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Biografie Luigi Cozzi - Argentos 'Propagandaminister' ... ?!?
Der am 07.09.1947 in Busto Ariziso/Varese, Italien geborene Luigi Cozzi ist gemeinhin als Regisseur von Sci-Fi- und Horrorexploitation-Ware wie Interner Link"Astaron", Interner Link"Star Crash" u.a. bekannt. Zudem gilt er als einer der engsten Vertrauten des italienischen Kultregisseurs Dario Argento.
Genaugenommen ist Cozzi, der in seiner aktiven Zeit als Regisseur den Künstlernamen Lewis Coates Astaron - Brut des Schreckens (klickbar)trug, vorrangig aber ein leidenschaftlicher Fan des Phantastischen. Seit seiner Kindheit gilt er als Spezialist und Sammler von Horror, Science Fiction und Fantasy-Filmen, was ihn schon recht schnell soweit antrieb, dass er sich aktiv am Geschehen beteiligte. Als freier Journalist und Kritiker näherte er sich Produzenten, Darstellern und Regisseuren der damaligen italienischen Filmindustrie und galt The Dark Is Death's Friendschon bald als gerngesehenen und fachlich kompetenten Diskussionspartner für alle Belange des phantastischen Filmes.
Gleichwohl reizte ihn natürlich auch die aktive Rolle innerhalb einer Filmproduktion. So konzipierte er mit Freunden im Jahre 1968 die beiden Sci-Fi-Kurzfilmprojekte "Il Tunnel Sotto Il Mondo" sowie "A Dream Isabell", bei denen er erstmals seine Fähigkeiten als Regisseur austestete.

Bei einem Interview lernte er seinen Kritikerkollegen Dario Argento kennen, der gerade seinen ersten eigenen Film Interner Link"L'ucello dalle piume Crystallo" ("Bird With The Crystal Plumage"/"Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe") abdrehte. Während dieses Interviews, das schon bald zu einer mehrstündigen Diskussionen zwischen den beiden Fachleuten ausartete, bemerkten beide, dass sie sich in vielerlei Hin- und Ansicht glichen. Diese aufkeimende Freundschaft zwischen Argento und Cozzi führte schon bald zu einer ersten Zusammenarbeit.
In Argentos drittem Film Interner Link"Quattro Mosche di velluto Grigio" ("Vier Fliegen auf grauem Samt"/"Four Flies On Grey Velvet") arbeitete Cozzi als Co-Autor sowie Co-Regisseur und er durfte zudem in die Rolle des Caroline Munro in Not in 'Star Crash'Killers schlüpfen. Die Zusammenarbeit führten die beiden dann in der von Argento produzierten TV-Serie Interner Link"La Porta sul Buio" ("The Door Into Darkness") sowie in dessen bitterer, politischen Komödie Plakatmotiv zu 'Star Crash'Interner Link"Le Cinque Giornate" ("Five Days of Milan"/"Die Halunken") fort. Cozzi war hier erneut Ideengeber für die Drehbücher Argentos.

Durch diese Zusammenarbeit eröffneten sich Cozzi schnell potentielle Regieangebote. Der Giallo "L'Assassino È Costretto Ad Uccidere Ancora" ("The Killer Must Kill Again") sowie der Erotikfilm "La Portiera Nuda" Regisseur Cozzi (links) mit seiner 'Star Crash'-Hauptdarstellerin Caroline Munro ("The Naked Porter") waren zwar nur Auftragsarbeiten für das italienische Fernsehen, erwiesen sich aber als eindrucksvolle kreative Arbeitsproben des in inszenatorischer Hinsicht eher laienhaften Cozzi.
Sein Traumprojekt Interner Link"Star Crash", eine Weltraumoper mit aufwendigen Special-FX und einer eher fantastischen Ausrichtung, brachte dann die Wende: Nachdem sein Treatment bei sämtlichen potentiellen Geldgebern auf Ablehnung stieß, leitete der urplötzliche Erfolg der US-Produktion Interner Link"Star Wars" ("Krieg der Sterne") 1978 eine Wende ein. Cozzi durfte nach jahrelangen Klinkenputzen mit einem ansehnlichen Budget eine internationale Co-Produktion auf die Beine stellen und diese erwies sich als akzeptabler Erfolg. Dass Cozzi zu dieser Zeit ein Glückskind war, dem vieles in seiner beruflichen Laufbahn regelrecht in die Arme fiel, zeigte sich in diesem Fall am eindrucksvollsten.
Interner Link"Star Crash" war nämlich trotz seines fantasievollen Drehbuchs eine absolute Trashgranate, die praktisch nur durch den damaligen Sci-Fi-Boom in alle Welt verkauft wurde. Weder die Technik noch die Umsetzung der Handlung ließ sich als gelungen bezeichnen, auch wenn man dem Film den Spaß aller Beteiligten beim Dreh ansieht.

