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Ein Tiergarten voller Blaurücken - Interview mit Oliver Krekel
Wieder einmal machten sich Mitglieder der Wicked-Vision-Redaktion auf den Weg, den Wissenspool der Phantastischen Filmkultur durch kritische Recherche und investigativ gewonnenen Informationen zu bereichern. Ihrer Berufung folgend, zogen Herausgeber Daniel Perée, die Chefredakteure Jörg Kopetz und Stefan Knust und der mit einer Videokamera ausgerüstete Marc Schulz dieses mal in Richtung Kassel. Denn dort, gut versteckt in der pittoresken Eigenheimansammlung einer Vorstadt-Idylle, steht sie: Die Astro-Villa! Das war die gute alte Zeit und sie kommt nie mehr wieder ... Astro war das in Deutschland wegweisendste Label für den unterschlagenen Film.Heimstätte der Familie Krekel und zugleich die heiligen Hallen, die die legendären DigiDreams-Studios beherbergen. Dieser Ort sollte also Schauplatz einer ganz besonderen Audienz werden: Die Wicked-Recken hatte sich hier zusammengefunden, um ein Interview zu führen - mit dem Mann, der der Horror-Fan-Szene die Schwarze Serie "geschenkt" hatte; mit dem Mann, der für seine Taten fast eine Gefängnisstrafe hätte abbüßen müssen; mit dem Mann, dessen Name Oliver Krekel ist - oder, wie seine Fans ihn (etwas unprätentiöser vielleicht; aber auch um so liebevoller) nennen: mit Astro-Olli!!

So ließen wir uns schließlich in den Büroräumen der Firma zu einem kleinen Plausch nieder, der dann doch eine knappe Stunde andauern sollte. Mr. Astro, der insbesondere nach Aussage diverser Foren-Besucher dafür bekannt bzw. berüchtigt ist, kontroverse Anlässe für hitzige Diskussionen zu liefern, präsentierte sich uns als sympathischer und ungemein herzlicher Zeitgenosse, der es -mit viel Witz und einer erfrischenden Überheblichkeit- verstand, seine Interviewpartner mit Erzählungen aus seinem Leben und dem Filmgeschäft zu fesseln. Dass er hierbei nicht so recht seinem Image entsprechen wollte, mag manchen Leser vielleicht verwundern. Doch die ihm oft nachgesagte Arroganz entpuppte sich hierbei oft als eine authentische Haltung, die zwischen inbrünstiger Überzeugung und schelmischer Ironie hin und her wechselte. Es ist sicherlich der Natur des Internets anzulasten, dass dieser Charakterzug, der einige seiner Aussagen vielleicht bei vielen in einem anderen Licht erscheinen lassen würde, noch nicht von der breiten Öffentlichkeit entdeckt wurde.

Dass dies auch ein Interview nicht vermag, das aufgrund seiner Übertragung in graphische Zeichen zu viele nonverbale Kommunikationskanäle ausblendet, ist bedauerlich. Es bleibt natürlich nicht aus, dass bei der Verschriftlichung eines Video-Interviews einige Aussagen, die der Natur der mündlichen Sprache entsprechend oft ins Unreine formuliert sind, etwas geglättet werden müssen, um einen gewissen Grad an Lesbarkeit zu sichern. Wir haben uns jedoch bemüht, den sprachlichen Stil des Gesprächs beizubehalten, um zumindest ein wenig vom Live-Charakter der Situation und der Persönlichkeit des Herrn Krekels in die Online-Version hinüberzuretten. Dies wiederum bedingt eine gewisse Ungeschliffenheit des Wortflusses, die -so hoffen wir- aufgrund der genannten Vorteile vom Leser toleriert und vielleicht sogar geschätzt wird.

Viel Spaß nun - mit dem Interview!!


Hallo Oliver, erzähl uns doch bitte, wie es damals zur Gründung von Astro Records And Filmworks bzw. Astro Distribution kam. War Astro anfänglich nur als reines Musiklabel gedacht, oder wollte Ihr von Beginn an auch Filme herausbringen?
Nein, also das war eigentlich von vornherein nicht als Filmlabel gedacht: Wir hießen ja Astro Records und waren damals ja recht erfolgreich im Musik-Business. Auf Filme bin ich folgender Maßen gekommen:
Ich habe bei Brinkmann einen Laserdisc-Player gesehen -ich glaub, den Philips 415- und den haben sie da für ungefähr Oliver Krekel, Geschäftsführer der Firma Astro Distribution im Interview mit Wicked-Vision399 DM verkauft und da habe ich mir gesagt: Oh Mann, das ist ja eine tolle Sache, den kaufe ich. Ich habe aber dann nicht "einen" sondern alle 25 gekauft und sie bei mir in die Videotheken gestellt.
Ich habe dann mit denen ein Agreement gefunden, dass er Laserdisc-Player und Laserdiscs verleiht: Der hat mir dann eine ganze Wand frei gemacht und dort haben wir dann Laserdisc-Player reingestellt. Das lief dann auch alles recht gut und er hat 50 Prozent von den Einnahmen bekommen, allerdings haben mir so einige Filme gefehlt. Filme wie Interner Link"Zombie" ... meine Jugendsünden halt. Da ich sie bereits auf Video besaß, wollte ich sie gerne auch auf Laserdisc haben. Die Firmen, die ich angesprochen habe, die die Rechte hatten, sagten: Nee, machen wir nicht. Ist für uns kein rentables Geschäft. Wenn wir nur 1000 Stück verkaufen, interessiert uns das nicht. Dann habe ich gesagt: Dann lizenziert sie mir doch, denn für mich ist es ein lohnendes Geschäft, wenn ich 1000 verkaufe. Und so ist es dann zustande gekommen. Das heißt, ich habe angefangen, Filme zu machen, weil ich die Filme, die ich sehen wollte, nicht bekommen habe. Das sollte eigentlich kein großartiges Geschäft werden. Wir haben uns dann ziemlich schnell -damals noch zusammen mit der Firma Laser Paradise- zum führenden Laserdisc-Anbieter hoch gearbeitet.
Im Prinzip hast Du Dir also Dein eigenes Programm geschaffen ...
So ist es ...
Neben Horrorklassikern brachte Astro auch immer wieder erfolgreiche Mainstream-Filme auf Laserdisc heraus.
Wie du schon sagtest, ging es mit Laserdiscs los und die nachfolgenden Filme kamen dann auch nach und nach als VHS. Auf Laserdisc erschienen sogar einige "normale" Klassiker wie Interner Link"Werner 2", Interner Link"Red Heat" und Interner Link"Die Klapperschlange". Der Anteil an Horror- und Splatterfilmen war aber immer größer. Und dies, obwohl diese Filmgattung gar nicht mal Dein Lieblingsgenre ist; so wurde es mir zumindest berichtet. Wieso entwickelte sich Astro zu einem Label, das so stark vom "Horrorfilm" dominiert wurde?
Die Jugend ...
Ich bin ein sehr nostalgischer Mensch. Ich freue mich unheimlich, wenn ich irgendwelche Leute wiedersehe, die ich ewig und drei Tage nicht mehr gesehen habe. Diese Filme hatte ich früher auf Super 8 und natürlich hatten die immer den Hauch des Verbotenen.
An andere Filme war auch gar nicht ran zu kommen. Am Anfang hätte ich nicht die Möglichkeit gehabt, einen Interner Link"Werner 2" oder so etwas zu lizenzieren, den hätten die Firmen dann selbst gemacht. Also war das Einzige, was man günstig bekommen konnte, der "Horrorfilm", weil da die Firmen gesagt haben: "Wir machen das sowieso nicht, weil das nichts bringt." Das war so eine Symbiose von dem was möglich war und was ich selber machen wollte. Natürlich hätte ich gerne größere Filme gebracht und wir hatten ja am Schluss auch z.B. Interner Link"Der Fan" mit Wesley Snipes und Robert de Niro oder "Der Geist und die Dunkelheit". Wir haben ja am Schluss eine ziemliche Mainstream-Palette aufgefahren, aber am Anfang war das finanziell gar nicht möglich, weil solche Filme lizenztechnisch wesentlich mehr kosten.
