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George Eastman - Ein Interview mit einem Giganten
Was lange währt wird endlich gut! Nach unzähligen Stunden und hochhaushohen Telefonrechnungen gelang es unserem wertgeschätzten "Udopophagus", Udo Schubert, an die e-Mail-Adresse von Luigi Montefiori alias George Eastman zu kommen und ihn über Umwege für ein karriereumspannendes Interview aus seiner römischen Reserve zu locken. Denn wie man weiß, scheut der eigenwillige, aber sympathische Hüne die Publicity, sieht er sich doch selbst nicht als "Star", auch wenn er das für eingefleischte Freunde italienischer Filmkost sein dürfte.
Das war vor einiger Zeit (Ende 2003) und mangels fähiger Übersetzer lag das (in Italienisch geführte) Interview auf Eis. Es ist ohnehin erstaunlich, dass man so schlecht an Leute gerät, die der italienischen Sprache mächtig sind. Nun, aber auch diese Hürde wurde übersprungen, als Anfang dieses Jahres die Mühlen wieder zu mahlen begannen. Nach Monaten der Verzögerungen liegt das endgültige Ergebnis nun vor und es freut mich - natürlich auch im Namen aller Redaktionskollegen und fleißigen Mithelfern - das Interview präsentieren zu können. Das Interview liegt außerdem im italienischen Original vor, damit unsere südländischen Nachbarn auch was davon haben. Aber nun genug der vielen Worte und viel Vergnügen mit dem nun folgenden Interview!

Erzählen Sie uns doch bitte, wie Sie ins Filmgeschäft gekommen sind und ob dies schon immer ein Traum von Ihnen war.
Ich bin von Genua nach Rom gezogen, um zu malen. Ich war 23 Jahre alt und bis dahin habe ich mich hauptsächlich mit Malerei beschäftigt. Ich war der erste Maler der eigene Bilder auf Piozza Navona ausstellte. Zum Abendessen ging ich in ein kleines Restaurant, das hauptsächlich Künstler aufsuchten: Maler, Schauspieler, Regisseure, Tänzer usw. Als ich mit ihnen am Tisch saß und ihnen zuhörte, wenn sie über das Kino sprachen, fing ich an, mich dafür zu begeistern. Ich bewarb mich dann bei der Centro Sperimentale di Cinematografia als Schauspieler, machte meine Abschlußprüfung nach fast zwei Jahren. Von diesem Moment an begann meine Karriere.

George Eastman beim Interview
Sagen Sie uns doch bitte, durch was Sie zu dem doch recht ungewöhnlichen Western Interner Link"Keoma" inspiriert wurden.
Ich suchte eine Idee für einen originellen Charakter, eine Märchenfigur, und da erinnerte ich mich an eine Comicfigur aus dem Comic, den ich als Kind gelesen hatte und mich begeisterte. Er hieß "Husar des Todes". Er war ein Soldat, der einen direkten Pakt mit dem Tod geschlossen hatte.
Franco Nero in 'Keoma'. George Eastman schrieb das Drehbuch.
Warum wurde der ursprünglich vorgesehene Anfang von Interner Link"Keoma" nicht verwendet? Ich fand die Idee ziemlich faszinierend.
Im Originaldrehbuch wurde die kurz vor der Entbindung stehende Mutter Keomas von einem Verbrecher ermordet. Dieser wird sofort festgebunden und auf ein Pferd gesetzt mit einem Seil um den Hals, damit man ihn erhängen kann. Der Mann, der gerade dabei war ihn zu erhängen, sah, daß sich der geschwollene Bauch der toten Frau bewegte. Da er vermutete, daß das Kind noch lebte, zog er, ohne zu zögern, das Messer und schnitt den Bauch der Frau auf. Er zog den kleinen Keoma aus dem Bauch seiner Mutter heraus. Durch dessen ersten, verzweifelten Schrei erschrak das Pferd, auf dem der Verbrecher saß. Es flüchtete und der Verbrecher wurde erhängt. Warum diese Szene rausgeschnitten wurde, bleibt mir rätselhaft. Vielleicht weil sonst das Drehbuch zu lang geworden wäre.
