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Exitus Interruptus - Im Gespräch mit Andreas Bethmann
Das letzte von uns mit Andreas Bethmann geführte Interview ist nun rund 6 Jahre her und fand zur Premiere seines Films Interner Link"Dämonenbrut" statt. Rechtzeitig zum Start seines ersten Psycho-Horrors nahm sich Andreas Zeit mit uns über "Exitus Interruptus" zu sprechen. Erfahrt also alles über seinen aktuellen Film, der so ganz anders geworden ist, sowie seine weiteren Pläne für die Zukunft, in diesem exklusiven Interview.

Hallo Andreas, kommen wir gleich zu Deinem neuen Film "Exitus Interruptus", der diesen Monat völlig unerwartet erscheint. Was hat es mit dem Projekt auf sich?
Die Grundidee zu diesem Film hatte ich bereits Februar 2005, nachdem ich den letzten Dreh zu Interner Link"Knastjulen II - Zur Sau gemacht" hatte. Ich wollte die Thematik meiner beiden sehr erfolgreichen Vegetarierinnen-Vorgänger für einen dritten Teil fortführen, aber statt wie zuvor nicht nur einen banal gestrickten Psychoporno produzieren, sondern etwas Aufwändigeres, was mehr in Richtung Horrorporno geht. Das ganze Projekt war zunächst für Sommer 2005 geplant. Unter anderem sollte Thomas Kercmar die männliche Hauptrolle bekommen, sowie Marianna aus dem damaligen Interner Link"Rossa Venezia".
Renee Pornero aus den beiden ersten Teilen war zu der Zeit nicht für Teil 3 eingeplant. Aber es kam alles anders, ganz anders sozusagen. Während das Projekt also in meinem Geiste schlummerte und eine Phantasie die nächste jagte, kam doch alles anders. Die Schnitt- und Synchronarbeiten zu Interner Link"Knastjulen II" zogen sich tatsächlich bis Oktober 2005 hin, so dass an die geistige und körperliche Vollendung von "Vegetarierinnen 3" in keiner Weise zu denken war. Als dann sämtliche marktstrategische und produktionstechnische Arbeiten zu den Interner Link"Knastjulen II" beendet waren und der Film in der ersten Dezemberwoche 2005 erschien, fiel ich erst mal in ein kreatives und psychisches Loch, genau wie es mir am 27. November 2003 nach der Premierenfeier von Interner Link"Rossa Venezia" passierte. Das Eis wurde jedoch am 15. Dezember 2005 gebrochen, denn dort hatte ich eine schicksalhafte Deutsches Teaser-PlakatBegegnung mit ... einem Haus! Ganz recht! Alte Häuser können wie Frauen sein. Entweder sie lassen einen kalt oder man fühlt sich spontan angezogen und möchte nur noch rein. Sagen sie nicht lieber Leser, ich weiß, der Bethmann hat mal wieder eine himmelschreiende Weisheit losgelassen. (lacht)

Wie dem auch sei, ich traf mich an dem Tag mit meinem Freund Jorge und wir führen zu dem Haus. Anschließend erzählte ich ihm, dass dieses Haus meine Psyche verändert haben muss und ich um jeden Preis ein Projekt angehen werde, welches in jeder Hinsicht bahnbrechend in meinem Schaffen werden sollte. Meine grauen Zellen arbeiteten wie verrückt und in der Woche zwischen Weihnachten und Sylvester 2005 konkretisierte sich alles bis ins letzte Detail. Ich setzte mich an den PC, 5 Tage am Stück, und schrieb hintereinander durch das Drehbuch. Ich ließ es auf mich wirken und war eigentlich das erste mal fast zufrieden, was ich sonst noch nie mit einem meiner schriftlichen Ergüsse war. Trotzdem fehlte noch ein kleiner Kick, was mich veranlasste die Person der toten Mutter in den Plot zu packen. Jetzt war die Sache rund für mich. Dazu muss ich sagen, dass ich zu der Zeit gerade eine Veränderung durchmachte und beim Schreiben des Drehbuches eigentlich im Hinterkopf hatte, auf eine gewisse Art und Weise mich selbst zu verkörpern.