Du bist gelernter Tontechniker und hast auch selbst Musik gemacht. Wir erinnern uns gern an die geniale Coverversion von "Ich will Spaß - ich geb Gas" auf der Interner Link"Werner 2"-Laserdisc. Erzähl uns doch bitte etwas über deinen Werdegang und wieso du dich letztendlich nicht für die Musik entschieden hast ...
(lacht) Das war sowieso eine ganz komische Nummer: Musik mache ich eigentlich seit meiner Kindheit. Mit drei Jahren auf unserem Heimatfest habe ich bei meiner Mutter so lange gequengelt, bis sie mir eine Blechtrommel gekauft hat. Ab da ging das Elend praktisch los. Ich habe dann auch irgendwann mit Schlagzeug angefangen und so weiter; es war aber mehr ein Hobby. Ich wollte da nie hoch hinaus ... natürlich träumt man davon, aber irgendwo bin ich da doch Realist geblieben.
Mein Haupt-Hobby war ja auch Fußball: Ich war als Torwart beim CSC 03 sehr erfolgreich; wir haben als einzige Mannschaft aus dem Nordhessen-Raum um die deutsche Meisterschaft gespielt. Ich war bei der Kreisauswahl, Bezirksauswahl, Hessen-Auswahl und Gespannt lauscht Astro-Olli den Fragen unseres stellv. Chef-Redax Jorgebei Lehrgängen zur Jugendnationalmannschaft ... Wenn das so weiter gegangen wäre, hätte ich heute vielleicht die Geliebte und nicht der Herr Kahn <lacht>. Aber irgendwann habe ich mich dann wirklich für die Musik entschieden und dafür, mit dem Fußball aufzuhören. Ob es im Nachhinein ein Fehler war? Man weiß es nicht ... Ich sag' heute: Es war ein Fehler, weil ich ziemlich gut war ... sonst hätte ich ja auch nicht in den Auswahl-Mannschaften gespielt ...
Mit der Musik ging es stetig bergauf bis wir sogar mit "Contrast" Europas Newcomerband "Nummer Eins" waren. Da werden wird demnächst auch noch eine DVD herausbringen. Mal sehen was wir da als Video machen ... denn so einen alten Sack wie mich, will ja eigentlich gar keiner mehr sehen <lacht>; dann machen wir vielleicht die "Milli Vanilli"-Geschichte ...
Dann hat es aber den Rapper zerschlagen: Der war nicht nur fahnenflüchtig - sondern auch drogensüchtig. Das hat richtig gepasst, und so ging das dann mit der Musik immer weiter bergab. Ich spiele heute immer noch ein bisschen, oder wenn jemand mal einen Tontechniker braucht, dann springe ich da ab und an mal ein. Ansonsten ist das völlig in Vergessenheit geraten. Eigentlich schade - zumal ich im Studio noch die Möglichkeiten hätte, ein paar Sachen zu machen. Vielleicht mache ich ja auch irgendwann mal wieder was in der Richtung.
Für einige Acts habt ihr ja auch den Vertrieb übernommen ...
Ich habe einige Sachen gemacht: Vor allem im HipHop-Bereich. Ich weiß nicht, ob "Die Rächer" ein Begriff sind ... die sind von mir, ich habe den Name erfunden; Daddy's Finest, Aint No Joke, die dann 'ne Menge Platten hatten ...
Wir waren allerdings nie soweit, dass man sagen konnte, davon lässt sich jetzt leben. Ich hatte damals eines der besten Tonstudios, in das ich viel investiert hatte, weil ich schon immer ein Qualitäts-Fetischist war. Da werden einige jetzt wahrscheinlich lachen, die die "Schwarze Serie" kennen, aber das ging damals tatsächlich nicht anders. Und das lief schon ganz gut. Mit den Rächern waren wir sogar so weit, dass wir im DMC-Mixclub -ich weiß gar nicht, ob es den heute noch gibt- im Vorabplay einen Tanzflächenfüller hatten. Die vergaben 0 bis 100 Prozent und wir hatten von allen zehn DJs nicht unter 80% bekommen. Trotzdem hat die SPV, die das Ding damals gemacht haben bzw. machen wollten, den Schwanz eingezogen, weil die Musik ganz knallhart gegen Rassismus ging; also gegen Rechtsextremismus. Und trotz dieser wahnsinnigen und besten Bewertung, die sie jemals zurück bekommen hatten, haben sie gesagt: Ne, ist nicht unser Ding - haben wir ein Problem mit.
Irgendwann sagst du dir dann: In der Musik-Branche stecke ich rein wie ein Geistesgestörter. Im Filmbereich hole ich das Geld rein, was ich da wegstecke. Ich habe nebenbei auch noch als Geschäftsführer in einem Elektronikladen gearbeitet und das alles bis 1994 nur nebenbei gemacht. Du sagst dann irgendwann: Bevor ich da mehr rein stecke als ich verdiene, lässt du die ganze Sache sausen; habe das Tonstudio verkauft und mich ganz dem Film gewidmet.
Es gab da mal diesen schönen, kultigen Astro-Gesamtkatalog von 1997, in dem sehr viele Titel mit Cover abgebildet waren. Viele Filme sind dann davon aber nie erschienen; so z.B. "Die Feuerzangenbowle", "Rossini", Interner Link"Brainscan" und die Interner Link"Mad Mission"-Box.
Lag dies daran, dass die Laserdisc zu diesem Zeitpunkt bereits ausstarb oder war es dann doch nicht möglich, die Rechte zu erhalten?
Nee, die Rechte hatten wir ja alle, sonst hätten wie diese Titel ja nicht abdrucken dürfen. Aber wie du schon sagtest: Die Laserdisc war am ... Aussterben würde ich das nicht nennen: Es wäre einfach ein zu hohes finanzielles Risiko gewesen. Denn in der Filmbranche läuft es so, dass du erst immer alles bezahlen musst, bevor du es auf den Markt bringen darfst. Und Der seltene und einzige Gesamtkatalog von Astro. Viele abgebildete Laserdiscs sind leider nie erschienen ...wir hatten ja Interner Link"Mad Mission", wir hatten ja wahnsinnige Master, wir haben die ja komplett aufbereitet - alle 4 Stück; aber es wäre einfach ein zu hoher Pressaufwand gewesen und so weiter. Man muss einfach sehen, dass gerade im Independent-Bereich -man denke z.B. an die Insolvenz von Kinowelt, Helkon und wie sie heißen- das nicht so einfach ist und dann geht es auch irgendwann nicht mehr.
Wenn du die Interner Link"Mad Mission"-Master da liegen hast, die waren fertig und ich hätte sie nur nach Pioneer-Japan schicken müssen; aber sobald ich sie wegschicke, bekomme ich von Pioneer eine Rechnung: So eine Laserdisc kostete damals 10 Dollar. Am Anfang war das schön: Als wir angefangen haben, stand der Dollar bei 1,39, am Schluss stand der Dollar bei 1,85 und das heißt, bei einer Interner Link"Mad Mission"-4er-Box: 4000 x 10 Dollar; das sind 40000 Dollar, und die musst du vorweg abdrücken; und die waren einfach nicht da, so einfach ist das.
Mit Titeln wie Interner Link"Zombie", Interner Link"Tanz der Teufel" und Interner Link"Muttertag" ist Astro zur Ikone der deutschen Horrorgemeinde geworden. Du hast dir dadurch viele Freunde und Fans, aber auch Feinde und Neider gemacht. Was denkst du über diese sogenannte "Szene"?
