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Im Gespräch mit Malcolm McDowell
Es ist Freitagnachmittag und ich bin schon ganz hippelig. Gerade eben hat mich die Dame von AIM, die Presseagentur, die für Senator arbeitet, angerufen und mir mitgeteilt, dass ich um 19:00 Uhr das lang erwartete Interview mit Malcolm McDowell führen kann. Der Catch dabei: Es ist ein Telefon-Interview.

Pünktlich um 19:00 Uhr habe ich den gut gelaunten Schauspieler am Rohr, der gerade unter strahlender Sonne das Frühstück mit seiner Familie beendet hat. Obwohl er sicherlich die meisten Fragen zu Interner Link"Halloween" schon tausendfach gehört hat, geht Malcolm wortgewandt und ausführlich auf alle Themen ein. Schnell wird mir klar: Das gesetzte Zeitlimit von 30 Minuten ist unmöglich zu halten. Zuviele Infos möchte der britische Mime loswerden. Nach gut einer Stunde liegt mein Hörer wieder auf der Gabel. Das Interview kann sich lesen lassen ...

Haben Sie das Original von John Carpenter gesehen und wenn ja, was halten Sie davon?
Nein, ich habe überhaupt keinen einzigen Interner Link"Halloween"-Teil gesehen. Ich habe mich dagegen entschieden, da ich nicht von Donald Pleasance beeinflusst werden wollte. Donald war ein brillianter Schauspieler und ich hatte das Glück, ihn vor über 30 Jahren in London zu treffen. Auch Rob Zombie meinte, ich sollte mir die Filme nicht ansehen. Sein Kommentar war: "Wir drehen einen komplett neuen Film, lass dich nicht beeinflussen, mach was eigenes aus der Rolle". Daher bin ich ganz froh, diese Entscheidung getroffen zu haben.

Natürlich bin ich ein riesiger Fan von John Carpenter und halte ihn für brilliant. Und ich bin sicher ... nein, ich weiß, er hat einen Klassiker geschaffen, denn die Leute reden nach über 30 Jahren immer noch über diesen Film. Und dass er das mit so wenig Geld geschafft ha ...

Malcolm McDowellIch habe mit ein paar Darstellern des Originals gesprochen, und sie erzählten mir, dass sie z.B. immer nur einen Take hatten, um die Einstellung abzudrehen. Denn sie konnten sich z.B. die Close-Ups nicht leisten. Und solche Sachen eben. Aber manchmal können solche Restriktionen die Grundlage für großartige Kunst sein. Denn dann ...
... muss man sehr kreativ sein.
Genau. Man muss sehr kreativ sein. Und genau das ist das Großartige daran. Und ganz ehrlich, wenn man sich ein paar der Hollywood-Streifen anschaut, deren Budget 85 Millionen beträgt, kommen sie einen vor wie ein lead balloon (engl. für kompletter Fehlschlag). Es gibt keine Spontanität mehr. Bei ein paar zumindest. Ich verallgemeinere das hier natürlich. Aber so etwas passiert eben, wenn man zuviel Geld und zuviel Zeit hat.
Zu welchem Zeitpunkt der Produktion sind Sie beim Remake ins Boot gekommen und was war Ihr Beweggrund die Rolle von Dr. Loomis zu akzeptieren?
Sie müssen wissen, dass ich, als ich das erste Mal davon hörte, das Ganze als recht fragwürdig empfand. Mein Gott, ein weiteres Remake, genau was wir brauchen! Dann traf ich mich aber mit Rob, wir aßen zusammen zu Mittag in Beverly Hills. Es war eins dieser piekfeinen Restaurants. Und dann saß da dieser Typ, der aussah wie Charles Manson (lacht). Mit den ganzen Tattoos, dem Bart und den langen Haaren. Aber in Wirklichkeit ist er ein unglaublicher Typ, so intelligent. Wir hatten soviel Spaß zusammen. Er ist einfach großartig und so talentiert. Und daraufhin gab es auch gar keinen Zweifel mehr, dass ich mit ihm zusammenarbeiten wollte. Rob Zombies Lieblingsfilm ist übrigens "Clockwork Orange", was ich zuerst gar nicht wusste. Das Essen fand letztes Jahr zur Weihnachtszeit statt, und direkt im Anschluss teilte ich ihm mit, dass ich dabei wäre. So einfach war das.
Sie spielen eine Rolle, die - wie Sie bereits selbst anmerkten - stark von Donald Pleasance geprägt ist. Wie haben Sie sich darauf vorbereitet, die Rolle zu spielen?
Nun, ich bin kein method-actor. Ich hab lieber Spaß in einem Pub und spiele die Rolle so, wie das Drehbuch sie vorgibt. Und dieser Charakter ist ein Psychoanalytiker. Allerdings nicht gerade der Beste, denn schließlich hat er diesen Patienten 17 Jahre behandelt und trotzdem bricht er aus und tötet die halbe Stadt. Also, als wie erfolgreich soll man seine Behandlung einschätzen? Eher als ein Desaster, oder? Aus diesem Grund entschloss ich mich, ihn als jemanden darzustellen, der von seinem eigenen Ego beherrscht wird. Ein Arzt, der die traurige Berühmtheit seines Patienten nutzt, um ins Fernsehen zu kommen, bücher über Michael Myers zu schreiben; das Monster, der Kindermörder, blabla blabla. Und das ist die Richtung, die ich eingeschlagen habe. Und ich weiß, dass sie sich von Donalds Weise unterschied. Aber es ist eben ein neuer Look. Andernfalls hätte ich nur etwas wiederholt. Und das wäre nie so gut geworden wie das Original.