Um es auf den Punkt zu bringen: Der Film war eine Art Selbsttherapie, die meinen Kopf mal so richtig reinigen sollte. Ich wollte die Sau raus lassen und mal selbst etwas vor der Kamera verkörpern, was zum Teil ich selbst bin. Welche Teile das sind, binde ich hier natürlich keinem auf die Nase. Jedenfalls hatte ich, nachdem ich die Schauspieler zusammen hatte, meine Aufgabe das alte Haus komplett für den Film herzurichten. Als ich nach 2 Wochen soweit war, etwa 1 Woche vor Drehstart, hielt ich mich mehrere Tage alleine in dem Haus auf und übte etwas, meine Verkörperung des Bösen selbst zu studieren, inszenieren und konkretisieren. Ich versetze mich in einen Geisteszustand, nein mehr noch, ich kroch in einen bestimmten Teil meiner Psyche und tat seltsame Sache: ich spielte mit Kinderpuppen, trank mit meiner toten Mutter Kaffee, bastelte Puppenmobiles mit Stacheldraht, vollzog mit ihnen sexuelle Handlungen in Verbindung mit kleinen Verstümmelungen und hörte dazu Musik auf einem alten Grammophon, welches ich selbst für den Film gekauft hatte. Hast Du schon mal auf solch einem Teil durch einen riesigen Trichter Songs wie "Heut spielt wieder die Kapelle" gehört und dabei einer Babypuppe die Augen ausgestochen? Ich versichere, es war ein Erlebnis, bei dem man wirklich testen kann, wie stark die eigene Psyche ist. Ich könnte hier noch eine Menge Sachen dazu loslassen, aber das würde zu weit gehen.

Regisseur und Kameramann Bethmann auf einem (stillen) Arbeitsörtchen Darstellerin Renee Pornero
Das klingt sehr danach, als ob "Exitus Interruptus" nicht mit Deinen anderen Werken zu vergleichen wäre. Was ist anders?
Nun, erstmal ist es mein erster Psycho-Thriller, mal ganz banal gesagt, der aber dennoch an vielen Stellen meine Handschrift trägt. Völlig anders sind aber folgende Punkte: Zunächst einmal habe ich das erste mal in meinem Leben einen Film in einem Stück produziert, d.h. wir haben Tag für Tag mit allen Darstellerinnen in dem Haus nicht nur gedreht, sondern auch gelebt. Morgens habe ich alle geweckt, es wurde Szene für Szene strickt nach Drehbuch heruntergearbeitet, abends wurde zusammen gegessen und dann wieder ins Bett gegangen. Drehstart war der 18. Februar, letzter Drehtag der 25. März. Nach dieser Zeit war ich körperlich echt durch. Da ich vor dem Film sowieso schon 11 Kilo abgenommen hatte, war diese Zeit auch nicht grade fleischbindend. Anders war auch, dass ich das erste Mal bei einem Film die perfekte Ausrüstung hatte. Durch Kamerastahlschienen, Kamerawagen, Nachtbeleuchtung, Kamerakran etc. hatte ich die Möglichkeit, Kamerafahrten als Stilmittel einzusetzen. Es war einfach nur geil und der Film wäre sonst nicht das geworden, was er ist. Alleine schon die Gruselsequenz war früher bei mir nicht umsetzbar gewesen. Es war für mich bahnbrechend und ich werde wieder so arbeiten. Ein dritter entscheidender Unterschied war sicher auch die Tatsache, dass nicht wie sonst von mir irgendwelche mittelprächtigen Kulissen gebaut wurden, sondern ich richtig auf mehreren hundert Quadratmetern arbeiten könnte, denn das Haus war keine Kulisse, den alten Kasten gab es wirklich, es stand leer und ich konnte unbezwungen ohne Einschränkungen den Film drehen.
Wie kommt es, dass dieser Film plötzlich kommt, ohne dass auch nur annähernd vorher etwas bekannt wurde?
Diesmal war alles anders. Und für mich zählte nur der Film. Ich war in diesem Haus und hatte weder Bock noch Zeit, mich durch Pressearbeit beeinflussen oder stören zu lassen. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Die Überraschung, was für ein Film da überhaupt entstanden ist, sollte durch die Tatsache, dass ein fertiger Filme ohne Ankündigung plötzlich vom Himmel fällt, unterstützt werden. Diesmal sollte es nicht so wie in den letzten 10 Jahren laufen. Dies ist übrigens, am Rande erwähnt, mein 13. richtiger und fertig gestellter Film.