Super 8-Rolle von 'Star Crash'Anfang der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts begann der italienische Filmmarkt seine Eigenständigkeit zu verlieren. Aufbauend auf den Erfolgsformeln Hollywoods versuchten die italienischen Filmschaffenden einen US-Kinohit nach dem anderen zu kopieren und das Publikum mit mehr oder minder dreisten Plagiaten zu belästigen (bzw. einen kleinen Kreis bis heute zu begeistern). Das große Geld ließ sich nicht mehr nur durch das italienische bzw. europäische Publikum erreichen, sondern vor allem durch die Anbiederung an die durch Hollywood immer stärker werdenden Sehgewohnheiten.
Unzählige Rip-Ofs von Action, Horror und Sci-Fi-Filmen überfluteten die Kinos und auch erstmals die Videorecorder, die langsam aber sicher Einzug in die weltweiten Wohnzimmer fanden.

Während Argento die vergangenen Jahre eher damit verbrachte in Hollywood Fuß zu fassen und eine internationale Anerkennung zu erreichen (wobei ihm verhältnismäßig äußerst begrenzt nur letzteres gelang), sah Cozzi seine Felle langsam wegschwimmen. Nach einigen Jahren in denen er kaum einen Fuß in die Türen der Produzentenbüros bekam, sollte erst ein Rip-Off des US-Kinoerfolges Interner Link"Alien" seine Rückkehr auf den Regiestuhl einläuten.
Bewaffnet mit einem kleinen Budget aus italienischer wie auch deutscher Hand dreht er 1982 Interner Link"Contamination" ("Astaron - Die Brut des Schreckens"). Die krude Mär aus zusammengeklauten Ideen und dem gerade durch die Zombiewelle populären Splatter wurde ein Fiasko. Der Distributor des Films ging kurz nach Fertigstellung Pleite und dieser Umstand sorgte dafür, dass der Film teilweise völlig vom Erdboden verschluckt wurde. Die weltweite Vermarktung erwies sich ebenfalls als äußerst problematisch, so dass sich vor allen im Ausland viele Lizenzhändler die Taschen füllten ohne Plakatmotiv zu 'Hercules'die Lizenz auch wirklich zu besitzen. In Italien selber ist der Film bis heute noch nie veröffentlicht worden, ganz im Gegensatz zu Deutschland, Großbritannien und den USA, wo "Contamination" ein respektabler Videohit wurde und heutzutage als Cozzis bekanntester Film gilt - im Ausland wohlgemerkt.
In Italien dagegen wurde man erst wieder auf Cozzi aufmerksam, als er im Zuge des Kinohits Interner Link"Conan" die beiden Fantasyfilme "Hercules" und "Hercules 2" innerhalb eines Jahres (!) drehte. Beide Filme waren trotz ihrer sehr naiven und billigen Machart (oder vielleicht auch deswegen) respektable Videohits und verkauften sich in viele Länder und erschienen brav auf Video.
Cozzi beim Dreh (klickbar) Ein seltsamer Job als Scriptschreiber für Lamberto Bavas Interner Link"Shark" brachte ihn nebenbei wieder enger mit Dario Argento zusammen. Argento heuerte Cozzi umgehend als Optical FX-Supervisor für sein problematisches Projekt Interner Link"Phenomena" an. Bei Argentos Interner Link"Opera" brachte er dann zwei Jahre später ebenfalls ein paar Ideen in das Drehbuch ein. Trotz des Flops von Interner Link"Phenomena" lief die Argento-Maschinerie zu dieser Zeit auf Hochtouren, was dazu führte, dass Cozzi und Lamberto Bava die Hauptregisseure der von Argento produzierten TV-Serie "Giallo" wurden. Ganze 9 Episoden mit einer durchschnittlichen Dauer von 15 Minuten gingen hier auf Cozzis Konto.

Da aber weder die TV-Serie noch Interner Link"Opera" den erhofften Erfolg hatten, musste Cozzi wieder umdenken. Argento war zu frustriert um weitere Projekte durchzusetzen und den beiden Weggefährten blieb vorerst nur ihre loyale Freundschaft. Auch der von Cozzi in Eigenregie regelrecht hingerotzte Slasher-Versuch "Paganini Horror" scheiterte kläglich auf kommerzieller wie künstlerischer Ebene. Cozzis unerwähnte Mitarbeit als FX-Koordinator für Augusto Caminitos Interner Link"Nosferatu A Venezia" ("Vampire in Venice"/"Nosferatu in Venedig") sorgte zwar für ein weiteres Überleben, aber Cozzi wurde klar, dass ihn sein Glück so langsam verlassen hatte, auch wenn der ebenfalls recht angeschlagene italienischer Regiewunderknabe Enzo G. Castelliari ihm das Drehbuch zu "Sindbad And The Seven Seas" günstig abgekauft hatte. Dieser im übrigen wurde ein Desaster, weshalb man Cozzi beauftragte Szenen nachzudrehen und umzuschneiden, damit man ihn überhaupt Veröffentlichen konnte. Cozzi schnitt den Film also um, drehte einige härtere Szenen nach und fügte eine Jugend gerechte Story ein, in der eine Mutter die Abenteuer von Sinbad ihrer Tochter in einem Buch vorliest. So wurde der Film doch noch TV tauglich und wird seit dem regelmäßig bei RTL ausgestrahlt.