Die "Szene" ist mir persönlich nicht so geläufig. Ich bin niemand, der auf Börsen rumspringt oder da Stände hat und auf Teufel komm raus Geld verdienen will. Sonst wären wir auf jeder Börse anwesend gewesen; dann würde es mir heute wohl auch finanziell besser gehen. Aber ich sehe mich als Wirtschaftsunternehmen und da kann ich nicht an die Kunden meiner Kunden verkaufen; das geht einfach nicht. Das machen wir jetzt teilweise so in Hamburg, weil unser Angestellter, der Herr Herden, da oben arbeitet. Das ist aber mehr um präsent zu sein. Daher ist mir die Szene an sich nicht so geläufig, als dass ich mich da irgendwie zu äußern könnte.
Was ich aber schade finde, ist dieses typisch deutsche Phänomen der Neid-Geschichte: Man gönnt dem anderen die Butter nicht auf dem Brot. Das find ich ziemlich schade.
Wir setzen uns ja nicht hier hin und machen irgendwelche DVDs absichtlich schlecht. Man muss sehen, was zum Zeitpunkt des Entstehens des Medium an Geld vorhanden ist; also an finanziellen Mitteln, an Mastern, die mit diesen finanziellen Mitteln zu realisieren sind, und ob man es dann macht oder ob man es lässt. Wenn man natürlich vorher Rechte im Wert von 50000 Dollar gekauft hat, kann man nicht sagen, ich muss jetzt noch mal 50000 in Master investieren, von denen ich noch nicht mal weiß, ob es sie überhaupt gibt - und deshalb warte ich jetzt noch 1-2 Jahre. Das ist in dieser Branche und in diesem kleinen Bereich einfach nicht möglich. Das haben einfach viele Leute nicht gesehen: Die haben zwar damals 100 DM für ein 7000 mal abgenudeltes Band von Interner Link"Sado" bezahlt, was eine Bildqualität von schlecht bis nicht mehr zu sehen hatte, aber wenn heute auf einer DVD für 15 Euro ein digitaler Spratzer, der nun mal öfter da ist -selbst bei Major-Firmen-, auch je nach dem wie die Player-Kompatibilität aussieht, dann geht das große Geschrei los, das hätte man besser machen müssen usw. Die Leute sehen leider gar nicht, was alles hinter dem Entstehungsprozess einer DVD steckt: Wenn wir nicht ein eigenes Studio hätten, wenn wir die ganzen DVDs -wir haben 200 im letzten Jahr gemacht-, wenn wir die außer Haus geben und eine Menge Geld zahlen müssten - dann hätten wir massive Probleme.
Von daher ist mir die "Szene" nur von daher geläufig, dass -ohne da jetzt unbescheiden sein zu wollen- ich derjenige bin, der zu seinem Wort steht. Wenn mich jemand fragt und ich sage, das ist so, dann ist es so. Und da habe ich gemerkt, das ist in der Szene nicht der Fall: Da wird sehr oft dummes Zeug geredet und dann auch noch als Fakten hingestellt. Aber ich habe den Kampf, diese Leute zu missionieren auch längst aufgegeben, weil das einfach zu viel Energie kostet.
Ja, gerade die Anonymität des Internet scheint einige Leute zu beflügeln ...
Die haben ja ihren Namen nicht da drin stehen. Bei mir steht Oliver Krekel; da weiß jeder, wer das schreibt. Oder ich muss mich später sogar noch dafür rechtfertigen, ob ich es denn auch wirklich bin. Wenn ihnen da irgendwelche Sachen nicht in den Kram passen, heißt es, das ist nicht der echte Krekel sondern ein Faker, aber o.k. ...
Es ist aber auch, und das ist das was mich so verwundert, eine ziemlich junge Szene. Leute, die mit dem Medium gar nicht aufgewachsen sind. Die wissen gar nicht, was das bedeutete, früher mit drei TV-Programmen klar zu kommen.
Wenn ich früher -ich war ein Landkind damals- nach Kassel in die Stadt gefahren bin und mir ein Video ausleihen wollte, da hast du eine Woche vorher geplant. Du hast dich in den Bus gesetzt und bist dahin gerammelt. Auto war ja vollkommen illusorisch oder vielleicht mal Kumpels, die dich dahin gefahren haben. Ich hatte ein Mofa, 'ne Malakuti, eine Samstag-Abend-Bastelmaschine; da hast du gekämpft, dass du deine Filme sehen konntest, und das für eine Leihgebühr von 10 DM am Tag. Interner Link"Red Heat" hat damals im Einkauf für die Videothek 395 DM gekostet; genau wie Interner Link"Alien", nur den konnte man nach 30 Leihvorgängen wegschmeißen - so dunkel war das Bild dann. Damals lief das noch gut; da hatten so Videoanbieter wie z.B. VPS eine Segelyacht in Cannes.
Gerade die Horrorszene ist sehr jung geworden und -ohne es jetzt abwertend klingen zu lassen- in vielen Beziehungen auch unerfahren. Aber woher sollen die es auch wissen: Die sind mit Sam Raimis Interner Link"Tanz der Teufel" erst in Berührung gekommen, als sie Interner Link"Xena" und "Hercules" gesehen hatten. Daher ist das eher schwierig, von einer eigentlichen "Szene" zu sprechen, weil irgendwie in Deutschland das Phänomen der "Ich"-Bezogenheit vorhanden ist. Jeder ist sich erst mal selbst der nächste; man kann von "Community" reden, aber nur so lange bis es einen selbst tangiert - das ist eigentlich schade.
Ich kann mich auch noch gut an die alten Zeiten erinnern: Da war man froh, wenn man überhaupt irgendwie an die begehrten Filme gekommen ist. Das war dann oft die zigste, total grottige Kopie auf Video - aber irgendwie standen die inhaltlichen Aspekte mehr im Vordergrund. Die junge "Szene" von heute verdammt eine Veröffentlichung schnell, die nicht zumindest anamorph ist ...
... ein Schwarzweiß-Film von 1930: Bitte anamorph, bitte in Dolby Digital 5.1 oder 6.1 und bitte in Farbe; sonst ist's scheiße ...
Ein echtes Lieblingskind der Fans ist ja der Film Interner Link"Zombie" ("Dawn Of The Dead"). Wie bist du eigentlich auf die Idee gekommen, die verschiedenen Fassungen des Films zusammen zu schneiden und somit den "Ultimate Final Cut" zu erstellen?
Die Idee war ganz einfach: Erst mal gab es ja in Deutschland allein schon 5 verschiedene Fassungen. Dann gab es ja noch das GMT-Tape und die haben drauf geschrieben, das ist das ultimativ längste, was es jemals gibt. Ich bin halt sehr ehrgeizig und da wollte ich sehen, ob man nicht wirklich das ultimativ längste machen kann. Das war aber auch ein Herzenswunsch von mir, da es einer meiner Lieblingsfilme ist; mit dem man wirklich groß geworden ist, bei dem man nie verstanden hat, wie so ein Film, der im "Museum Of Modern Art" steht, in Deutschland verboten werden kann. Das ist mir bis heute noch ein Rätsel, aber das ist halt so. Vielleicht kann man irgendwann mal was dran ändern.
Gibt es überhaupt noch eine Version, die in Deutschland nicht zensiert wurde ...?Aber da sieht man ja mal, dass ich auch die Original-Synchronsprecher wieder dazu genommen habe. Denn für mich war einfach wichtig, den Film so hin zu bekommen, dass auch wirklich mal alles drin ist. Iich weiß auch gar nicht, ob Romero heute noch weiß, welche Fassung die eigentlich richtige Fassung ist. Es war eigentlich nur die Idee, den Interner Link"Zombie" in seiner längsten Fassung zu bringen, die allerdings auch nur mit Bildern aus den beiden autorisierten Versionen bestückt ist. Es gab da ja mal so Sachen wie die Malaysia-Fassung von "Halloween 27": Da fährt noch mal ein Auto länger die Straße runter, und ob das jemals aus diesem Film war oder aus einem anderen, das ist völlig egal - aber man muss sie ja haben.