Woher stammt die Inspiration zur ungewöhnlichen Namensgebung?
Filmtitel sind mir sehr wichtig. Die Namensgebungen einiger Kollegen von mir sind gelinde gesagt langweilig, klischeehaft, englisch oder nichts sagend. Bei diesem Film habe ich nicht lange überlegt. Die Thematik, dass der Tod unterbrochen wird, in dem jemand psychisch die Toten lebendig macht, müsste sich auf gekonnte Art und Weise im Titel widerspiegeln. Die Worte Exitus für Tod und Interruptus, als eine Unterbrechung, waren für mich die ultimative Namensgebung.

Der Regie- und Kameraassistent achtet auf die Continiuty Kameraassistenz Renee Pornero am Kran
Neben der Tatsache, dass du selbst die Hauptrolle spielst, sind die beiden anderen Hauptdarstellerinnen Renee Pornero und Anja Gebel ja eine Überraschung. Kannst Du was dazu sagen?
Ja, klar. Da dieser Film etwas sehr Persönliches war, wollte ich auch nur mit Frauen arbeiten, die ich gut kannte, einschätzen konnte und obendrein perfekt in die Rolle passten. Dazu kam, dass ich mit den beiden Mädchen immerhin sehr, sagen wir mal, psychopathische Dinge tue, da muss schon die Chemie stimmen, damit alles so rüberkommt, wie es jetzt letztendlich der Fall geworden ist. Renee Pornero sagte sofort zu, hatte ich doch seit ihrer Anfangszeit eigentlich einen guten Draht zu ihr gehabt, und sie war nach Sichtung des Drehbuches sehr angetan. Insgeheim glaube ich, dass sie sich tief im Inneren freute, in ihrem ersten richtigen Film zeigen konnte, was wirklich in ihr steckt, und gleichzeitig den Film als Vorzeigeobjekt in petto hatte. Die Wirtschaftlichkeit der hohen Gage sicher auch. Und keine Frage, sie hat gezeigt was sie kann. Sie ist eine brillante Schauspielerin während der Dreharbeiten geworden und hat tolle Leistungen erbracht. Dazu kam noch, dass sie stark belastbar war, viele gute Ideen hatte und eine außerordentlich gute Auffassungsgabe besitzt. Außerdem schien der Inhalt ihr zuzusagen. Während des Drehs hat sie mir auch geholfen, wenn ich dadurch, dass ich alles selber machte, mal überlastet war. Das geschah in Form von Kamerahilfen bis hin zum Vorlesen einzelner Drehbuchpassagen, wenn ich mal gerade den Faden am Suchen war. Regie, Kamera, Licht und Hauptdarsteller gleichzeitig sind eigentlich eine Nummer zuviel, sollte man meinen. Aber es war eine unvergessliche Erfahrung.
Ja, und Anja Gebel war echt eine Reunion. Ich hatte sie rund 6 Jahre nicht gesehen, im Kopf noch die Interner Link"Dämonenbrut"-Zeit vom Sommer 1999. Anja und ich waren sehr auf einer Welle, in mehrerlei Hinsicht, wie sich so herausstellte und auch ergab, und das spiegelt sich ebenfalls qualitativ im Film wieder. Anja Gebel hat ihre Sache ebenfalls hervorragend gemacht und hat schon jetzt Interesse an Interner Link"Exitus II" geäußert. Ich finde es nur schade, dass sie sich in den vergangnen Jahren für soviel hergegeben hat, was ihr weder Geld brachte, noch sie weiter brachte. Das hat sich jetzt geändert.
Da hast Du recht, aber wie fandest Du denn ihren kurzen Auftritt in Interner Link"Tears of Kali"? Für mich hat sich hier sehr stark heraus kristallisiert, dass deutlich mehr in ihr steckt ...
Ja, das stimmt. Den Kali habe ich aber nicht gesehen, daher kann ich nichts dazu sagen. Aber ich bin sicher, sie hat alles gegeben.

Andreas Bethmann und Anja Gebel während einer Close-Up-Aufnahme Neue Stilmittel durch neues Equipment
Damit unsere Leser nicht noch länger zappeln: Kannst Du uns nicht schon einmal etwas über den Inhalt verraten?