Standen die Hardcore-Szenen zu "Il Porno Shop Della Settima Strada" schon in Ihrem Drehbuch oder wurden sie nachträglich gedreht und eingefügt? Ich frage dies, weil die Sexszenen meiner Ansicht nach nicht wie (normale) Inserts wirken, aber irgendwie trotzdem deplaziert wirken.
Mit Sicherheit wurde entschieden, sie im Nachhinein hinzuzufügen. Das ist D'Amatos Vorgehensweise gewesen. Er hat öfters ohne Wissen der Schauspieler eine Hardcore-Version aus den Filmen gemacht. Auch mich hat er manchmal ausgetrickst.
Kommen wir zu einem Film, über den Sie bestimmt andauernd etwas drüber gefragt werden: Interner Link"Antropophagus". Ich finde, daß die Figur und die Geschichte des Nikos Karamanlis leicht tragisch ist. Gerade das Thema Kindesmord durch die Eltern kommt ja in der Weltliteratur immer wieder vor (z.B. Lessings "Emilia Galotti"), wird aber in Interner Link"Antropophagus" - wenngleich auch bloß angeschnitten - besonders tragisch geschildert. Was waren Ihre Einflüsse beim Schreiben von Interner Link"Antropophagus"?
Italienisches Original-Kinoplakat von 'Antropophagus'
Mich hat der Graf Ugolino aus Dantes "Göttlicher Komödie" inspiriert, der, obwohl er seine Kinder liebte, sie schließlich aufaß, nachdem sie gemeinsam in Gefahr gerieten. Dante schrieb: "più che l'onor poté il digiuno" ("Hunger war stärker als Würde", Anm. d. Übersetzerin) und so wurde er wahnsinnig.
Wie kam die Idee für Interner Link"Antropophagus" zustande, wann trat D'Amato deswegen an Sie heran und wie war die Atmosphäre am Set?
Der Film, den mir D'Amato vorschlug, war vollkommen anders. Als er ihn mir vorschlug, lehnte ich direkt ab. Dann dachte ich darüber noch einmal nach und willigte ein, unter der Bedingung, daß er mir erlaubte, ihn zu überarbeiten. Er zögerte und daraufhin schlug ich vor, ihn ohne Bezahlung zu überarbeiten, woraufhin er einwilligte.
Haben Sie eigentlich damals schon gewußt, daß Ihre Schauspielkollegin in Interner Link"Antropophagus", Tisa Farrow, die Schwester der damals ja schon berühmten Mia Farrow und die Schwägerin von Frank Sinatra ist?
Ja, wir wußten es. Tisa war zu dieser Zeit in den Bruder D'Amatos verliebt, Nando Massaccesi, ein Beleuchtungstechniker. Sie hatte ihn in den USA während der Aufnahme eines anderen Filmes kennen gelernt und seinetwegen kam sie nach Italien, um diesen Film zu drehen.
Haben Sie ihre berühmte Schwester mal kennen gelernt?
Nein, leider hatte ich noch nie das Vergnügen.
Interner Link"Antropophagus" war ja in Italien ein ziemlicher Reinfall. Ist es Ihnen eigentlich bewußt, zu was für einem Kultfilm er inzwischen avanciert ist?
Das habe ich gehört. Vielleicht ist das der Grund, warum mir die deutsche Produktionsfirma Grünberg Film GmbH vorgeschlagen hat, einen neuen Horrorfilm zu machen. Sie wußten, daß ich wieder schauspielte. Hast Du es ihnen vielleicht gesagt?
Wissen Sie, daß Interner Link"Antropophagus" in Deutschland verboten ist? Finden Sie das okay? Ich frage deshalb, weil ich mal gelesen habe, daß Sie nicht so viel von diesem Streifen und seinen brutalen Szenen halten, und es sowieso äußerst merkwürdig finden, daß es Leute gibt, die auf so etwas stehen.
Ich glaube, daß die Zensur gerechtfertigt ist. Die jungen Leute werden geschützt und nicht nur vor einigen Horrorfilmen.
George Eastman mit Laura Gemser in 'In der Gewalt der Zombies'
In Deutschland wurde die Embryoszene stark kritisiert. Wie sah es in Italien aus und was denken Sie über diese Szene?
