Wicked-Vision-Index

Login 18er Bereich

Registrieren

Startseite und Neuigkeiten Reviews
• Filmberichte
• DVD/HD-Reviews
• Bildvergleiche
• Literatur
• Hörspiele Weitere, medienbezogene Informationen
• Hidden Features
• Schnittvergleiche
• Videocover

Interview mit Katja Bienert


Das Interview führte Andreas Bethmann im Frühjahr 1999 in Berlin.

Frau Bienert, die Franco-Epoche war für Sie eine interessante Zeit am Anfang ihrer Karriere. Wie sind Sie überhaupt in so jungen Jahren zum Film gekommen und wie trafen Sie Jess Franco?
Im Jahre 1978, mit gerade mal elf Jahren, drehte ich meinen ersten deutschen Kinofilm mit dem Produzenten Carl Spiehs. Dies war der Film "Die Schulmädchen vom Treffpunkt Zoo" unter der Regie von Walter Boos, der 1979 in die deutschen Kinos und 1980 bei UfA-Video in die Videotheken kam. Meine Mutter Evelyne Gutkind-Bienert, selber Schauspielerin und Stuntgirl aus über 200 Filmen, hatte diese Zusammenarbeit durch ihre Kontakte vermittelt und übernahm von diesem Zeitpunkt an mein persönliches Management. Zu der Zeit war ich schon sehr groß, hübsch und diszipliniert.
Anfang 1980 trafen wir beide in Alicante auf Jess Franco, der für einen erkrankten deutschen Regisseur eine angefangene Carl Spiehs-Produktion beendete. Jess Franco hielt mich zuerst wegen meines braunen Teints und der dunklen Haare für eine Spanierin. Dadurch wurde ich schnell Bestandteil seines spanischen Teams. Antonio Mayans, Mabel Escano sowie Kameramann Juan Soleil, der sehr traumhaft fotografiert und später für den Weltspiegel Berichte aus Südamerika drehte, blieben mir bis heute in bester Erinnerung.
Wenn Sie ihren Eindruck über Jess Franco mit anderen Regisseuren vergleichen, mit denen Sie später arbeiteten, gibt es da nennbare Unterschiede?
Auf jeden Fall ja, denn Jess Franco besaß die Leichtigkeit und Lebensfreude eines Südländers, ohne jedoch sein Ziel vor Augen zu verlieren.
Er besaß darüber hinaus auch einen großen Schuss Genialität und war für mich der Vorläufer von Regisseuren wie Almodovar und Bigas Luna, die ich später auch noch kennenlernte. Bei Franco konnte man noch das ausleben, was später beim deutschen Fernsehen zur Fließbandarbeit wurde und verloren ging.
In welcher Sprache hat Franco Ihnen Regieanweisungen gegeben?
Franco beherrschte damals sieben oder acht Sprachen, darunter auch Deutsch. Unter Rücksicht aber auf das restliche Filmteam spachen wir in einem Mischmasch aus Englisch und Spanisch.
Hatten Sie das Gefühl, dass Franco sehr künstlerisch arbeitete und sich dabei nicht immer an das Drehbuch hielt, oder ging er immer stur nach Text?
Jess Franco hatte stets vor Drehbeginn den Inhalt des Drehbuchs grob umrissen im Hinterkopf. Alles andere bei ihm war reine Improvisation und Inspiration. Selbst wenn es ein komplettes Drehbuch und einen deutschen Koproduzenten gab, ignorierte er die stets. Es konnte auch passieren, dass er plötzlich eine spontane Eingebung hatte und dann in einem anderen Land eine bestimmte Szene zu drehen begann, obwohl sie für einen anderen Film zu einem anderen Zeitpunkt war.
Wie denken Sie heute über Filme wie "Lolita am Scheideweg" oder Interner Link"Die nackten Superhexen von Rio Amore"? Sagen Ihnen diese Streifen nach längerer Zeit immer noch so zu, wie in ganz jungen Jahren oder wollen Sie sich davon distanzieren?
Ganz im Gegenteil, sie sagen mir immer noch zu. Ich würde heute immer noch Fortsetzungen zu diesen Filmen machen.
Wussten Sie eigentlich, dass ihr Name Mitte der 80er Jahre als Hauptdarstellerin bei einigen Franco-Filmen auf die Plakate gedruckt wurde (Zum Beispiel Interner Link"Die Säge des Todes" oder "Sola ante el Terror"), obwohl sie dort gar nicht mitspielten?
Nein, ist mir völlig unbekannt, stört mich aber auch nicht.
Wie ging es nach dem Ende dieser Filmwelle für sie weiter (Rollen, Angebote)? Hatten Sie Probleme, durch eventuelles Schubladendenken vieler Leute durch ihre Erotikfilme andere Rollen zu bekommen?
Katja BienertNein. Nach der Zusammenarbeit mit Jess Franco beendete ich erst einmal die Schule und machte Abitur: Erst danach fing ich an, eine Karriere beim Fernsehen zu starten. Seitdem habe ich in mittlerweile 64 Filmen und Serienfolgen mitgespielt.
Zum Fernsehen ging ich damals, weil ich des Reisens und der Turbulenzen müde war, die so eine Spielfilmproduktion mit sich brachte. Erst in den letzten Jahren habe ich wieder angefangen, im Ausland und fürs Kino zu drehen.
Hat die Franco-Epoche heutzutage noch irgendwelche Auswirkungen für Sie oder ist dies komplett vergessen für Sie?
Noch sehr oft werde ich auf Jess Franco angesprochen, denn seine Filme sind beliebt geworden und besitzen Trash-Kult. Außerdem ist mir die Zusammenarbeit mit ihm stark in Erinnerung geblieben, weil es dabei sehr fröhlich und familiär zuging. Wir alle waren ein gutes Team.
An was arbeiten Sie zur Zeit?
In ein paar Wochen beginnen die Dreharbeiten für einen Thriller auf PRO 7, welche ein paar Drehtage für mich bedeuten. Danach synchronisiere ich eine Robin Hood-Serie und drehe im Sommer meinen ersten Horrorfilm (Interner Link"Il Ritorno del Demoni 2"), der in Deutschland aber erst im Herbst 2000 zu sehen sein wird.
Was sind ihre Pläne für die Zukunft und was ist eines ihrer größten Traumziele?
Kurzgeschichten, Treatments und Drehbücher zu schreiben und möglichst gewinnbringend zu verkaufen und umzusetzen.
Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Glück!

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von X-Rated.
Katja Bienert


Alle Bilder und Texte sind Eigentum des jeweiligen Rechteinhabers

Copyright by Wicked-Vision 2000-2013/Designed by Daniel Pereé 2000-2013.