Ja, aber nicht viel, sonst würde dem Zuschauer was genommen werden. Also, Monique und Manuela sind die besten Freundinnen. Während Monique eher das lebenslustige, freche Girl ist, leidet Monique unter Depressionen, die daraus resultieren, dass sie vor 5 Jahren einem Verbrechen zum Opfer fiel. Jedenfalls beginnt das Grauen für die beiden Mädchen, nachdem Manuela bei einem Psychiater eine Therapie begonnen hat. Zur gleichen Zeit nämlich beginnen junge Frauen zu verschwinden. Der vermeintliche Täter scheint sich die jungen Mädchen bevorzugt aus Diskotheken zu "organisieren". Während dieser Zeit entdecken Manuela und Frühes Konzept des Teaser-PostersMonique durch Zufall ein altes Haus, welches mitten im Wald einen bedrohlichen und gruseligen Eindruck macht. Als Manuela plötzlich verschwindet, spitzt sich die ganze Situation zu. Mehr kann ich nicht verraten, da sonst der Film, der ohne Zweifel auch sehr stark von seiner Handlung lebt, dem Zuschauer zu wenig Überraschungen bieten würde. "Exitus Interruptus" ist an sich eine Mischung aus Interner Link"Texas Chainsaw Massacre", Interner Link"Psycho" und Interner Link"Ich spuck auf dein Grab", nur irgendwie moderner und auf eine sehr raffinierte Art und Weise miteinander verstrickt. Die stetige Steigerung des Gezeigten, der Handlungsbogen und die Vorgehensweise der Inszenierung steigern den Film zum letzten Drittel in einen absoluten Psychoterror. Die Opfer des Killers bangen tagelang um ihr Leben und werden einer Schikane nach der anderen ausgesetzt. Besonders das zwischenmenschliche Spiel der beiden Frauen, die auf tragische Art und Weise den Horror gemeinsam miteinander durchleben, ist sehr intensiv und voller menschlicher Gefühlsabgründe geprägt, spielt der Killer doch ganz gezielt mit deren Ängsten, Sehnsüchten, Hoffnungen und seelischen Begebenheiten, die diese beiden Frauen nun mal prägen. Doch er geht noch weiter. In einer dem Interner Link"Saw"-Prinzip sehr ähnlichen Methode müssen die Frauen innerhalb von 60 Sekunden um ihr Leben bangen und müssen in dieser kurzen Zeitspanne eine recht zweifelhafte und psychisch perverse Aufgabe meistern. Eine der Aufgaben, die ohne Zweifel etwas besonderes ist, habe ich kurz vor Schluss aber dennoch aus dem Directors Cut entfernt, da es den Film zu lang machte. In der ursprünglichen Exportfassung ist sie noch drin gewesen. Jedenfalls hat es mir große Freude bereitet, einen Film zu machen, der statt mit körperlicher Gewalt eher durch psychische Gewalt lebt. Gewalt, die sich in den Gefühlen von Menschen niederschlägt und mit ihnen spielt, sie martert und zum Wahnsinn bringt, oder auch zu Höchstleistungen. Es ist nämlich auch faszinierend, wozu Menschen in Todesangst oder auch in Extremsituationen fähig sind. Dieser Film zeigt es.
Da ich mich seit einer Ewigkeit auch hobbymäßig mit Psyche, Charakteren, Astrologie, Verhalten und neuerdings mit Schicksalsberechnung massiv befasse, bot dieser Film mir obendrein eine schöne Angriffsfläche dieser Thematik. Das spiegelt sich natürlich in den Dialogen wieder: "Sie sind krank!" - "Krank? Nicht dass ich wüsste! Ist man krank wenn man sich gesund fühlt? Aber du scheinst krank zu sein. Du schwitzt sehr stark?". Was soll das Opfer so einer Weisheit noch entgegen bringen? Oder "Na Manuela? Ich dachte schon du wachst gar nicht mehr auf ... ich werde schon ganz ungeduldig ... obwohl ich sagen muss, dass ich dir doch gerne im Schlaf zusehe ... es ist interessant was für Muskeln da so bei dir zucken...besonders in dieser Position in der du dich gerade befindest...wenn dem ich auch nicht alle Muskeln genau sehen kann...aber ich kann dir versprechen...auch die werden noch zucken". Weiteres Beispiel: "Die wahre Erkenntnis über die Qualität einer Frau kommt meist zu spät. Es ist nie zu spät sich um zu entscheiden. Schau her ... ich kann dir versichern, sie ist schon warm und feucht ... ein bisschen enger könnte sie sein, aber ich denke mal, das sind die üblichen Abnutzungserscheinungen bei euch Frauen ... oder wie ist das bei dir Manuela? Deine Freundin Monique gefällt mir ... sie ist irgendwie auch was ganz besonderes ... wie sie dort sitzt, den Schoß geöffnet, in Erwartungshaltung. Ach, deine Nippel stehen steil ... ich hab gehört, das gehört sich nicht (...) Geduld ist wahrlich nicht die Tugend der Frauen ... gedulde dich ein wenig, dann passiert dir auch nichts!". So, mehr werde ich jetzt nicht preisgeben!