Im Kinosaal, in dem ich den Film angeschaut habe, standen manche Menschen bei dieser Szene auf und gingen voller Entsetzen hinaus. Ich denke, daß sie gute Gründe dafür hatten.
Verzeihen Sie die Frage, aber wie kommt man auf eine Idee zu einem wirklich unglaublichen Film wie Interner Link"Porno Holocaust"?
Ich schwöre, daß ich mich nicht mehr an die Handlung dieses Films erinnere. Tut mir leid!
Haben Sie eigentlich anfangs bedenken gehabt in Hardcore-Filmen aufzutreten? Hat Sie Joe D'Amato überreden müssen oder hat es Ihnen nichts ausgemacht?
Ich habe noch nie Hardcore-Filme gemacht. Ich schrieb erotische Geschichten und es machte mir Spaß sie manchmal umzusetzen, doch ich bin immer innerhalb gewisser Grenzen geblieben. D'Amato dagegen fügte heimlich einige Teile des Films hinzu, die er mit den Pornodarstellern gedreht hatte.
Was können Sie uns über Gabriele Tinti erzählen, mit dem Sie ja auch in mehreren Filmen gespielt haben?
Gabriele war eine sehr sympathische Person, einfach, gütig und witzig. Es war angenehm in seiner Nähe zu sein.
Waren Sie mit der Umsetzung Ihres Skriptes zu Interner Link"Deliria" des damaligen Regie-Debütanten Michele Soavi zufrieden?
Ziemlich. Das einzige was mich störte, ist die Wahl der Hauptdarstellerin. Sie war schrecklich, doch sie war seine Freundin, also mußte ich es ihm schließlich verzeihen.
Was war Federico Fellini für ein Mensch? Wie war das Arbeiten mit ihm am Set von "Satyricon"?
Fellini ist eine träge, scheinheilige, überaus sanfte und realitätsfremde Person. Er hatte eine schrille, piepsige Stimme, die den frechen Kobold und Träumer verriet, der tief in seinem sperrigen und massiven Körper schlummerte. Wenn er dich anschaut, merkst du, daß er nicht dich, sondern eine unbekannte, geheime Vorstellung von dir anschaut, die sich in einer phantastischen Welt befindet, in der sein Verstand umherschwirrt. Er war ein neugieriges Kind, das nie aufhörte sich zu wundern und andere ins Erstaunen zu bringen. Ich arbeitete nur fünf Tage lang mit ihm und es waren überaus außergewöhnliche fünf Tage.
Sie spielten auch in dem Bud Spencer & Terence Hill-Film Interner Link"La Collina Degli Stivali" mit. Hatten Sie gemeinsame Szenen (ich konnte den Film bisher leider nicht sichten)? Wie war die Arbeit mit den beiden?
Es war schön, trotz einiger Auseinandersetzungen und Meinungsverschiedenheiten mit dem Regisseur Colizzi. Er ist ein überheblicher, eingebildeter Schwachkopf. Doch ich habe mich nie mit ihnen angefreundet. Beide waren eher distanziert, wenig offenherzig. Doch sie waren sehr angenehme Arbeitskollegen, gut vorbereitet und seriös.
In "Call Of The Wild" waren Sie mit drei absoluten Filmgrößen in einem Film: Charlton Heston, Raimund Harmsdorf und Maria Rohm. Können Sie was über sie erzählen? Gibt es irgendwelche interessanten Anekdoten von den Dreharbeiten?
Es war sehr aufregend mit Heston zu arbeiten, seit Interner Link"The Ten Commandments" ("Die zehn Gebote") war er mein Lieblingsschauspieler. Wir haben lange geplaudert, in den Pausen uns gegenseitig porträtiert. Er malt sehr gut und es ist sein Hobby, Schauspieler und Techniker während des Szenenwechsels auf dem Set zu malen. Er war sehr offiziell, doch überaus zuvorkommend, hilfsbereit, völlig ohne Arroganz und Hochmut. Er gab mir einige Ratschläge, unter anderem auch, nach Amerika zu ziehen, wo ich aufgrund meines Aussehens seiner Meinung nach sicherlich hervorragende Arbeitschancen hätte. Ich habe leider nicht auf ihn gehört.
