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Interview mit Billy O'Brien

Zum DVD-Kaufstart des Öko-Horrors Interner Link"Isolation" am 19. Januar 2007 hatten wir die Möglichkeit Regisseur und Drehbuchautor Billy O'Brien zu seinem Regiedebüt ein paar Fragen zu stellen. Alles über Interner Link"Isolation", die Idee dahinter und zukünftige Pläne könnt ihr hier nachlesen. Viel Spaß!

Hallo Billy! Erzähl uns doch bitte etwas über dich. Wie wir wissen, ist Interner Link"Isolation" dein Regiedebüt. Was hast du davor gemacht und war eigene Filme drehen schon immer dein Traum?
Alles fing auf der Kunstakademie an, wo ich mit Kameras rummachen konnte und mein eigenes (schlechtes) Comic zeichnete. Als ich damit fertig war, entschied ich mich, auf die Filmhochschule zu gehen und meine Kritzeleien entwickelten sich zu Storyboards. Ich arbeitete eine Weile als Filmdesigner an Kurzfilmen, bevor ich selbst welche inszenierte. Ich merkte, dass mir das Regieführen leichter fiel. Zumindest leichter, als Filme zu entwerfen.
Wie bist du auf die Idee zu Interner Link"Isolation" gekommen? Er ist ja doch angenehm anders als die Horrorfilme der letzte Jahre. Wieso gerade das Thema Genforschung an Kühen?
Ich wuchs auf einer Farm auf und auch wenn ich es mir niemals hätte träumen lassen, dass mein erster Film auf einer Farm spielt, so kam mir doch eines Tages die Idee eines Monsters, das in einer Kuh steckt. Und natürlich erinnerte ich mich daran, wie ich meinem Vater bei der Geburt eine Kuh geholfen habe. Und das war schon toll; meine eigenen Erinnerungen benutzen zu können, um einen "echten" Horrorfilm zu drehen und damit die realen Geschehnisse auf der Farm mit einer SciFi-Prämisse zu vermischen.

Billy O'Brien während eines InterviewsAuf die Geschichte mit den Gen-Versuchen bin ich aus 2 Gründen gekommen: Ich war schon immer an allem interessiert, daß mit Tieren zu tun hatte (einer meiner Kurzfilme dreht sich um Tierversuche) und zum anderen ist diese Art von Gen-Forschung bzw. Praktik doch sehr reell und passt somit zu dem realistischen ersten Teil der Geschichte.
Kannst du uns ein paar Anekdoten von den Festivals erzählen, auf denen Interner Link"Isolation" bisher lief? Wie waren die Reaktionen international auf den Film?
Es war einfach großartig. Ich denke, das Fantastic'Arts in Gerardmer und das BIFFF in Brüssel sind die zwei lustigsten Festivals. Beim BIFFF mussten Produzent Bertrand Faivre, Designer Paul Inglis, Cutter Justinian Buckley und ich einen Song auf der Bühne singen, bevor der Film vorgeführt wurde. Das hat mehr an den Nerven gezerrt als das Drehen an sich. In Gerardmer habe ich zum ersten Mal das Skifahren probiert bzw. "Runterpurzeln", wie ich es dann umgenannt habe.
Die Reaktionen auf den Film sind ziemlich gut. Er ist bloß in ein paar Ländern im Kino veröffentlicht worden, aber Festivals und Kritiker mögen ihn anscheinend sehr, was sehr gut ist. Allerdings denke ich, dass er nicht jedermanns Geschmack ist. Auch wenn es mir komisch vorkommt, aber nicht jeder geht gerne ins Kino, um einen Film zu sehen, in welchen Leute bei klirrender Kälte in Kuhscheiße stecken und von Kühen gejagt werden. Schon komisch.
In Deutschland habe ich mich nach der Aufführung auf dem Fantasy Filmfestival in Bochum mit einigen Fans unterhalten. Die Reaktionen waren gespalten und einige Fans fanden ihn langweilig und zäh, was ich persönlich nicht nachvollziehen kann.
Ein Jahr auf Festivaltour zu gehen, brachte schon einige Erkenntnisse. Einige Horrorfans sehen halt lieber die Interner Link"Hostel"/Interner Link"Saw"-Folter-Unterart des Horrorfilms, in welcher nichts mehr der Fantasie überlassen wird. Diese Filme sind wie ein Wettrüsten, bloß dass es hier darum geht, welche Körperteile noch nicht abgeschlagen oder zermanscht wurden. Und das ist auch OK so. Das Geniale am Horror-Genre ist doch, wie weitreichend es ist. Über das Jahr hinweg habe ich den Film mit einer Vielzahl an ganz verschiedenen Zuschauern gesehen und mit ihnen nach der Vorführung geschwätzt (meistens an einer Bartheke sitzend). Und einige mochten das langsame Tempo, andere nicht. Ich habe schon immer eine große Bandbreite an Filmen gemocht - von Klassikern wie "Rosemaries Baby" bis zu Splattergranaten wie Interner Link"Bad Taste"! Aber ich wollte, dass Interner Link"Isolation" sich so real anfühlt wie es mir nur irgendwie möglich war - wie eine Dokumentation.
Wie waren den die Reaktionen auf dem Fantasy Filmfestival in Berlin, bei dem du zu Gast warst?
Berlin war OK, aber ich konnte nur eine Nacht bleiben und traf daher kaum Leute.