Ich finde den Vergleich mit den Horrorklassikern recht passend. Auf dem Cover der DVD wird dieser Vergleich ja ebenfalls zu finden sein. Fans und vor allem Kritiker reagieren auf Derartiges ja immer recht unterschiedlich. Hast du nicht Angst, den Kritikern damit zu viel Angriffsfläche zu bieten?
Nee, das ist mir egal. Ich hatte nur Angst, dass mir der Film nach Fertigstellung nicht gefallen würde, oder dass er vielleicht das erste mal nicht laufen würde, oder das mir das Geld ausgeht, oder dass ich den Dreh nicht durchhalte, oder sonstiges, aber nicht Kritikergeschrei. Wahre Kritik erhoffe ich mir von meinen wahren Kritikern, die ich kenne und schätze. Unqualifiziertes Geschrei von Neidern, die das unter einem Deckmantel der Kritik tun, schätze ich mittlerweile als kostenlose Antiwerbung. Danke nochmal dafür.

Manuela in Gefangenschaft Schöne Augen!
Erzähl uns doch bitte ein wenig über die Nachbearbeitung.
Ich habe drei Monate lang Tag und Nacht im Studio gesessen. Die erste Fassung des Filmes lief 121 Minuten und war am 9. Juni 2006 komplett fertig geschnitten, vertont und synchronisiert. Da dies mein erster Film sein sollte, der nicht einfach nur plakatives Aneinanderreihen von Sex und Gewalt sein sollte, sondern von der Spannung, Inszenierung, den Ideen und vor allem, ja ganz recht, vom Dialog leben sollte, war hier besonderes Feingefühl in der Nachbearbeitung angesagt. Ich kürzte den Film anschließend noch mal um 12 Szenen, so dass er 115 Minuten lief. Diese Fassung bezeichnete ich schlicht und einfach mal als Exportversion. Als ich dann 2 Wochen Abstand zu dem Film hatte, schaute ich ihn mir zusammen mit meiner Freundin Katrin an, die von dem Projekt sehr angetan war und dabei stellte sich heraus, dass die Version nicht das Optimale war, was ich in dem Moment gern gesehen hätte. Also setzte ich mich noch mal ran, kürzte herunter, baute um und fügte sogar Unveröffentlichtes ein, wie zum Beispiel die Szene, in welcher Manuela Puppe Lisa aus Rache schlägt. Das Ganze war dann sehr überzeugend für mich und ging rund 94 Minuten. Eine gute Zeit für den Film, dachte ich, nie langweilig und in sich schlüssig. Die Zitterpartie ging für mich dann los, als der Film am 13. Juli 2006 zur FSK ging. Es würde heftig diskutiert und nur mit Hilfe meines Anwaltes entschied sich die FSK, den Film überhaupt für Erwachsene freizugeben. Meine Meinung zu dem Thema, einem Film nicht für Erwachsene freizugeben, tue ich lieber jetzt nicht kund. Klar denkende Menschen können sich denken, wie ich als Künstler, Rebell und stark freiheitsliebender Mensch darüber zu urteilen vermag. Jedenfalls kam der Film, also der 94minütige Directors Cut, wie ich diese Version jetzt nenne, mit "Keine Jugendfreigabe" durch. Das war klasse, die himmelschreiende Wucherrechnung der FSK weniger. Was sich allerdings absolut unprofessionell liest, ist das Protokoll vom Jugendentscheid der FSK. Ich habe es mal ein paar fundierten Leuten gegeben, die auch in Positionen sind, die mit Psychologie und Jugend beruflich zu tun haben, und die hatten ein herzliches Lachen drauf, gefolgt von einem Kopfschütteln.