Originalplakat von 'Scalawag'
In Kirk Douglas' "Scalawag" machte ja auch der damals noch unbekannte Danny De Vito mit. Sind Sie ihm damals begegnet bei den Dreharbeiten? Hatte er damals schon Anlagen zum Komiker?
"Scalawag" war ein schwieriger Film, nicht zuletzt weil ich der einzige Schauspieler war, der sich gegen Forderungen von Douglas gewährt hat. Er war am Set wie ein Diktator. Ich konnte seine Arroganz nicht ausstehen und eines Tages habe ich ihn zum Teufel gewünscht und bin vom Set weggegangen (wofür ich später einen viel zu hohen Preis bezahlt habe). Mit anderen amerikanischen Schauspielern habe ich mich ebenfalls nicht wirklich angefreundet, außer mit Danny. Er und seine Frau waren großartig, wir schlossen gleich Freundschaft und gingen jeden Abend zusammen zum Abendessen aus. Da er überzeugter Vegetarier ist, war er immer entsetzt darüber, daß ich mir blutige Steaks bestellt hatte. Zusammen waren wir eine ungewöhnliche Erscheinung, ich groß, er so klein (und seine Frau war noch kleiner). Er ist ein lebhafter Mann, humorvoll und weise. Er war der einzige, der mir gesagt hat, daß es nicht gut war mit Douglas zu streiten, auch wenn ich im Recht war. Danny verstand sich dagegen mit jedem gut und ging mit jedem gut um. Ein kleiner großer Mann.
Was für Erinnerungen haben Sie an den - meiner Meinung nach wunderbaren - Film "Emanuelle E Françoise Le Sorelline"?
Es scheint mir übertrieben, ihn als großartig zu bezeichnen. Ich hatte es getan, weil man mich dafür gut bezahlte und weil alles in einer 200 Meter von meinem Haus entfernten Villa stattfand. Auch hier habe ich das Drehbuch unentgeldlich überarbeitet.
Sie spielen ja in "Emanuelle - Perché Violenza Alledonne?" einen der "Jesus"-Figur nicht unähnlichen Charakter (vor allem optisch). Haben Sie wegen dieser Rolle damals Ärger mit gläubigen Leuten bekommen?
Das keineswegs. Ich habe den Film nie gesehen und ich weiß, daß auch da einige Pornoszenen waren, die mir egal waren. Leider dachte ich damals, daß manche Filme schnell vom Markt verschwinden würden. Ich habe leider nicht mit dem enormen Boom der Videokassette gerechnet.
Warum wurde eigentlich Interner Link"Le Notti Erotiche Dei Morti Viventi" über 15 Jahre lang nie in der Hardcore-Version veröffentlicht? Waren die Schauspieler dagegen oder gab es andere Gründe?
Ich glaube einer der Schauspieler [damit ist wohl Mark Shanon gemeint, Anm. d. Red.] war sogar bereit Porno zu drehen. Ich erinnere mich nicht an seinen Namen. Ich kann mir sonst keinen Grund nennen, warum ich nicht einen dieser Filme gesehen habe. Ich habe sie nur gemacht, weil sie auf Santo Domingo stattfanden. Und ich liebte die Karibik.
Interner Link"Rosso Sangue" fällt gegenüber Interner Link"Antropophagus" im Hinblick auf die Suspense schon enorm ab und setzt eher auf Gore & Guts (und das in arg simpler Form). Wurde mit diesem Film versucht, sich an die damalige erfolgreiche US-Slasher-Welle anzuhängen?
Die Absicht dahinter war, Geschichten zu verfilmen, die man sich finanziell leisten konnte und die D'Amatos Können entsprachen. Es war nicht möglich mehr zu machen.
Wie denken Sie rückblickend über den Film?
Es war ein banaler Film, der, wie Du schon treffend sagtest, es nicht schaffte sich an die erfolgreichen amerikanischen Modelle anzuhängen.
Das erste Mal taucht Ihr Pseudonym ja im Film "Il Cobra" (mit Dana Andrews und Anita Ekberg) auf. Haben Sie es sich selber ausgedacht oder hatte Ihnen das jemand verpaßt? Und warum eigentlich? Es handelt sich doch eh um eine italienische Produktion mit vielen italienischen Schauspielern.