Uhrwerk Orange (Szenenfoto 1) Uhrwerk Orange (Szenenfoto 2) Uhrwerk Orange (Szenenfoto 3)
Sie sterben am Ende - oder besser gesagt Ihr Charakter stirbt am Ende. Eine Szene, die schlussendlich geändert wurde.
Genau. Haben Sie die Originalversion gesehen. Die gibt es ja im Internet.
Ja, ich weiß. Ich habe aber den Workprint noch nicht sehen können. Will das aber aber noch nachholen. Meine Frage hierzu wäre: Wenn Sie überlebt hätten, wenn also das Originalende verwendet worden wäre, wären Sie gerne wieder in die Rolle von Dr. Loomis geschlüpft?
Nur weil Sie denken, ich starb im Film ...! Wer hat gesagt, dass ich tot bin? Ich habe kein Begräbnis gesehen, oder eine Szene auf dem Friedhof mit traurigen Leuten und einem Sarg, der in den Boden gelassen wird. Alles, was man sehen konnte, war ein Bild von Dr. Loomis' Augen.

Plakat zu 'Halloween'Das Franchise besteht aus einer Maske und Dr. Loomis. Du kannt keinen weiteren Film ohne Dr. Loomis drehen. Und natürlich die Maske nicht zu vergessen. Natürlich wäre ich bereit, die Rolle wieder zu spielen. Es ist ein riesiger Spaß. Wir nehmen es ja nicht zu ernst. Für einen Schauspieler ist diese Rolle eher eine spaßige Sache. Ich spiele ja nicht gerade King Lear.

Es ist ein nettes Ablenkungsmanöver.
Gab es denn einen Grund dafür, dass man wollte, dass das Publikum zumindest denkt, Dr. Loomis sei tot?
Als wir die Szene drehten, gab es eine Einstellung, in der Michael über mich drüber steigt und ich urplötzlich seinen Knöchel packe. Und er reißt sich einfach los. Ergo weißt du, dass Loomis noch am Leben ist. Aber ich denke, die Produzenten entschieden sich dafür, mein Schicksal im Unklaren zu lassen. Die Szene wurde geschnitten, damit das Publikum denkt: "Oh mein Gott, ist er wirklich tot?". Sie wollten einfach das größere Schock-Potential.