Billy O'Brien bei einer Podiumsdiskussion  Billy O'Brien bei einer Podiumsdiskussion
Mir gefällt vor allem die düstere, teilweise klaustrophische Atmosphäre auf der heruntergekommenen Farm. Hast du den Film an Originalschauplätzen gedreht?
Ja, wir verbrachten einen Monat damit, nach interessanten Farmen in Wicklow (nahe Dublin) zu suchen. Die Farm, die wir schlussendlich verwendeten, war riesig, ähnelte einer Fabrik und war recht runtergekommen. Ein großartiger Fund. Dann begann die Arbeit von unserem Designer Paul. Er baute Ställe, fügte Korridore hinzu usw. Am Ende wurden die Hälfte der Gebäude geflutet, so als würde alles im Sumpf versinken.
Zu Beginn gibt eine sehr "schöne" Sequenz, in der Essie Davis mit ihrer Hand in die Kuh eindringt, um den Fötus zu ertasten. Das war doch ein gut gemachter Spezialeffekt, oder habt ihr eine echte Kuh für die Szene genommen?
Wir benutzten tatsächlich eine echte Kuh. Essie hat einen Tag lang bei einem Tierarzt Unterricht genommen und die ganzen Veterinär-Prozeduren gelernt. Sie hat darauf bestanden.
Interner Link"Isolation" soll ja nicht sehr teuer gewesen sein, jedoch erschaffst du hier einen Look, der sich nicht hinter einer Big Budget-Produktion zu verstecken braucht. Was war dir beim Drehen besonders wichtig und würdest du im Nachhinein sagen, dass wenn ihr mehr Geld zu Verfügung gehabt hättet der Film anders ausgesehen hätte?
Zeit, Zeit, Zeit und dass nie genug davon da war. Das hat mich am meisten geschockt. Du verbringst 2 Jahre mit dem Schreiben des Drehbuchs und dem Beschaffen des Budgets, und beim Dreh besteht dann die Gefahr, dass alles daneben geht, weil man nicht genug Zeit hat alle Einstellungen zu drehen. Ich lernte schnell mich darauf einzustellen; das Meiste aus jeder Minute herauszuholen. Es ist extrem anstrengend, aber du bist dir so bewusst, dass dies die einzige Chance ist. Vermasselst du es, war der ganze Aufwand umsonst.

Billy O'Brien während eines InterviewsIch denke mal, ein größeres Budget bedeutet einfach mehr Zeit zu haben. Vereinzelte Szenen hätte ich vielleicht anders gedreht, aber jetzt, wo der Film fertig ist, denke ich, dass der hektische Elan, der sich aufgrund des kleinen Budgets ergab, dazu beitrug, etwas Besonderes zu erschaffen. Es war ein harter Dreh, aber jeder arbeite so versessen, dass sich dieser Elan auf die Kamera übertrug.

Aber ich würde gerne einen Film mit größerem Budget drehen, bei dem mir mehr Zeit zur Verfügung steht, um Sachen ausprobieren zu können. Allerdings bin ich mir auch bewusst, dass ein größeres Budget auch mehr Restriktionen mit sich bringen kann. Zum Beispiel, welchen Schauspieler du casten darfst oder ob ich auch den Endschnitt durchführen kann. Mit kleinerem Budget liegt die Kontrolle bei dir.
Beim Design und der Ausführung der Kreaturen habt ihr euch sehr Film Mühe gegeben und viele Szenen sahen sehr realistisch aus, so dass man z.B. bei der Sequenz mit dem Kalb nie sagen kann, was echt ist und was nur ein Trick. Wie weit durftet ihr denn mit den Kühen gehen? Haben die Tiere nicht versucht, ihren eigenen Kopf durchzusezten?
Das war keine Frage des "dürfen", sondern des "können". Fakt ist, sobald die Kuh das Gebären anfing, mussten wir auf das Modell zurückgreifen. Eine Kuh gebiert innerhalb von ein paar Stunden und es ist einfach unmöglich, alle benötigten Einstellungen in dieser Zeit zu drehen. Oder, um es anders zu formulieren: Von dem Moment an, wo sich die Kuh zur Geburt hinlegt, siehst du großteilig das Modell.

