbedürftig war, darf sich der geneigte Leser nun vollends fesseln lassen. Man merkt, dass die erste Geschichte noch mehr ein Experiment war. Stil und Setting funktionieren und nun darf's los gehen. Dazu wartet "Nokgorka" selbstredend mit einem deutlich höherem Tempo und Seitenzahl auf. Für mein Empfinden ist auch die ohnehin bislang sehr gute optische Präsentation noch einen ganzen Zacken besser geworden.

Zwar wird allerhand Action aufgeboten, doch streut Gossett immer wieder kurze Momente des Innehaltens ein. Oft handelt es sich dabei um Rückblenden, die uns mehr aus der Vergangenheit von Urik, Maya, Markus und Alexandra zeigen. Wir sehen wie Markus und Maya sich kennen lernen und wie Urik einst als patriotischer Jüngling kaum auf seine Einberufung in die Armee warten konnte. Dazu steht im krassen Gegensatz sein älteres Ich, der Kommandant der Konstantinov: desillusioniert, deprimiert und dem Alkohol zugetan. Er hat Markus' Tod nicht verkraftet, gibt sich die Schuld hierfür und zweifelt immer mehr an der Richtigkeit der Befehle, die er ausführen muss.

Natürlich bietet Band Numero zwei wieder Einiges, für das es sich lohnt im Kaffeesatz zu lesen. Uriks Vorname könnte sich vom nordischen Namen Erik (eirikr = alleiniger Herrscher) oder schlicht von einer gleichnamigen Ortschaft in Russland nördlich der Grenze zur Mongolei ableiten.

Die Rote Frau hat in der Kurzgeschichte "Run, Makita, Run!" einen Begleiter an ihrer Seite. Sein Name lautet Iakos. Er beobachtet mit ihr, wie Makita ihrem Auftrag entgegen strebt. Dabei erfahren wir von ihm, dass Makita ein Mischling ist. Ihr Vater ist Nokgorke, ihre Mutter eine Rote Soldatin, die aber wegen rassistischer Ressentiments das Land vor langer Zeit verließ. Ihre Eltern lernten sich bei ihrem Dienst in Al'Istaan kennen. Gossett deutet im Laufe der Geschichte an, dass Alexandra Goncharova, ein Freundin von Maya, Makitas Mutter sein könnte. Sie war vor langer Zeit in Al'Istaan mit den Streitkräften, hat die selbe grüne Augenfarbe wie Makita, ist ebenfalls rothaarig und sie verflucht die Tatsache, dass sie wieder nach Nokgorka zurück gekommen sei (Seite 76). Da sich die beiden nie persönlich kennen gelernt haben, wäre diese Verbindung denkbar. Falls das stimmt, könnte das in Zukunft noch relevant für die Geschichte sein.

Zurück zu Iakos. Er könnte vom griechischen Namen Aiakos abgeleitet sein. Aiakos war der Sohn des Zeus und der Aigina, der Tochter des Flussgottes Asops. Ein übernatürliches Wesen ist er jedenfalls, da er sich bei der Roten Frau in der Geisterwelt befindet. Gleichzeitig gibt er an sich vor den Menschen in körperlicher Gestalt manifestieren zu können - eine Fähigkeit, die auch den Göttern der Antike zugesprochen wird. Da wir aber nur wenig über ihn erfahren, werden zukünftige Bände zeigen müssen, ob etwas an dieser Verbindung dran ist oder ob ich gerade total falsch liege und Gossett sich den Namen bloß nach dem Genuss von zu viel Bier aus dem Ärmel geschüttelt hat.

Makitas Name gibt ebenfalls Anlass zur Spekulation. Makita stammt möglicherweise aus dem Japanischen und bedeutet frei übersetzt so viel wie "der wahre Norden". Ist es Zufall, dass der Auftrag der Roten Frau an die Heldentruppe am Ende lautet, nach Norden zu fliegen, wo sich das Gefängnis der Seelen befinden soll? Könnte sich dort ihr Schicksal erfüllen oder setzt Gossett gar die Namen gezielt für all diejenigen ein, die diesen Bedeutungen auf der Spur sind, um unsereins auf eine falsche Fährte zu locken? ARGH! Verdammt, wo bleibt der Nachschub an neuen Bänden?!

Lars Conrad





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