Das war aber nicht die Prämisse - die Prämisse war, den Film Interner Link"Zombie" in seiner längsten Fassung zu machen, um ihn sich halt auch selbst ins Regal stellen zu können. Ich will da auch nicht in irgendeiner Weise Romeros Schnittfassung korrigieren; um Gottes Willen. Es ist einfach nur die längstmögliche Fassung. Zu dem Zeitpunkt als sie kam, 1998/99 oder so, hat ja jeder nach "Directors Cuts" geschrieen und bei dem Film habe ich gesagt: Ok, das ist möglich - also machen wir das mal.
An deinem Engagement bei dieser Schnittfassung kann man deutlich sehen, dass es sich hierbei um eine Überzeugungstat handelt; die Original-Synchronsprecher hast du ja z.B. schon angesprochen ...
Ist diese Fassung denn jetzt auch deine Lieblingsfassung des Films?
Es ist eine meiner Lieblingsfassungen. Eine meiner Lieblingsfassungen ist der Argento-Cut, weil er halt einige lustige Elemente nicht mit reingepackt hat. Romero hat den Film ja nie wirklich als ernsten Film gedacht. Das ist das, was heute die meisten nicht verstehen. Die schreien heute noch: "Romero, Romero, Romero!"
Ohne dem Herrn Romero jetzt zu nahe treten zu wollen: Was kam denn aus der Ecke? Interner Link"Night Of The Living Dead" war ein Meisterwerk, Interner Link"Dawn" war ok, Interner Link"Day Of The Dead" hat mir besser gefallen - muss ich ehrlich sagen, weil ich mehr actionorientiert bin. Und über die anderen Machwerke - inklusive Interner Link"Bruiser" ... ok, er ist ein guter B-Regisseur; auch wenn viele jetzt "Blasphemie" schreien.
Ich würde mich gern mal mit ihm treffen und unterhalten; habe ich kein Problem mit. Aber wenn ich höre: "Resident Evil, hätte den mal der Romero gemacht", dann sage ich: Klar, dann wäre er ein totaler Flop geworden. Interner Link"Resident Evil" ist ein wunderbarer Film geworden; ein Zombie-Thema. Man hätte ihn mit Sicherheit auch etwas blutiger machen können, ist aber wohl aus Rating-Problemen nicht gemacht worden, da das Ding auch massenkompatibel sein muss. Aber Leute, wer hätte gedacht, dass im Jahre 2002 noch mal ein Zombie-Film kommt, wo es so dermaßen zu Rande geht? Für mich ist er ein wunderschöner Film, der unter Romero ganz andere Züge bekommen hätte, wobei ich nicht sagen würde, dass dieses Thema nicht ein Romero-Thema ist, um Gottes Willen, das möchte ich nicht sagen. Ich bin halt etwas actionlastiger, deshalb gefällt mir auch Interner Link"Day Of The Dead" besser, weil es da etwas kerniger zur Sache geht. Mir geht es jetzt gar nicht um die Bluteffekte, sondern einfach um die Inszenierung.
Astro wurde ja bald zu einem favorisierten Zielobjekt der Staatsanwaltschaft, die fast schon regelmäßig bei euch Hausdurchsuchungen vornahm. Die Misere scheint in einem Streit zwischen Astro und Laser Paradise ihren Anfang genommen zu haben. Haben es die Labels ursprünglich vielleicht mitverschuldet, dass die Staatsobrigkeit auf die "Szene" aufmerksam wurde?
Da kann ich jetzt nicht viel zu sagen: Ich habe mich ja schließlich nicht selbst angezeigt. Ich möchte jetzt auch niemanden Auf VHS und DVD lag der Schwerpunkt weiterhin beim Unterschlagenen Film, obwohl man auch normale Filme veröffentlichte. Der größte Teil des Unterschlagenen Programmes ist mittlerweile in der Privatsammlung des AG Tiergarten gelandet.zu nahe treten, aber es ist so, dass die ersten Anzeigen tatsächlich von der Firma Laser Paradise gekommen sind. Warum das so ist, lassen wir mal dahingestellt. Ich habe noch Probleme mit einigen anderen Leuten in der Szene, aber deswegen komme ich ja auch nicht auf die Idee in dieser Richtung zu argumentieren. Es ist sehr schwierig für mich dazu was zu sagen, ohne dass ich später falsch interpretiert werden könnte. Sagen wir mal so: Es ist schon etwas befremdend gewesen, dass man die Ermittlungsakten bekommt und sieht, dass Derjenige, der die Filme dann hinterher selber raus gebracht hat, vorher dafür sorgen wollte, dass man eigentlich vom Markt verschwindet. Lassen wir das mal so stehen.
Wie läuft so eine Beschlagnahmung denn eigentlich ab? Wird das betroffene Label z.B. direkt informiert, damit man noch Einspruch erheben kann?
Mittlerweile nicht mehr. Das wundert mich sowieso, dass das überhaupt rechtens ist. Das wird jetzt auch von meinen Anwälten geprüft; dann wollen wir mal sehen, was dabei rauskommt. Normalerweise müsste man ja als Verfahrensbeteiligter zumindest mit am Tisch sitzen; das ist aber in diesen Fällen nicht so gewesen. AG Tiergarten und mittlerweile auch andere AGs beschlagnahmen einfach nur noch so. Wenn die sagen, es ist so, dann ist es so. Das Schizophrene an der Sache ist ja dies: Werde ich angeklagt, weil ich 'ne alte Oma überfallen haben soll und werde freigesprochen, weil ich es nicht getan habe, dann ist der Fall erledigt. Wenn aber ein Film wegen einer Beschlagnahmung angeklagt wird und 99 Richter in Deutschland sagen "neeee" und einer sagt "ja", dann hat der eine alle anderen überstimmt. Obwohl dieser gar keine höhere Kompetenz oder Nichtkompetenz hat.
Das ist halt so eine Frage ... Ich habe damals gesagt: Lasst uns das alle Mann vor dem EU-Gerichthof ausfechten. Wir machen 'ne schöne Spenden- Aktion, jeder der Labels zahlt 10-20000 Mark, dann haben wir genug Geld zusammen, um das zu machen. Wir können dann noch mit ein paar Fans zusammenarbeiten, die sich damals unheimlich für unsere Zwecke engagiert haben. Wir haben dann ein Merchandising-Paket zusammen gestellt und wer uns dann was gespendet hat, hat Merchandising-Artikel bekommen. Wir haben das Geld für die ganzen Prozesse eingesetzt, die wir hatten. Aber wir waren ja scheinbar die Einzigen, die überhaupt Interesse daran hatten. Irgendwann habe ich dann gesagt: Ok, ich kann nicht der Vorreiter für andere Leute sein; den finanziellen Background habe ich gar nicht und die lachen sich dann hinterher alle kaputt, wenn ich gewinne.
Also habe ich jetzt mit der Staatsanwaltschaft den Deal gemacht, dass wir keine der Filme mehr veröffentlichen und da werde ich mich auch strikt dran halten. Sonst bin ich demnächst Darsteller in der Doku-Soap "Hinter deutschen Gittern"; und das brauche ich nicht unbedingt.
Auch da könnte man wieder auf die Solidarität zurückkommen, die du vorhin angesprochen hast ...
... das wollte ich gerade sagen: Dann scheint -trotz der Gemeinsamkeiten der Labels- der Konkurrenz-Gedanke doch größer zu sein...
Ein gesundes Konkurrenz-Denken ist ja in Ordnung, aber leider ...