Man kann Loomis nicht töten, denn damit tötet man auch das Franchise.

Die Serie braucht Michael Myers und Dr. Loomis, um fortbestehen zu können. Der Rest ergibt sich von selbst. Der wird zwar auch benötigt, aber die beiden Charaktere sind nun mal die Eckpfeiler.

John Carpenter hatte diese brilliante Idee. Halloween ist in Amerika ein Fest für Kinder. Es hat etwas Unschuldiges an sich, wenn Kinder sich verkleiden und spielen, von Tür zu Tür wandern, anklopfen und "Süßes oder Saures" fordern. Es ist eine harmlose Angelegenheit - etwas, das die Eltern mit ihren Kindern unternehmen können. Abends, wenn es unheimlich ist, Laternen brennen, überall stehen Kürbisse, und so was.

Und dann einen amerikanischen Psychopathen da rein zu setzen, der dem Ganzen auf so grauenhafte Weise die Unschuld raubt, das war eine verdammt clevere Idee für einen Horrorfilm.

Ich habe keine Ahnung, ob das außerhalb von Amerika funktioniert. Ob man im Rest der Welt auch auf diese Weise Halloween feiert. Ich denke schon. Denn dieses doch recht amerikanische Fest wurde mittlerweile in die ganze Welt exportiert. Zurzeit (Anm. d. Red.: Zeitpunkt des Interviews) feiert man es auch England.

Halloween (Szenenfoto 1) Halloween (Szenenfoto 2) Halloween (Szenenfoto 3)
Ich habe auch einen Kürbis vor dem Haus stehen.
Na bitte. Da haben wir es doch.

Das erinnert mich daran, dass ich einen Kürbis besorgen muss. Wir werden mit unseren Kindern umherziehen und "Trick or Treat" (dt. "Süßes oder Saures") spielen. Sie werden sich verkleiden. Als was wirst du dich verkleiden, Beckett (spricht mit seinem Sohn)? Als Pirat? Jetzt mal im Ernst, als was? (zu mir gewandt) Er will sich als Tiger verkleiden. Aber ich denke, es wird beim Piraten bleiben.

Um mal wieder zum Thema zu kommen. Rob ist so ein talentierter Mensch. Er ist nicht nur ein großartiger Künstler auf der Bühne, er ist auch ein wunderbarer Regisseur. Ich würde immer wieder mit ihm arbeiten.

Ich denke, er wird in Zukunft Mainstream-Filme drehen, die nichts mit dem Horror-Genre zu tun haben. Er hat das Talent dafür, das ist sicher.
Das war schon fast die Antwort auf meine nächste Frage. Ein erfahrener Schauspieler wie Sie und ein junger Regisseur wie Zombie. Gab es da keine Schwierigkeiten?
Nein, er war fantastisch. Wir hatten soviel Spaß auf dem Set. Es wurde viel gelacht. Es war wunderbar.
Erinnern Sie sich an ein paar nette Anekdoten von den Dreharbeiten?
Ich hatte viel Spaß mit Udo Kier. Den kennen Sie sicherlich?! Wir haben soviel Unsinn getrieben und ihn immer wieder aufgezogen. Es macht unheimlich Spaß, mit ihm zusammen zu arbeiten. Und Rob war immer mittendrin. Wir haben gebrüllt vor Lachen und ich konnte kaum ein ernstes Gesicht machen, während wir unsere gemeinsamen Szenen drehten.

Aber es gibt natürlich auch andere Seiten. Beim Dreh eines Horrorfilms ist doch eher so, dass du am Boden liegst und darauf wartest, dass dir die Augen rausgerissen werden. Du liegst also auf dem staubigen Boden und fragst dich die ganze Zeit, ob die Hose, die du trägst, schmutzig wird. Und natürlich ist das Blut, das man über dich schüttet, eiskalt. Ok, es ist nur Make-Up. Aber du denkst nur nach daran, was es zum Mittagessen gibt. So sieht die Realität aus.