Wenn du ruhige, gedankenverlorene Schauspieler suchst, dann sind unsere Kühe perfekt. Aber eine erschütterte oder ängstliche Kuh kriegst du eigentlich nie. Wenn eine Kuh nur rumstehen und dich anstarren will, dann macht sie auch genau das. Schlussendlich verwendeten wir eine Reihe von großen Gummi-Kühen für die Szenen, wo die "sauren" Kühe zubeißen. Es war doch sehr erheiternd, der halben Crew zusehen zu dürfen, wie sie eine Animatronic-Kuh über eine Mauer hiefen ...

Isolation (Szenenfoto 1)  Isolation (Szenenfoto 2)
Das Monster am Ende erinnert irgendwie an Interner Link"Alien" im frühen Entwicklungsstatus und ich finde, dass man gerade zum Ende hin sehr viel Parallelen zu Ridley Scotts Klassiker finden kann. Vor allem das Finale, welches wirklich ein grandioser Höhepunkt im Film darstellt, scheint von Interner Link"Alien" inspiriert worden zu sein. Diese klaustrophobischen Gänge, die spärliche Ausleuchtung sind richtig schön Old-School. War dies von Anfang an gewollt oder war es durch das geringe Budget nicht anders zu finanzieren?
Tatsächlich steckte dieser "Look" schon während des Drehbuchstadiums in meinem Hinterkopf. Ist ja klar, bedenkt man, dass wenn ich als Teenager nachts auf der Farm herumgewandert bin, sich diese in das Raumschiff aus Interner Link"Alien" verwandelte (oder der Melkstall in den Maschinenraum aus "Das Boot". Es ist unmöglich, nicht daran zu denken, wenn du einen Horrorfilm an einem einsamen Drehort machst. Was das Aussehen der Monster angeht, so wollten wir uns von Gigers Entwurf abheben, da sich schon zu viele Studios an seinen Ideen bereichern. Auch wenn wir uns über genetische Defekte informierten und eine Kreatur und deren Lebenszyklus entwarfen, die sich stark von Interner Link"Alien") unterschiedet, bedeutet das kleine Budget und die Tatsache, dass das Monster in dunklen, nur von Fackeln erhellten Korridoren herumrennt, dass viele Feinheiten unseres Designs verloren gingen und die Kreatur Alien-artig rüberkommt. Verdammt aber auch!
Wie habt ihr damals Produzenten für den Film gewinnen können? Ich habe gehört, sie waren zu Beginn von der Geschichte eines Horrorfilms mit Kühen nur wenig angetan?
Ganz klar, die Produzenten hätten sich nie träumen lassen, dass ein Horrorfilm mit Kühen funktionieren würde. Meine eigenen zwei Produzenten (Ruth Kenly Letts & Bertrand Faivre) mochten die Geschichte, insbesondere die Geburtsszene. Aber die Financiers waren schwieriger zu überzeugen. Die Horror-Fraktion unter ihnen wollte mehr die typischen Elemente Billy O'Brien während eines Interviews(Teenagers usw.). Die Normalo-Fraktion verstanden erst einmal gar nicht, um was es geht und ich musste ihnen Fotos von Kuhkrankheiten und Autopsien - natürlich ganz in Farbe - zeigen, um sie zu überzeugen.
Erzähl uns doch bitte noch ein paar Anekdoten zu den Dreharbeiten? Gab es da irgendwelche besondere Vorfälle oder Pannen?
Die Gummi-Kuh über die Mauer zu schmeißen, habe ich ja bereits erwähnt. Dann z.B. die Sache, dass es genau an dem Tag schneite, als wir es gebrauchen konnten, das grenzte an ein Wunder; die Riesenschneeballschlacht am selben Tag mit der ganzen Crew, bei der ich für jeden das Ziel darstellte; um 6 Uhr morgens vom Catering-Bus wegzugehen und dabei zusehen zu müssen, wie der Wind und der Regen dein Frühstück in die Dunkelheit wehen; zuzusehen wie eine Kuh deine Haupdarstellerin tritt und diese daraufhin die Kuh zurücktritt.
Wir habt ihr eigentlich die Sequenz mit der Gülle realisiert? In was habt ihr die Darsteller rein geworfen? Das war bei der Kälte mit Sicherheit keine angenehme Sache, oder?
Du hast ja gar keine Vorstellungen davon! Wir nutzten dafür Torf und Wasser. Es musste eben etwas sein, das weder giftig noch teuer ist. Es hat einige Zeit gedauert, bis wir auf diese Lösung kamen.
Am Ende baust du ja ein Horrorfilm typisches Element ein und lässt den Zuschauer in eine finstere Zukunft blicken. Wenn dir jemand ein Angebot für eine Fortsetzung macht, würdest du dann "Isolation 2" drehen oder hälst du nichts von Sequels?
Tatsächlich setzt eine Idee für ein Sequel gerade Staub auf meinem Mac an. Ich habe es "Desolation" (!) genannt. Allerdings blieb das Telefon in Bezug auf Sequels recht ruhig. Und ich erwarte auch keine Anrufe dazu.
Wo wir gerade bei Fortsetzungen sind. Wie findest du den ganzen Remakewahn, der zu Zeit durch die Filmlandschaft geistert? Der größte Teil der neuen Kinofilme sind entweder Sequels oder Remakes. Denkst du, dass Hollywood jetzt endgültig die Ideen ausgegangen sind, sie aber Angst haben unabhängige Filmemacher mit innovativen Ideen eine Chance zu geben?
Wenn jemand plant, ein Remake von Interner Link"Isolation" zu inszenieren, so fände ich das großartig. Das Geld könnte ich nämlich gut gebrauchen. Ruft mich an. Bitte, ruft jetzt an!