Es gibt in Deutschland leider kein "Zusammen". Hier sticht jeder jeden, und wenn es hintenrum ist. Es gibt ein, zwei Labels mit denen wir gut können. Man darf ja nicht vergessen, dass wir der größte Rechteinhaber in Deutschland sind. Ob CMV, X-Rated oder Laser Paradise; schau dich um, da steht immer irgendwo "Copyright Astro" drauf, weil uns die Dinger gehören. Ich behaupte weiterhin: Wenn es uns nicht gegeben hätte, auch im Laserdisc-Bereich, hätte es einige ungeschnittene LDs und DVDs von anderen Firmen -auch Major-Firmen- nicht gegeben; davon bin ich überzeugt.
Bei einigen Beschlagnahmungen schien es ja nur noch um den Namen Astro zu gehen, oder wie erklärst du dir ein Verbot von Filmen wie "Splatter University"?
Ja, das ist völlig klar. Also, der Richter damals im AG Tiergarten hat in einem Gespräch, das nicht ich geführt habe, sondern der Markus von den Filmfreunden, die sich sehr engagieren und wirklich eine gute Arbeit machen; dem hat der Richter gesagt, ich will die ganzen Horrorfilme vom Markt haben, egal in welcher FSK-Version - einfach alle weg. Aber was soll man machen? Also, ich allein bin da nicht mehr für zuständig. Meine Lizenzen sind ausgelaufen, ich kann die Filme eh nicht mehr machen. Und wo ich noch die Lizenzen dran habe, versuche ich jetzt, auf dem legalen Weg den Film aus der Beschlagnahmung zu bekommen. Wenn es klappt, ok - wenn nicht, schade für die Fans ... es wäre anders möglich gewesen, aber nicht ich alleine.
Du bist ja schon auf die Gerichtsverhandlung eingegangen, in der du mit dem vielzitierten "blauen Auge" davon gekommen bist. Dennoch erscheint mir die Strafe im Hinblick darauf, dass es um fiktive Filme ging, die in den meisten anderen Ländern nicht mal zensorische Maßnahmen erfahren, geradezu skandalös. Wie reflektierst du im Nachhinein den Verlauf und den Ausgang der Verhandlung?
Von der Staatsanwaltschaft an sich recht fair geführt, muss man sagen, der Müller-Brandt hätte da auch noch ein größeres Geschütz auffahren können; hätte ich natürlich auch. Er hat da am Anfang einige Drohgebärden wie Berufsverbot und so etwas los gelassen: Da habe ich gesagt, ok, jetzt kommen wir mal wieder etwas runter. Hätte ich das Ding ausgefechtet, hätten wir noch in zwei Jahren so ein schwebendes Ding gehabt.
Dabei stellte sich für mich ja die Frage, was erwartet mich. Ich habe 35 Jahre lang -außer dass ich Filme veröffentlicht habe und einmal bei rot über die Ampel gefahren bin- gesetzeskonform gelebt: Kann ich mit 8 Monaten, die auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt sind, leben? Kann ich mit der Vorstrafe leben und kann ich mit der Strafe, die mir finanziell auferlegt wird, leben? Das musste ich bejahen. Ich habe ein kleines Kind, mir etwas geschaffen, warum soll ich mir das Damokles-Schwert ständig über den Kopf schwingen lassen. Es hätte ein Film gereicht, um diese Strafe auszusprechen, und wenn wir ehrlich sind, ein Interner Link"Nightmare Concert" ist ein Film, den die Welt nicht braucht. Auch wenn es nur Effekte sind: Da eine strafrechtliche Relevanz herzuleiten fällt niemanden von uns schwer; müssen wir ganz ehrlich mal sagen. Dass es einen Interner Link"Last House On The Left", Interner Link"Braindead" oder Interner Link"Zombie" erwischt hat, ist natürlich quatsch. Aber für einen Film gehst du, wenn der Staatsanwalt oder wer anders sagt, das ist vorsätzlich, für 1 Jahr in den Knast; da reicht einer aus.
Bei mir waren 21 angeklagt. Weitere 30 folgen, das ist mir schon prognostiziert worden. Und da war das Angebot der Staatsanwaltschaft zu sagen, wir legen alles ad acta, wenn du dich demnächst gesetzeskonform verhältst, völlig ok. Klar, ich hätte sicherlich den einen oder den anderen Film aus der Beschlagnahmung raus geholt -z.B. Interner Link"Geisterschiff der schwimmenden Leichen" oder wie sie alle heißen-, aber noch mal: Ich bin doch hier nicht der Vorkämpfer für die anderen kleinen Labels - und sitz schließlich im Knast. Die Filme frei haben und den Krekel als Konkurrenz weniger, das geht nicht. Demnach war das von der Staatsanwaltschaft als auch von uns getroffene Agreement absolut in Ordnung.
Bei dem Urteil wurde auch festgelegt, dass du zukünftig keine Filme mehr ohne Freigabe bringen darfst, richtig?
Auch hierzu muss man sagen - sehr fairer Zug der Staatsanwaltschaft: Möglich ist FSK geprüft, JK geprüft oder durch ein privatrechtliches Gutachten. Wenn ich also jetzt zu zwei Juristen gehe und beide sagen, der Film verstößt nicht gegen § 131, dann kann ich drauf schreiben "juristisch geprüft / strafrechtlich unbedenklich"; das ist fair - das ist in Ordnung. Und wenn mir schon zwei unabhängige Juristen vorher sagen, lass die Finger davon, das Ding ist heiß - mein Gott, dann ist es nun mal eben so. Dann müssen wir das nun mal eben akzeptieren, so leid es mir tut. Auch wenn es vielleicht komisch ist, dass ich das sage: So lange es die Gesetze gibt, muss ich mich dran halten. Ich darf nicht bei Rot über die Ampel fahren, also fahre ich nicht bei Rot über die Ampel. Ob es nun sinnvoll ist, dass eine Ampel nachts um vier auf einer unbelebten Bundesstraße leuchtet, obwohl da stundenlang kein Auto vorbei kommt - das ist eine ganz andere Frage. Aber diese Frage wurde dort nicht geklärt, es wurde aufgezeigt, dass diese Gesetze existieren: Danach muss ich mich richten, danach werde ich mich richten und ich kann nur noch mal sagen, dass ich mit dem Ausgang der Verhandlung zufrieden bin und damit gut leben kann.
Oliver Krekel darf keine ungeprüften Filme mehr veröffentlichen, also bleibt nur noch die FSK, eine JK-Prüfung oder ein privatrechtliches Gutachten.
Wie schätzt du mögliche Veränderungen durch die neue FSK-Regelung ein?
Es wird mit Sicherheit mehr geschnittene Filme geben, weil sich die FSK nun nach Indizierungskriterien richtet. Und demnach werden wahrscheinlich einige Filme keine FSK-Freigabe mehr erhalten oder respektive "Keine Jugendfreigabe"; so rum muss man es ja sagen. Es ist ja nicht so, dass die Filme ab 18 eine Freigabe ab 18 hätten, sondern keine Jugendfreigabe - das ist ein Unterschied. Bei der FSK blickt ja eh keiner richtig durch: ein Interner Link"Final Destination II" hat 'ne 16er bekommen, Interner Link"Shadow Of The Dragon" hat gar keine bekommen, obwohl da nichts passiert. Obwohl ich mich über die letzten Entscheidungen der FSK nicht auslassen möchte: Interner Link"Shock Waves" - 16, Interner Link"Herrscher der Straße" - 16; das ist alles schon OK. Aber es wird wahrscheinlich schwieriger werden.
Wie kam es schließlich zu der allmählichen Stabübergabe von Astro an Marketing und warum hast du gerade den Namen Marketing für dein neues Label gewählt?