Wenn du den Film auf der Leinwand siehst, dann erschreckt er dich zu Tode. Aber während der Dreharbeiten ist jeder nur am Lachen. Wie gesagt, ich konnte kaum ernst bleiben.

von links nach rechts: Rob Zombie, Malcolm McDowell und Adrienne Barbeau von links nach rechts: Malcolm McDowell, Sheri Moon Zombie und Rob Zombie
Ich habe in der IMDb gelesen, dass John Carpenters Ex-Frau eine kleine Rolle spielt.
Ja, leider wurden ihre Szenen rausgeschnitten.
Wissen Sie warum?
Es wurde einfach zu lang. Die Produzenten wollten die Geschichte schneller vorantreiben. Und genau das haben sie auch getan.
Wir haben uns ja schon darüber unterhalten, dass das Ende geändert wurde. Und vergleicht man den Workprint mit der offiziellen Fassung, die jetzt in den Kinos läuft, so fallen einem noch viel mehr gravierende Unterschiede auf. Was halten Sie davon, dass die Studios diese Maßnahmen ergreifen? Erscheint Ihnen das sinnvoll oder würden Sie lieber die Version des Regisseurs zu sehen bekommen?
Nun, ich ziehe natürlich das alte Ende vor. Aber wirklich wichtig ist das nicht. Ich mag die Szene eben, weil ich direkten Kontakt mit Michael Myers habe und er nicht einfach das ganze Gebäude zerstört (lacht).

Aber es sieht ja so aus, als funktioniert die jetzige Version. Immerhin spielte sie 60 Millionen Dollar ein. Und 30 davon am ersten Wohenende. Also wer bin ich, dass ich da reinreden könnte. Wir reden schließlich von einer Firma, die Geld verdienen muss. Das ist das Filmgeschäft. Und unterstreichen Sie hier das Wort "Geschäft". Denn genau darum geht es.

Alleine schon dass der Film überhaupt produziert wurde, war ein gewisses Risiko. Es gab ein riesiges Geheule als die Pläne dafür publik gemacht wurden. Schließlich hat John Carpenters Film eine riesige Fan-Basis.
Ist auch verständlich wenn man sich die bisherigen Remakes seiner Filme anschaut. Interner Link"The Fog" ist ein perfekter Film. Und das Remake dazu ein großer Mist. Klar, dass keiner Lust hatte, noch so ein Debakel zu erleben. Immerhin kam diesmal was Anständiges raus.
Klar. Ich meine, da wird ein Interner Link"Halloween"-Remake angekündigt, ein Jungregisseur, der es drauf hat, kommt dazu. Außerdem ein paar großartige Drehbuchautoren. Die setzen sich zusammen, hecken ein paar Ideen aus. Heraus kommt ein gutes Script, denn die Leute wissen, es muss gut werden - wirklich gut werden! Sie können schließlich nicht einfach nur ein Rip-Off produzieren.

Halloween (Szenenbild 4) Halloween (Szenenbild 5)
Da stimme ich Ihnen zu. Meiner Meinung nach muss aber immer ein neues Element rein. Wenn man einfach das Original Szene für Szene kopiert wie z.B. bei "Psycho", welchen Sinn hat es dann, sich das Remake anzuschauen? Da kann man gleich beim Original bleiben.
Wissen Sie, ich bin ein großer Gus van Sant-Fan. Ich liebe seine Filme. Aber ich habe nie den Grund verstanden, warum ein Remake von Interner Link"Psycho" her musste. Denn das Original war ein solch brillianter Film.

Das Interessante mag vielleicht sein, andere Schauspieler zu sehen. Ich weiß es nicht.