Serena Canevari, die Skriptüberwacherin, hat den Namen ausgesucht. Damals wurden die Filme als amerikanische Filme ausgegeben, deshalb sollten alle ein Pseudonym haben. Dem Publikum gefiel es so.
Was denken Sie über Interner Link"Cani Arrabbiati" von Mario Bava. Können Sie etwas zur scheinbar turbulenten Produktionsgeschichte und zu Mario Bava erzählen?
Interner Link"Cani Arrabbiati" mußte unter sehr schwierigen finanziellen Umständen gedreht werden, weil der Produzent eine umstrittene Person war, ein gewisser Loyola, ein ehemaliger Waffenhändler, der viel Geld verlor in einem abgedrehten kostspieligem Film, der floppte. Er hat Interner Link"Cani Arrabbiati" gedreht, um damit etwas Geld zu verdienen, doch während der Dreharbeiten hatte er sogar Schwierigkeiten, Geld für die Auszahlung der Schauspieler und Arbeiter zusammenzukratzen. Bava dagegen ist ein echter Gentleman und Profi. Es tut mir Leid, daß ich ihn erst am Ende seiner Karriere kennen lernte. Es gefiel mir mit ihm zu arbeiten.
Ist die Kälte, die dieser Film ausstrahlt und die Distanz, die der Zuschauer beim Sehen des Films verspürt, bereits bei den Dreharbeiten vom Regisseur den Darstellern gegenüber thematisiert worden? Wenn ja, auf welche Weise?
Aus finanziellen Gründen wurden die Dreharbeiten wiederholt unterbrochen. Schließlich schafften sie es unter großen Anstrengungen, den Film doch noch zu Ende zu drehen, was doppelt so lange dauerte als geplant. Auf dem Set war sehr viel Nervosität und Unzufriedenheit. Oft kamen Leute zum Set, doch bevor man anfing zu drehen, wartete man erst auf den Produzenten, der die Schauspieler im Voraus bezahlte, da keiner seinen Versprechungen Glauben schenkte. Offensichtlich hat die Qualität des Films darunter gelitten und für den armen Bava war es eine Tortur. Schade, denn die Idee an sich war gut.
Joe D'Amato fragte Sie ja, ob Sie für "Anno 2020 - I Gladiatori Del Futuro" die Regie-Assistenz machen würden. Aber Sie hatten damals abgelehnt und wollten bei dem Film alleine Regie führen (Ihr Regie-Assistent wurde ja dann der junge Michele Soavi). Wieso?
Tatsächlich war es anders. D'Amato rief mich an einem Freitag an, weil er ein großes Problem hatte. Er hatte gerade vor, einen Film zu inszenieren und wartete auf den Drehbeginn. Die Filmgesellschaft gab aber keine Zusage, da sie bemerkten, daß das Drehbuch zu kurz gewesen war und sie niemals einen Spielfilm von 1,5 Stunden daraus hätten machen können (mindestens 40 Minuten hätten gefehlt). Die Verträge der Schauspieler waren bereits unterschrieben worden, alles war bereit für die Aufnahmen, die für den nächsten Montag vorgesehen waren, also in nur drei Tagen. Da das Drehbuch offensichtlich überarbeitet werden mußte, Joe D'Amatofragte er mich, ob ich es tun würde und sein Assistent während der Dreharbeiten sein wolle, um bei möglichen Schwierigkeiten eingreifen zu können.
Das Problem war nicht unwesentlich, weil die Kulisse bereits fertig und das Set schon bestimmt war, daher war es nicht mehr möglich meine Szenen hinzuzufügen, sondern nur die bestehenden auszuweiten und zu versuchen, ihnen Rhythmus und Spannung zu geben. Das hätte ich nur machen können, wenn ich innerhalb der Szenen arbeiten und improvisieren könnte. So eine Arbeit hätte ich nicht als Assistent machen können, sondern nur, wenn ich die ganze Verantwortung für die Regie übernehme und die Freiheit habe mir während der Dreharbeiten Dinge nach meinem Gewissen auszudenken und hinzuzufügen. Daher sagte ich ihm, daß ich die Regie führen werde oder er soll selber zusehen, wie er mit dem Problem fertig wird. Er stimmte sofort zu, als ich ihm sagte, daß ich Regie führe für die Bezahlung eines Assistenten. Wenn es um Geldfragen ging, war D'Amato sehr empfindlich.