Marketing Film-LogoWeil das ein gut eingeführtes Video-Label war bzw. ist. Die Kosten für diesen Namen, hätte ich auf jeden Fall auch aufbringen müssen, um einen ganz neuen Namen am Markt zu etablieren. Ich hatte Glück, dass dieser Name gerade zum Verkauf stand: Was nicht billig war - wir reden hier von einer sechsstelligen Summe. Aber hätte ich jetzt einen neuen Namen angenommen, ich sag jetzt mal so was wie "Renaissance-Pictures" oder "Red Hot - Films" ... Um das publik zu machen, wäre mit Sicherheit ein finanziell höherer Aufwand nötig gewesen. Und Marketing ist nun wirklich eins der renommiertesten Labels der Vergangenheit und ich hoffe, dass wir mit dem Programm, das wir selektiert haben, an diese Tradition anknüpfen können.
Euer Programm ist ja sehr vielschichtig und umfasst neben Lisa Film-Klassikern und einigen -manchmal mehr, manchmal weniger- guten B-Movies auch Horror-Filmperlen wie Interner Link"Bad Taste", Interner Link"Shock Waves" usw. Nachdem einige Fans anfänglich skeptisch waren, was eure neue Veröffentlichungspolitik angeht, kann man inzwischen sagen, dass sich Marketing -genau wie vorher Astro- fest am Markt etabliert hat und euer neues Image akzeptiert wird ...
Marketing bietet eine gesunde Mischung aus Klassikern, Mainstream und Trashperlen.Es ist ja auch keine große Veränderung. Es ging ja vor allem darum, mit Marketing ein Label zu schaffen, das den Verbrauchern und meinen Kunden, ob Media-Märkte oder Videotheken, die nötige Rechtssicherheit verschafft. Man muss einfach sehen, dass wir uns mit Astro in einer Grauzone bewegt haben. Und bei Marketing war von Anfang an die Prämisse, nur Filme zu veröffentlichen, die geprüft sind und bei denen es keine Schwierigkeiten für den abzunehmenden Handel gibt. Den Vorteil, den die ganze Sache hatte, ist dass Astro sowieso nichts mehr hatte, was man hätte auswerten können. Die meisten Sachen waren ausgewertet und bei neueren Sachen sehe ich nicht so das Problem, dass man die nicht geprüft oder evtl. mit einem juristischen Gutachten bringen könnte.
Aber nichts desto trotz hat Marketing gezeigt -und auch Astro vorher-, dass wir DVDs machen können und auch den internationalen Vergleich nicht scheuen müssen. Ich bin immer bestrebt, wenn ich selbst eine DVD mache und die mach ich ja auch wirklich selbst -da kommt ja kein anderer dran, außer vielleicht noch der Herr Vogt, der bei der Menügestaltung mitmacht etc.- wenn ich also eine DVD mache, bin ich bestrebt, das Bestmögliche rauszuholen und das wird auch bei Marketing so weitergehen. Wir werden sehen, wie es weitergeht. Aber ich bin da -zumindest was die Labelpolitik angeht- sehr zuversichtlich.
Es gibt ein paar Gegenbeispiele und deshalb kommen wir zu einer Frage, die auch in den Foren kontrovers diskutiert wurde: Astro hat sich ja einen Namen damit gemacht, Filme in bestmöglicher Qualität und insbesondere ungeschnitten zu veröffentlichen. Und so verwundert es nicht, dass sich einige Fans über die Veröffentlichungen der "Lederhosen"- und "Schwedinnen"-Boxen enttäuscht zeigten; wurden sie doch aufgrund ihres Kultfaktors ähnlich freudig erwartet wie mancher Horrorklassiker. Wie kam es dazu, dass sie in dieser Form veröffentlicht wurden?
Weil es einfach keine anderen Ausgangsmaterialien mehr gibt. Wir haben ja sogar einige neu abtasten lassen, und gerade bei "Lederhosen 1" -glaub'ich- war es so: Die einzige 35mm-Kopie, die aufzutreiben war, war dieser 16er Cut. Wenn er es denn ist; ich weiß es nicht, denn laut FSK gibt es gar keine 16er- sondern nur eine 18er Version. So genau weiß da wohl keiner Bescheid.
Ich denke, das muss man hier mal relativieren: Wir reden hier von Erotik-Komödien. Also für mich steht der komische Charakter der Filme im Vordergrund; ich kann da natürlich nur für mich und ein paar andere sprechen. Und ob ich da nun zwei Minuten mehr sehe, wie einer mit einem Popp-Schutz auf einer Frau rumrödelt, wo man genau weiß, da ist eh nie was passiert, oder ich sehe es nicht, ist für mich eher zweitrangig. Natürlich kann man als Komplettist jetzt sagen: Um Himmels Willen! Aber dann könnte man ja auch sagen, ich hätte die französische Version veröffentlichen müssen, in der Hardcore-Szenen hineingeschnitten wurden. Aber das ist doch hier überhaupt nicht die Prämisse. Ich bin der Meinung, es geht hierbei darum, sich den Film anzugucken und sich dabei kaputt zu lachen. Die Länge der Kopulationen steht für mich da nicht im Vordergrund ...
Sicher mag da der ein oder andere enttäuscht sein; das tut mir dann auch leid. Der soll sich dann bei mir melden - da werden wir mit Sicherheit eine Lösung finden. Aber die werden bestimmt nicht mehr neu aufgelegt. Es sind nicht mehr viele Exemplare vorhanden und wenn die Titel weg sind, ist das Thema "Sexy Classics" erledigt.
Wo wir gerade beim Thema Boxen sind: Erzähle uns doch bitte etwas zur anstehenden Interner Link"Dune"-Veröffentlichung. Das was bisher bekannt wurde, klingt ja alles schon sehr vielversprechend ... Das erste Bild der limitierten Dune Box und den limitierten Tinboxen von 'School Killer' und 'Dragon Fury'
Ja gut, das wird natürlich der Hammer: Wenn ich bei einigen meiner DVDs der Meinung bin, sie sind weltweit die Besten von der Bildqualität, so sage ich hierbei: Es ist weltweit die beste in der Bild-, Ton-, UND Verpackungsqualität! Also, das Ding wird der absolute Hammer. Es ist auch einer meiner Lieblingsfilme, der eine entsprechende Würdigung verdient hat ...
Welche Highlights erwarten uns in diesem Jahr noch von Marketing?
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Es kommt Interner Link"Die Klasse von 1984", es kommt Interner Link"Deathrow - Gameshow", der hieß in Deutschland "Deathgame" und dann kommen noch sehr viele Erstveröffentlichungen: Stuart Gordons "Deathbed", Interner Link"Guerreros", Interner Link"The Irrefutable Truth About Demons", der wird in Deutschland "Die unwiderlegbare Wahrheit über Dämonen" heißen, und "Naufragos - Stranded", ein Weltraumepos. Die letzten beiden werden wir auch versuchen ins Kino zu bringen. Dann kommt noch "Tödliche Absichten", der im Original "Uninvited Guest" heißt, Interner Link"Howling 7", Interner Link"Third Society" ... ach, da kommen noch so viele Neuveröffentlichungen ... Dann fallen auch wieder einige Rechte an uns zurück: So wird es eine Special Edition von Interner Link"Halloween 1" geben, die Interner Link"Howling"-Filme kommen noch mal, "Pin" kommt noch mal. Der Interner Link"Night Of The Living Dead" kommt natürlich auch noch -im Pappschuber für alle drei Teile- unter Astro, damit das einheitlich ist. Dann werden wir den zweiten Interner Link"Godzilla" jetzt wahrscheinlich neu synchronisieren, weil sich nirgends mehr die alte Synchro auffinden lässt ... Wir haben schon so einiges in petto, was wir veröffentlichen werden. Wir werden uns aber mit Neukäufen sehr zurückhalten: Denn wenn wir einen Film synchronisieren, ist es in der heutigen Preislandschaft kaum möglich, die Kosten zu amortisieren. Aber wenn uns auf den Filmmessen, auf denen wir ja auch immer anwesend sind, die eine oder andere Perle angeboten wird, werden wir natürlich auch wieder kaufen.