Ich denke, Rob ist sehr clever. Ihm war bewusst, dass er heiligen Boden betrat. Denn John Carpenters Film ist ein Klassiker. Da bin ich mir sicher. John Carpenter ist ein Meister. Da gibt es gar keine Frage. Ich denke, Rob musste einem sehr schwierigen Pfad folgen. Schließlich wollte er einerseits einen neuen Film drehen, andererseits aber auch einem Klassiker Tribut zollen. Daher ist die erste Hälfte ein Prequel mit Michael als kleiner Junge, die ganzen Szenen im Krankenhaus und so weiter. Elemente, die ich faszinierend finde. Und dann natürlich das ganze Chaos, das im Grunde genommen eine Hommage an das Original ist. Er versuchte also, es den Leuten recht zu machen, die das Original schätzen. Aber wenn man realistisch ist, so weiß man, dass man es nie allen recht machen kann.

Daher gab es dann Stimmen, die sagten: Ja, wir mochten den Anfang. Aber warum dann einfach das Original kopieren. Dann gab es Andere, die meinten, man hätte niemals das Gesicht von Michael zeigen dürfen. Aber das Ende fanden Sie dann genial. Obwohl man das schon millionenfach gesehen hat.
Würde es Ihnen etwas ausmachen, auch noch Fragen zu beantworten, die nichts mit Interner Link"Halloween" zu tun haben?
Überhaupt nicht.

Heroes (Szenenbild 1) Heroes (Szenenbild 2) Heroes (Szenenbild 3)
Fangen wir mit etwas an, das Sie erst vor kurzem abgedreht haben: Die TV-Serie "Heroes". Denken Sie, dass ihr Charakter wieder in der Serie auftaucht? Schließlich besaß Ihr Charakter Heilkräfte.
Es wäre möglich, ja. Sie müssen wissen ich liebe diese Serie. Und ich mag die Leute, die daran beteiligt waren, unheimlich gerne. Tim Kring, Dennis Hammer und all die Anderen. Sie sind wirklich sehr talentiert. Und die Autoren sind einfach unglaublich. Ich meine, denken Sie mal drüber nach. Wir reden hier von einem TV-Programm. Einmal ausgestrahlt und weg. Und diese Serie ist besser als viele Kinofilme. Ich denke, es ist schlichtweg unglaublich, welches Talent zur Zeit in den amerikanischen Fernsehproduktionen steckt.

Eine gute Idee war, mehrere Bösewichter einzusetzen und das nicht nur einmal. Denk an die James Bond-Bösewichter, die tauchen einmal auf und das war es. Hier ist es aber anders. Der Zuschauer wird im Unklaren gelassen, wann wer auftaucht und wer nochmal zurückkommt. Daher könnte ich natürlich wieder auftauchen. Als ich das Set verließ, sagten die Produzenten mir: "Malcolm, nur damit du Bescheid weißt: Keiner ist für immer tot bei "Heroes"."

Damit steht die Tür für mich offen. Und wenn man mich fragen würde, so würde ich auch zurückkommen. Ganz klar. Himmel, die Leute sind so talentiert. Und warum würde sich jemand dagegen entscheiden, mit talentierten Leuten zu arbeiten. Und es macht einfach Spaß. Also ganz klar. Ich würde gar nicht drüber nachdenken, sondern sofort annehmen.
Das wäre schön. Denn ich mochte Ihren Charakter sehr gern.
Es ist eine Spitzenrolle. Die erste Szene, jene in der Küche, ist ein richtiger Klassiker. Vielleicht eine der besten Szenen, die ich je gedreht habe. Und wir brauchten gerade mal 2 Stunden, um sie abzudrehen. Rein, raus, fertig. Es ging so schnell. Ich kam am Drehort zwar schon am Nachmittag an, musste aber erst so gegen 19:00 oder 20:00 Uhr auf das Set. Wir fingen an zu drehen und um 22:00 war ich schon wieder fertig. Unglaublich.

Und das, obwohl ich unheimlich viele Dialoge einstudieren musste.