Als Beweis dafür, daß ich Recht hatte mit meiner Vermutung, hatten wir gleich am ersten Tag der Dreharbeiten eine Diskussion. D'Amato fragte ständig, wann ich die Kamera in einer bestimmten Art und Weise einsetzte, wozu ich ausgerechnet dieses Objektiv benutzte, warum die Schauspieler manchmal Blödsinn redeten usw. Ich bin wütend geworden und sagte ihm, daß er mich für die Regie bezahlt und nicht, um ihm beizubringen wie man Regie führt. Falls er kein Vertrauen hätte, könne er selbst weitermachen. Er ist beleidigt vom Set gegangen und ist erst nach zwei Wochen zurückgekehrt. Ich bin zwei Tage vorher als geplant fertig geworden und er hatte genügend Geld verdient um zufrieden sein zu können.
Hat D'Amato bei seinen Filmen improvisiert oder hielt er sich an sein Skript? Wie präzise waren seine Anweisungen für die Darsteller?
Joe folgte dem Drehbuch genau solange er es verstand. Das was er nicht verstanden hatte, kürzte er (und ich muß zugeben, daß dies sehr oft geschah). Er war kein besonders toller Regisseur und den Schauspielern sagte er nichts, da er nicht wußte, was er sagen soll. Er war dafür hervorragender Kameramann und er kannte sich mit der Kamera sehr gut aus, doch von der Schauspielkunst verstand er nicht viel. Seinen Erfolg hat er nicht seiner Fähigkeit als Regisseur zu verdanken sondern der Tatsache, daß er sympathisch und zuversichtlich ist, was oft andere inspirierte. Man war unfähig ihm etwas abzuschlagen und seine Filme waren eine echte "Erholung". Die Atmosphäre war immer heiter und man hatte viel Spaß. Er hatte viel Humor und bediente sich oft gutmütiger Ironie und brachte dich somit dazu, jegliches Opfer zu bringen. Er ist eine Persönlichkeit, die, wenn sie sich getraut hätte an der Qualität zu arbeiten, es zu einem großen Produzenten gebracht hätte. Er konnte jeden überzeugen. Leider war ihm das Geld so wichtig, daß er viele Aufgaben selbst übernahm wie z.B. Produzent, Regisseur, Kameramann; und das alles nur um Geld sparen zu können. Das war sein Hindernis. Ich habe es ihm schon oft gesagt, doch er wollte nicht auf mich hören. Schade!
Sie haben in "Regalo Di Natale" unter dem italienischen Ausnahmeregisseur Pupi Avati gespielt. Was können Sie uns über ihn erzählen?
Pupi ist mein Lieblingsregisseur und er ist vor allem ein echter Regisseur der "Schauspieler". Er setzt nicht nur auf Film und Kameraeinstellung, sondern vor allem auf die Schauspieler, auf ihren Geist. Er beobachtet ihr Inneres, um sie herauszulocken. Seine Charaktere haben immer große menschliche Stärke. Noch vor "Regalo Di Natale" ("Weihnachtsgeschenk", Anm. d. Übersetzerin) arbeitete ich vor einigen Jahren mit ihm in einem grotesken und unterhaltsamen Film. Der Film heißt "Bordella" und war ausgesprochen kostspielig mit einer internationalen Besetzung, den die Zensur sofort blockierte. Alle Darsteller mußten sich vor Gericht verantworten und wurden verurteilt in der ersten Instanz, aber zum Glück wurden sie in der Berufung freigesprochen. Es war ein Film, in dem man sich Amerika unter Hitler und Kissinger vorstellte (man nutzte einige Filmausschnitte aus den Archivaufnahmen mit zwei Männern, denen man absurde und lustige Dialoge in den Mund legte) und Europa mit einer Bordellkette eroberte, wo sich Männer für Frauen prostituierten. Die Eroberung war sehr erfolgreich und die vier prostituierten Männer wurden mit einer Ehrenmedaille von Nixon geehrt. Der Film hat es leider nie in die Kinos geschafft. Mann kann ihn nur seit ein paar Jahren auf Video sehen. Vor kurzem haben wir die Fortsetzung von "Regalo Di Natale" gedreht, die im nächsten Winter herauskommen wird.