Ein kleiner Ausschnitt aus dem kommenden Marketing Film-Programm.
Wenn man sich so viel mit dem Thema Film beschäftigt, verspürt man irgendwann ja auch selbst den Wunsch, einen eigenen Film zu machen. Kommen wir somit zum Thema "Cross Club I + II": Erzähl uns bitte etwas über die Entstehung und die ursprüngliche Idee!
Ich war schon immer jemand, der unheimlich gern gereist ist und ein Auge für Locations hatte: Ich sehe immer irgendwo ein Denkmal oder einen alten Bunker oder ein abgerissenes Haus und denke, hier kann man 'nen geilen Film drehen. Bei "Cross Club" habe ich alle guten Locations, die ich kannte, zusammengeführt und gesagt: Hier drehe ich, da drehe ich und hier drehe ich auch noch. Man muss einfach sehen, dass "Cross Club" ohne Drehbuch entstanden ist. In Spanien haben wir einfach angefangen drauf los zu drehen und haben die Story dann hinterher immer mehr darum gestrickt. Oliver Krekel betätigte sich auch selbst als Filmemacher.Dass die Story sich dann schließlich so geschlossen hat ... Ist schon recht interessant, dass so was möglich ist; darüber habe ich auch oft mit dem Lloyd Kaufmann, der ja auch Filme macht, geredet ...
Grundsätzlich hatte ich die Idee, nachdem ich den Film Interner Link"Tanz der Kürbisköpfe" von Andreas Bethmann gesehen hatte, und ich mir sagte: Das kann ich auch! Ohne dem Andreas da jetzt zu nahe treten zu wollen; aber er kennt die Geschichte ja. Dann habe ich also meine Jungs ins Auto gepackt und bin mit ihnen nach Spanien gefahren, weil ich halt jahrelang in Spanien gearbeitet hatte und dort auch keine Probleme hatte, bei meinen Freunden ein Appartement zu bekommen. Und dann haben wir einfach losgelegt. Natürlich sind einige Leute mit dem Ergebnis nicht so zufrieden, weil vielleicht zu wenig Blut fließt, aber ich sag mal: Schaut euch den Film unter den Gesichtspunkten des Filmemachens an - z.B. von der Tonbearbeitung; die Synchro ausgenommen. Denn schauspielern kann jeder, auch wenn er es nicht gelernt hat, sag ich jetzt mal. Wenn man das zehnmal dreht, kommt immer eine Szene raus, die funktioniert. Aber das Synchronisieren hinterher, das hätten wir mal lieber lassen sollen. Ich rede nicht von Musik und Effekten, sondern die eigene Sprache - das funktioniert einfach nicht. Da muss man einfach richtige Synchronsprecher haben. Wir überlegen gerade, weil sich der "Cross Club I" gut nach Japan verkauft hat, noch mal 'ne deutsche Synchro mit Profisprechern zu machen, um das Ganze aufzuwerten. Und dann machen wir noch mal eine Special Edition mit Deutsch, Englisch, Japanisch.
Bei dem Teaser von "Cross Club II" waren die Resonanzen sensationell, weil wir da mit einer wirklich kleinen Mark einen guten Zehnminüter abgeliefert haben. Da sieht man gut, dass wir auch mit geringem Budget was können, und wenn uns jetzt wirklich jemand sagt, hier habt ihr die Million Euro, die ich eigentlich für den Film veranschlage, dann können wir zumindest einen Film drehen, der absoluten Fernsehstandard hat.
Was mir an "Cross Club I" sehr gut gefällt ist, dass du das "Eis am Stiel"-Filmpaar Sybille Rauch und Zachi Noy wieder zusammen geführt hast. Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit den beiden?
Mit Sybille ziemlich einfach. Sie ist zwar abseits der Dreharbeiten ein recht schwieriger Mensch, aber das liegt an den schlimmen Sachen, die ihr passiert sind und für die sie ja auch zum großen Teil gar nichts kann. Zachi ist ein absoluter Profi und hat natürlich -da es mein erster Film war- auch dementsprechend reagiert: Wir sind uns auch ein bis zweimal an die Hälse gegangen. Aber nichts desto trotz ist er ein ganz lieber Mensch, mit dem man sehr gut arbeiten kann. Ich war für einige Tipps ja auch sehr dankbar - er hat ja schließlich bei genug Filmen mitgemacht; aber wenn man dann an jeder Szene ... na ja. Ich überlege auch, ob ich ihn in irgendeiner Situation in den Zweiten integriere. Denn immerhin leben wir im Zeitalter des Klonens <grinst>. Es war aber von vornherein klar, dass er den Bösewicht spielen musste: Ich liebe es nämlich, Menschen genau konträr zu ihrem Image einzusetzen. Wir überlegen zum Beispiel auch, für "Crossclub II" mit Karl Dall als Oberfiesling zu arbeiten - das ist jetzt kein Witz! Die Rolle, die im Moment Kay Hawaii, der Sänger von Extrabreit, spielt, sollte ursprünglich Billy Idol übernehmen. Wir hatten einmal gesprochen, aber danach war nie wieder ein Kontakt herzustellen. Komisch, aber vielleicht lässt sich da ja auch noch was machen ...
Ich bin aber auch jemand, der auch mit gestandenen Schauspielern eine Szene dreißigmal wiederholen lässt; da hab ich überhaupt keinen Stress mit. Von daher war das für Zachi eventuell teilweise etwas anstrengend. Aber ansonsten war das Arbeiten -mit ALLEN- sehr angenehm.
Was ist denn eigentlich aus dem angekündigten Interner Link"Fog 2" geworden? Wann können wir mit dem rechnen?
Ja, da musst du mal meine Frau fragen: Die liegt mir deswegen schon ständig in den Ohren. Die Zeit hat bisher einfach gefehlt. Ich werde in den nächsten Wochen versuchen, den Cut soweit fertig zu machen, dass das Ding in die Synchro gehen kann. Denn der Film liegt mir insofern am Herzen, dass da ja absolute Laien mitgespielt haben -unter anderen meine Frau und meine Angestellten- und die haben das wirklich ganz ganz toll gemacht. Und es wäre schade, das Ding irgendwo liegen zu lassen. Aber die Prioritäten waren halt ganz andere. Aber ich werde versuchen, dass er auf jeden Fall in diesem Sommer kommt, denn er ist wirklich schön geworden.
Du hattest auch angekündigt, Astro als Label für Newcomer bestehen zu lassen. Was ist aus dieser Idee geworden?
Die Idee ist an sich nach wie vor da. Aber das Problem ist, dass ich das angekündigt hatte, bevor ich mich verpflichtet hatte, keine ungeprüften Filme mehr zu bringen. Es lohnt sich für ein Amateurprodukt einfach nicht -ohne da jemanden zu nahe treten zu wollen-, noch mal zweieinhalbtausend Euro für 'ne Prüfung auszugeben.
Wie wichtig ist dir eigentlich der Kontakt zu Fans? Du hast ja bereits mehrere Astro-Treffen veranstaltet ...
Der Kontakt ist sehr wichtig! Denn das ist schließlich das Klientel, das uns zu dem gemacht hat, was wir heute sind. Dieser Kontakt wird auch weiterhin aufrecht erhalten: Wir werden auch mit Sicherheit demnächst Marketing-Treffen machen; und die können ja auch weiterhin Astro-Treffen heißen - die Firma heißt schließlich noch so. Das will ich auf jeden Fall beibehalten, weil das sehr sehr wichtig ist.
Was hältst du von Online-Magazinen wie z.B. Wicked-Vision? Befürwortest du es, dass sich Fans ihre Informationen kostenlos aus dem Internet holen können, oder bevorzugst du das gute alte Printmedium?