Heroes (Werbemontage)
Ich finde ihren Charakter "Linderman" faszinierend. Ich würde ihn nicht wirklich als Bösewicht bezeichnen.
Und das ist er auch nicht. OK, in gewisser Weise ist er das schon. Immerhin will er ja die Häfte aller Einwohner New Yorks umbringen und einen Neuanfang machen. Hey, wer würde das nicht gern? (lacht) Seine Logik macht auch vollkommen Sinn. Den ganzen menschlichen "Ballast" loswerden. Aber so funktioniert das Leben eben nicht. Aber seine idealistischen Ansichten sind verlockend. So sollte man es wohl formulieren.
Im Comic "Watchmen" hat Alan Moore eine ähnliche Idee. Halb New York ausrotten, damit sich die Weltbevölkerung zusammenreißt. Miteinander gegen einen gemeinsamen (wenn auch imaginären) Feind.
Ich bezweifle, dass die "Heroes"-Macher sich bei dem Comic bedient haben. Die Geschehnisse vom 11. September haben ein riesiges Trauma in der amerikanischen Gesellschaft hinterlassen. Und ich denke, dieses Trauma wird hier verarbeitet. Die Angst, dass so etwas (nochmal) geschehen könnte. Ein interessantes Thema.

Linderman ist ein wunderbarer Charakter. So kultiviert. Wie ein paar der besten Bond-Gegenspieler in den Anfängen der Filmreihe. Wie Blofeld oder Dr. No.
Ich würde ihn eher mit Curd Jürgens' Charakter vergleichen.
Genau, genau. Dies ist ein sehr guter Vergleich. Curd war übrigens ein sehr netter Mann. Das nur mal am Rande. Ich hab ihn mal in Südfrankreich getroffen. Himmel, das muss schon 30 Jahre her sein. Wir aßen zusammen zu Abend im Hotel "La Colombe d'Or" in St. Paul de Vence. Wir waren eine große Gruppe. Roger Moore war ebenfalls vor Ort. Curd war so ein netter Mensch. Ein richtiger Gentleman.

Aber Sie haben Recht. Das war die Idee hinter dem Charakter Linderman. So beschrieben ihn auch die Macher. Ich wusste, ich würde ein oder zwei herausragende Momente haben und dann wäre alles vorbei. Denn natürlich muss der Bösewicht sterben.
Naja, wie Sie schon zu Interner Link"Halloween" gesagt haben: Jemand muss zurückkehren, damit die Serie weiterlaufen kann.
"Heroes" war einer der erfolgreichsten Serien der jüngsten Zeit. Aber man sollte den Zuschauern nicht gleich alles geben, was sie haben wollen. Damit ein gewisses Verlangen übrig bleibt.

Wir werden sehen. Wenn die Produzenten sagen "Bitte komm zurück", dann komme ich zurück und drehe weitere Episoden.
Caligula (Szenenbild 1) Caligula (Szenenbild 2) Caligula (Szenenbild 3)
Das wäre fantastisch. Jetzt habe ich noch ein paar Fragen zu zwei Ihrer eher kontrovers diskutierten Filme. Die erste bezieht sich auf "Caligula": An was erinnern Sie sich noch von den Dreharbeiten und wie bewerten Sie den Film heute? Insbesondere nachdem Sie einen Audiokommentar für die neue Special Edition aufgenommen haben. Sind Sie eher stolz auf den Film oder wollen Sie lieber nichts mehr damit zu tun haben? Was ich eher bezweifeln würde.
Ich denke nicht, dass solch ein Film heute nochmal gedreht werden würde. Denn keiner kann sich solch eine Produktion leisten (in finanzieller Hinsicht). Das Risiko wäre viel zu groß und das würde keiner eingehen wollen.

Aber wenn Sie Suetonius lesen, der Geschichtsschreiber dieser Epoche, werden Sie erkennen, dass Nudismus bei den Römern nichts Besonderes war. Die waren nicht prüde - wie wir es heute sind. Und Tiberius selbst, der ja ein großer Imperator gewesen ist, brachte dem römischen Imperium großen Reichtum. Er war der Imperator, bevor Caligula an die Macht kam. Er herrschte, soweit ich mich erinnere, für 12 bis 14 Jahre. Er war komplett verdorben und lebte auf der Insel Capri.