Danach kam ja der eher schlechte "The Barbarians" von Ruggero Deodato. Verlief die Zusammenarbeit problemlos? Deodato gilt ja als nicht ganz einfach.
Nein, Ruggero ist gar nicht einfach, doch mir gegenüber war er immer korrekt. Auf dem Set schrie er zu viel herum, auch wenn es keinen Grund gibt. Als Regisseur ist er jedoch nicht schlecht. Als Mensch sind ihm andere eher gleichgültig und er hat nicht viel zu sagen.
Haben Sie eigentlich Vorbilder was Ihre Arbeiten als Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor betrifft?
Im Allgemeinen eher nicht. Beim ersten Film, den ich geschrieben habe, wurde ich von den Gangster-Geschichten von Arthur Penn inspiriert, dann aber, je nachdem für was für eine Art Film ich schreiben mußte, schaute ich mir manchmal ähnliche Filme an und suchte dann nach Ideen und Inspirationen. Als Regisseur hatte ich nicht genug Zeit gehabt, um einen eigenen Stil zu entwickeln. Ich war nur bei zwei Filmen Regisseur und wurde von D'Amato produziert. Es gab nicht genug Gelegenheiten, um einen Stil zu entwickeln. Als Schauspieler folgte ich stets meinem Instinkt.
Was machen Sie eigentlich lieber? Schauspielern, Regie führen oder schreiben?
Mir gefällt das Kino in allen seinen Facetten. Heute wäre ich gerne Produzent. Ich habe viel Erfahrung gesammelt und wüßte, was und wie ich es tun würde. Leider ist die Situation für das Kino in Italien überaus schlecht.
Ihre Fans würden Sie ja gerne wieder in einer größeren Rolle auf der Leinwand sehen. Wird es die Möglichkeit geben, Sie wieder vor der Kamera zu sehen oder haben Sie sich gänzlich aus dem Schausteller-Metier zurückgezogen?
Wer weiß?!
Wie sehen Sie Ihre Karriere im Rückblick? Gibt es Dinge, die Sie heute tunlichst vermeiden würden oder denken Sie, daß Sie Ihre Karriere an einem bestimmten Punkt gerne anders gestaltet hätten?
Der ewige Galgenvolgel George Eastman in 'Zwei Himmelhunde im Wilden Westen'
Ja, da gibt es einiges, das ich nicht mehr machen würde. Wenn ich jetzt noch einmal anfangen würde, würde ich mehr darauf achten, wie ich mein verdientes Geld ausgebe, so daß ich nicht mehr gezwungen wäre irgendwelche minderwertigen Filme zu schreiben, nur weil ich kein Geld mehr habe.
Welche Ziele verfolgen Sie zurzeit? Gibt es unrealisierte Projekte oder Wünsche, die Sie gerne verwirklichen würden?
Es gibt einige nicht realisierte Projekte und diese werden angesichts des Geschmacks des Publikums auch weiterhin unrealisiert bleiben. Das sind Geschichten, die mir gefallen und vielleicht auch vielen anderen, aber sie gefallen mit Sicherheit nicht den Produzenten - für die sind sie zu riskant.
Mit welchen Werken dürfen wir in Zukunft von Ihnen rechnen?
Ich fürchte, nichts woran man sich erinnern wird. Heutzutage schreibe ich Geschichten fürs Fernsehen für wenig Geld, da ich eine wunderschöne Familie zu ernähren habe. Ich bin jedoch nicht entmutigt. Eigentlich hatte ich viel Spaß, denn ich habe stets das gemacht und gesagt, was ich sagen wollte. Ich habe den König wie einen Penner behandelt und Bettler wie Könige, wenn sie es verdient hatten.
Vielen Dank für das Interview und viel Glück weiterhin!
Ich danke Euch!
Interviewfragen: Udo Schubert & Daniel Pereé Übersetzung ins Italienische: Daniel Ortolan Übersetzung aus dem Italienischen ins Deutsche: Svetlana Filips & Marina Rico Einleitung und Überarbeitung des Interviews: Björn Thiele



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