Nein, das ist schon OK. Aber Internet ist, sag ich mal, Fluch und Segen. Man kann natürlich im Internet sehr viel kaputt machen: Da kommt irgendjemand, der kann einen nicht leiden und schreibt, die DVD ist völlig scheiße, die ist geschnitten und so weiter. Ob das richtig ist, steht dabei ganz außer Frage, weil da irgend so ein Synonym steht und keiner weiß, wer sich wirklich dahinter verbirgt. Und dann ist man als Label genötigt, Aufklärungsarbeit zu leisten, die Zeit, Geld und vor allem Menpower kostet und das ist ein bisschen nervig. Ansonsten ist das Internet schon ganz gut. Man sollte einfach versuchen, das würde ich mir zumindest persönlich wünschen, die Anonymität ein wenig aufzuheben.
Da wir gerade über Magazine sprechen: Wieso wurde das "Astronomicon" nach zwei Ausgaben eingestellt?
Das waren rein wirtschaftliche Überlegungen. Ich würde das Magazin morgen sofort wieder machen, weil Hier sehen wir die zwei ausverkauften Astronomicon-Ausgaben. Die Serie wurde aus marktwirtschaftlichen Gründen eingestellt.es einfach Spaß gemacht hat. Aber es rechnet sich einfach nicht. Das erste war ein Versuch, das zweite war ein tolles Magazin; aber wenn man drauflegt, lässt man's. Es haben sich einfach nicht genug Abnehmer gefunden. Lustigerweise: Als es dann eingestellt war, kamen alle und wollten es - das war das lustige daran...
Kommen wir zu ein paar sehr sehr ernsten Fragen: Wie kommt eigentlich ein Kasseler dazu, Schalke-Fan zu sein? Und war dies vielleicht der perfide Grund, warum die Astro-Tapes früher in blau-weiß gehalten waren?
"lacht herzhaft" Das ist gut!! Das ist eine gute Assoziation, da bin ich selbst noch gar nicht drauf gekommen ...
Nein. Ich war früher eigentlich "1.FC Köln"-Fan; insbesondere Fan von Toni Schumacher. Und als er dann sein Buch geschrieben hat, was nun wirklich nicht schlimm war, und sie ihn bei Köln für nichts rausgeschmissen haben und auch bei der Nationalmannschaft, war der deutsche Fußball eh für mich erledigt. Ist er übrigens mit Abstrichen heute eigentlich auch noch. Ich bin kein Freund der Nationalmannschaft, weil mir dieses Rumgegurke auf den Sack geht. Und sich Vizeweltmeister zu schimpfen ... Das mag vielleicht ein Titel sein; aber Leute: Wir haben gegen Korea, Saudi-Arabien und solche Leute gespielt. Wo wir stehen, sehen wir bei der nächsten Europameisterschaft und haben wir jetzt bei Freundschaftsspielen gegen wirklich gute Mannschaften gesehen.
Ich bin grundsätzlich immer jemand, der sich mit Haut und Haaren für etwas entscheidet. Ich bin Mitglied bei Schalke 04, ich habe zwei Bausteine in der Arena - so wie sich das gehört. Schalke ist für mich der einzig echte Club in der Bundesliga. Wobei ich bei einigen nicht dahinter blicke: Bochum möchte ich da zum Beispiel nicht ausklammern; die haben auch ein gutes Stadion und eine gute Infrastruktur...
Aber Schalke ist für mich einfach echt, weil das was Schalke geschaffen hat -aus der 2. Liga Abstiegsplatz-, das gehört dem FC Schalke 04! Wir müssen keine zweite Mannschaft dazu machen wie 1860, um überhaupt ein Stadion bauen zu können. Wir müssen uns keine 20 Millionen Euro erschleichen. Wenn ich im VIP-Bereich in die "La Ola"-Bar gehe, das habe ich bis jetzt erst einmal gemacht, nächstes Jahr werde ich mir vielleicht einen Business-Seat gönnen, dann kommen da auch Spieler und auch Trainer hin: Mit denen kann man sich noch unterhalten. Das ist für mich nicht so abgehoben wie bei einem FC Bayern München oder beim Borussia Dortmund, wobei ich auch bei Dortmund die Fans insofern gut finde: Das Stadion ist meist ausverkauft, Schalke ist meist ausverkauft. Daran sieht man, was da los ist. Wenn wir im DFB-Viertelfinale gegen Rot-Weiß Oberhausen 62.000 Leute im Stadion haben und der FC Bayern München hat im Halbfinale gegen Bayer Leverkusen offiziell 16.000 -ich sag mal 14.000 und die Freikarten möchte ich mal abziehen-, dann ist das für mich eine ganz andere Liga.
Oliver Krekel nahm selbstbewusst zu jeder Frage Stellung. Ich bin auch immer Fan von Underdogs gewesen. Ich war immer schon ein Gerechtigkeitsfanatiker, der eher zu den kleinen Teams bzw. Sportlern hält. In der Formel 1 ist das allerdings anders: Ich war früher nie ein Schumacher-Fan; mittlerweile schon. Diese Leistung, da kann ich versuchen was ich will, die kann ich nicht mehr schlecht reden - aus.
Aber wenn du einmal bei Schalke warst, hast da in der Nordkurve gestanden und auf einmal fällt ein Tor und wildfremde Menschen umarmen sich und heulen vor Glück, dann weißt du: Das ist EINE Familie! Und da möchte ich gern dazu gehören und da bin ich auch ganz stolz drauf.
Wobei die "Blaurücken" hat es vorher schon gegeben, bevor ich Schalke-Fan war. "Blaurücken", das fand ich übrigens toll, hat jemand im Forum geschrieben: "Leider gibt es sie nicht mehr, die Blaurücken". Da hab ich richtig eine Gänsehaut bekommen. Fand ich toll! Hat man sich schließlich erarbeitet; wie einen "Goldenen Krekel" ... <grinst!>
Noch eine letzte Frage, die sich mit einem Thema beschäftigt, das vor einiger Zeit in den Foren für einige Erheiterung sorgte: Wie läuft das Whirlpool-Geschäft?
Es ist OK. Wir haben ganz gute Anfragen, wir stellen ja auch immer aus. Das ist ein zweites Standbein, das für mich eine hohe Priorität hat. Allein schon aus dem Grund, da mit DVDs in Deutschland leider nicht mehr viel Geld zu verdienen ist. Deutschland ist eine Ramschgesellschaft geworden, die wahrscheinlich -bedingt durch die vielen Arbeitslosen- einfach nur noch kauft, wenn etwas billig ist. Und wenn die Unternehmen kein Geld verdienen, suchen sie sich ein Ausgleichsgeschäft: Das ist das, was ich mit dem Poolgeschäft jetzt mache. Und das ist ganz erfolgreich, wir werden gut frequentiert, wir verkaufen ja auch Saunen usw.
Das ist ein ganz seriöses Geschäft und auch gar kein Spleen von mir! Das ist tatsächlich eine Alternative zu der Sache, die wir im Filmgeschäft machen. Denn man weiß nicht, ob es das Filmgeschäft -in der heutigen Form- in ein zwei Jahren noch geben wird. Wenn noch ein paar mehr Firmen Insolvenz anmelden, geht es auch ganz schnell in die andere Richtung ...
Ich glaube, wir haben nun viele Einblicke in das Leben des Oliver Krekels bekommen ...
Wir bedanken uns recht herzlich für das Interview und wünschen dir und Marketing für die Zukunft weiterhin viel Erfolg!
Da bedanke ICH mich recht herzlich!




Fragen, Überarbeitung und schriftliche Übertragung:
Daniel Perée, Jörg Kopetz und das Wicked-Team
Date-Director & Creative Consultant:
Stefan Knust
Interviewer und Interview-Einleitung:
Jörg Kopetz
Video-Dokumentation & Video-Stills:
Marc Schulz



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