Und dann kam Caligula für gerade mal 18 Monate an die Macht und verprasste den gesamten Staatsschatz, den Tiberius zusammengetragen hatte. Er schmiss es einfach zum Fenster raus. Fünf Goldstücke für jeden Bürger Roms. Man muss sich einfach mal vorstellen, wie korrupt das abgelaufen sein muss. Wie haben die solche Ausgaben kontrollieren können. Wie stellst du sicher, dass sich keiner ein zweites oder drittes Mal anstellt?

"Caligula" ist kein perfekter Film. Aber ich werde mich ganz bestimmt nicht für ihn schämen. Er ist so wie er ist.

Aber lassen Sie mich ihnen was sagen: Mein Lieblingsfilm aus den letzten 5 Jahren ist ein deutscher Film.

Malcolm McDowell Caligula (Szenenbild 4) Caligula (Szenenbild 5)
Sie meinen jetzt aber nicht Interner Link"Der Untergang"?
Nein, auch wenn ich ein großer Fan von Bruno Ganz bin.

"Das Leben der Anderen" ist mein absoluter Lieblingsfilm. Was für ein geniales Drehbuch, mein Gott. Und so tolle Schauspieler. Jede Abteilung innerhalb der Produktion war so gut wie es nur irgendwie möglich war. Die Beleuchtung, die Regie, das Drehbuch. Wie die Kamera bewegt wurde, die Schauspieler auftraten, war so wundervoll. Für mich ist das ganz klar der beste Film, den ich seit Jahren gesehen habe. Und es ist sehr interessant, dass der Film den Oscar gewonnen hat. Eine Entscheidung, hinter der ich stehe und auf die ich sehr gehofft hatte. Schließlich musste er sich gegen eine starke Konkurrenz behaupten, wie z.B. Interner Link"Pan's Labyrinth". Ein wirklich guter Film. Trotzdem war ich froh, dass die Academy die richtige Entscheidung getroffen hat.

Himmel, wenn ich nur an das Ende denke. So müssen Filme aussehen. Diese Überraschung am Schluss. Das war so brilliant. Wie bei "Der dritte Mann". Großartiger Film!

Und eben ein deutscher Film. Was ich damit sagen möchte: Hoffentlich profitieren die kommenden deutschen Produktionen davon und der deutsche Film erlebt endlich wieder eine goldene Ära. Das wäre doch wirklich klasse. Denn bisher haben wir nicht gerade viel bezüglich deutscher Produktionen gehört, oder?
Wie wahr! Und ich bin auch nicht gerade stolz auf die deutsche Filmindustrie.
Und ich bin nicht gerade stolz auf die Britische. Ich meine, europäische Filme sind generell schlecht. Aber wenn man so einen Triumph erlebt, dann sollte man auch daran glauben, dass sie (die deutsche Filmindustrie) wieder zur alten Form zurückfindet.

Ganz nebenbei: Ich komme nach Deutschland. Habe ich Ihnen das schon erzählt?
Nein. Wann kommen Sie denn?
Ich komme Mitte November nach Deutschland um die große TV-Produktion von "Krieg und Frieden" zu bewerben. Soweit ich weiß, findet die Aktion in Hamburg statt. Keine Ahnung warum.

Es ist auf jeden Fall eine wunderbare Produktion. Ich denke, sie wird recht erfolgreich sein. Ich bin sicher, die Synchro wird ausgezeichnet werden.

Ich freue mich also schon sehr darauf, Deutschland zu besuchen.
Möglicherweise trifft man sich dort und kann dieses interessante Gespräch fortführen.
Ja, mir hat das Interview sehr viel Spaß gemacht.
Mir auch. Vielen Dank, dass Sie sich so lange Zeit genommen haben. Ich wünsche Ihnen noch ein schönes Wochenende.
Danke, Ihnen auch. Auf Wiederhören.


Das Gespräch führte Ivo Scheloske



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