The Black Cat Vampire In Venice Terror At The Opera
Paganini Horror Devouring Waves


Cozzis letzte reguläre Regiearbeit bei einem Spielfilm war zugleich sein letzter angestrengter Versuch seinen Platz im Olymp der Horrorregisseure zu finden. "The Black Cat" war der tollkühne Versuch, Dario Argentos "Drei-Mütter-Trilogie" fortzusetzen. Auch wenn er selber immer wieder betont, dass dieser Film mehr als Hommage zu verstehen sein soll, zeigte sich hier eindringlich, dass Cozzi sein Ziel auf diesem Weg niemals erreichen sollte.Cozzis Dokumentation über seinen langjährigen Weggefährten Dario Argento
Weder inhaltlich noch inszenatorisch erreichte er mit diesem Film ein ernst zu nehmendes Ergebnis. Aber auch in anderer Hinsicht läutete "The Black Cat" praktisch Cozzis selbstgewollter Untergang als Regisseur ein. Der Produzent setzte sich nach Abschluss der Dreharbeiten ab und es kam zu einer Situation, die selbst das Debakel mit Interner Link"Contamination" in den Schatten stellen sollte. Während weder Cozzi, noch die Crew und Darsteller eine Lira zu sehen bekamen, ging erneut das Rechtehickhack los und eine jahrelang währender Prozess folgte, der (meines Wissens) bis heute nicht beendet wurde.
Nun stand er da, der Fan der eigentlich nur Anerkennung erreichen und einfach seinen gewichtigen Stempel im Genre hinterlassen wollte. Völlig frustiert traf er erneut mit Dario Argento zusammen, der ihm ein traumhaftes Angebot machte. Zuerst ließ er ihn als Second-Unit-Director für sein Segment des Episodenfilms Interner Link"Two Evil Eyes" ("Due Occhi Diabolici") in die USA einfliegen. Zum anderen suchte Argento seit Anfang der 90er immer wieder den direkten Kontakt mit seinen Zuschauern. Er hatte die Idee eines Argento-Museums, in dem sich die Fans die Requisiten seiner Filme anschauen konnte. Zudem hatte Argento während seines USA-Aufenthaltes den Psychotronic-Shop Fan-Shop in Rom: das Profondo Rosso, benannt nach Argentos gleichnamigen Filmbesucht und war von der Idee eines eigenen Ladengeschäftes für Horror-Devotionalien begeistert. Beides wurde Wirklichkeit im Profondo Rosso-Shop, wobei es für Argento nur eine Person gab, die so einen Laden angemessen und in seinem Sinne leiten könnte: sein Freund, der leidenschaftliche Phantastik-Freak Luigi Cozzi. Seitdem kann man Signore Cozzi im schönen Rom im Profondo Rosso-Shop besuchen und mit ihm fachsimpeln.

Nichtsdestotrotz ließ Argento seinen Schützling auch in filmischer Hinsicht nicht im Stich: 1996 band er ihn Luigi Cozzi höchstpersönlich im Profondo Rosso (klickbar)bei seiner Rückkehr nach Italien als Second Unit-Regisseur für sein brutales Psychodrama Interner Link"La Sindrome Di Stendhal" ("The Stendhal Syndrome") ein. Cozzi selber ließ die Kamera aber auch nicht ruhen: aus Dankbarkeit und Bewunderung für seinen Mentor Argento drehte er 1991 die Dokumentation "Dario Argento - Master of Horror" ("Dario Argentos World of Horror Part 2"), von der es mittlerweile noch zwei weitere Episoden gibt und den "Meister" (O-Ton Cozzi) bei der Arbeit zeigt. Zwar erreichen die Cozzi-Dokus nicht die entlarvende Tiefe, die Michele Soavis erste Argento-Doku Interner Link"Dario Argentos World of Horror" zeigte, für Fans sind sie aber natürlich trotzdem essentiell.

Doch die Reise von Argentos "Propagandaminister" in der Welt des Phantastischen nahm am Ende doch noch eine gute Wende: die Horrorfans in Europa und Übersee erinnerten sich gerne an seinen Schicksalsschlag Interner Link"Contamination" und mit dem Aufkommen der Laserdisc und später der DVD gab es ein Wiedersehen mit Cozzis Alien-Derivat. Er ist gerngesehner Gast auf Conventions auf der ganzen Welt und sonnt sich abgeklärt nach all den harten Jahren in seinem späten Ruhm, der ihm selbstreflektierend auch nicht immer ganz geheuer erscheint. Eines ist aber sicher: Cozzi fand zuletzt mit Hilfe der weltweiten Exploitation-Gemeinde doch noch seinen wohlverdienten Platz im Genre.

Text Heiko Esser / Design und Textergänzung Daniel Pereé
Ein Gemeinschaftsprojekt von www.Wicked-Vision.com und www.Batonga.net
Wickeds Daniel Pereé mit Luigi Cozzi (2002 in Essen)
Cheffe Daniel Pereé mit Luigi Cozzi am 20.10.2002 in Essen.



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