Allgemein ist das ein Zeichen der Unternehmenskultur. Jeder hat viel zuviel Angst, um auch nur irgendein Risiko einzugehen. Es ist eben einfacher, denselben alten Trash wieder und wieder zu verfilmen. Wenn ich mitbekomme, dass Filme wie Interner Link"Children Of Men" oder Interner LinkPan's Labyrinth" gedreht werden, dann gibt mir das ein Glücksgefühl, denn das bedeutet, dass jemand noch bereit ist, Risiken einzugehen.

Isolation (Szenenfoto 3)  Isolation (Szenenfoto 4)
Was sind dein Vorbilder und deine Lieblingsfilme?
Uhhh, zuviele, um sie hier alle aufzuzählen. Ich mag Regisseure, die ihre eigenen Welten erschaffen. Du weißt schon, diese Fetten mit Bart: Kubrik, Coppola, Leone, Jackson, del Toro.

Kürzlich sind auch ein paar haarlose Dünne hinzugekommen, wie z.B. der vorhin angesprochene Alfonso Curzon, Park Chan Wok und Shane Meadows.
Kommen wir noch einmal zu Interner Link"Isolation". Hier nimmst du dich ja einem sehr ernsthaftes Thema an und vermischst es mit Horrorelementen. Was denkst du persönlich über die Themen Genforschung und das Klonen von Lebewesen?
Ich bin kein Wissenschaftler, aber grundsätzlich glaube ich, dass sämtliche Forschungen im Auftrag von Firmen Gefahren bergen, aufgrund des Drucks, Profite erwirtschaften zu müssen, um den Anteilseignern Dividenden ausschütten zu können. Das heißt, Risiken werden eingegangen, Tierleben auf industrieller Ebene verschwendet, und keiner ist da, um ein moralisches Urteil über das Für und Wider zu fällen. Und der Glaube, dass Wissenschaftler keine moralischen Urteile fällen ist absoluter Blödsinn.
Wir sind jetzt auch schon am Ende angekommen. Kannst du uns vielleicht schon erraten, was das Publikum als nächstes von dir erwarten darf? Ein weiteren Horrorfilm oder wirst du das Genre wechseln?
Ich schreibe ganz laaaaangsaaaam an zwei Sachen. Eines davon wird eine Art Horrorfilm. Das andere nicht. Das wird aber noch 'ne Weile dauern.

Billy O'Brien während eines Interviews  Billy O'Brien während eines Interviews
Möchtest du unseren Lesern noch irgendetwas mit auf den Weg geben?
Hmmm, ein frohes neues Jahr. Möge 2007 ein verdammt guter Jahrgang für uns alle werden.
Vielen Dank für das Interview!
Vielen Dank für euer Interesse.
Interview wurde geführt von Daniel Pereé
Übersetzung von Ivo Scheloske





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