Hier mal ein Auszug der FSK-Beurteilung Prüf-Nr.106842/DVD: (...) Der als Horrorfilm beginnende Film wird in seinem Verlauf zu einer Mischung aus Halloweenkulisse und sexualisierter Gewaltdarstellung. Die Handlung dient mit Mühe als Rahmen aneinander gereihten Traumsequenzen sadistischer Folterungen durch einen perversen Psychiater. Dessen Gefährlichkeit wird dadurch illustriert, dass er mindestens zwei andere jüngere Frauen bestialisch mit einem grossen Messer tötet. Seine krankhafte Psyche wird schon über die aus in Stacheldraht eingewickelten Puppen bestehende Dekoration des Hauses deutlich. Die sadistische Haltung äußert sich aber vor allem durch die hinhaltende und sich langsam steigende sexuelle Gewalt gegen Manuela. Der Film ist mit allen genretypischen Attributen überreich ausgestattet. Blitz und Donner gehören zu allen nächtlichen Schreckensszenen, Nebel wabert und die Mumie gibt fiese Anweisungen. Kürbisfratzen, Runenringe und Babygewimmer machen die Mischung komplett. Der FSK-Arbeitsausschuss schloss eine Freigabe für die Altersgruppe ab 16 Jahren einstimmig aus, weil die Verknüpfung von Gewalt und sexuellen Phantasien selbstzweckhaft im Mittelpunkt des Filmes steht und die gezeigte seelische Qual der Manuela für Jugendliche irritierende und desorientierende Wirkung haben kann. Intensiv diskutiert wurde anschließend darüber, ob eine Kennzeichnung "Keine Jugendfreigabe" oder keine Kennzeichnung angemessen ist. Für das Verweigern einer Kennzeichnung sprach die Rahmenhandlung, die lang anhaltende Herabwürdigung und Qual der gefangen gehaltenen Frau in den Mittelpunkt rücken lässt. Die Verbindung von sexuellen Phantasien des Psychiaters mit seiner herabwürdigenden Grausamkeit wurde von einer Minderheit des Arbeitsausschusses als einfache Jugendgefährdung eingeschätzt. Die Mehrheit des Ausschusses kam nach Würdigung aller Argumente zum Schluss, dass die überaus schlichte Machart eine Jugendgefährdung auslösen können. Ergebnis: Keine Jugendfreigabe nach §14JSchG".

Frau Pornero in einer Drehpause Man beachte den dritten Darsteller (verstorben) im Hintergrund
Es erscheinen diesen Monat 2 Editionen von "Exitus Interruptus". Warum?
Anders als in der Vergangenheit wollte ich den Leuten die Chance geben, ob sie für weniger Geld einfach nur den Film auf DVD kaufen wollen, oder ob sie als Sammler und Fan lieber zu einem höheren Preis eine 3 DVD-Edition haben wollen, auf der dementsprechend exklusives Bonusmaterial zu finden ist. Über Wochen hinweg wurde einfach beim Drehen mitgefilmt und ich gewähre viele private Einsichten in meine Arbeit und die der Frauen am Set.
Gut, wechseln wir nun das Thema. Ende letzten Jahres und auch dieses Jahr kamen deine beiden letzten Filme Interner Link"Notgeile Knastjulen zur Unzucht erzogen" und Interner Link"Knastjulen II - Zur Sau gemacht". Berichte doch bitte etwas über diese beiden Projekte
Ich hatte in meiner bisherigen Laufbahn ja noch nie einen richtigen reinrassigen Hardcore-Spielfilm gedreht. Entweder waren in einigen Filmen HC-Elemente mit drin, wie zum Beispiel bei Interner Link"Rossa Venezia", Interner Link"Angel of Death" oder Interner Link"Vegetarierinnen Part 2", oder es waren seichtere Filme. Ich bin persönlicher Fan richtiger HC-Spielfilme aus den 70er Jahren und sammele die Dinger en masse privat. Ende 2004 kam mir die Lust, auch mal mit viel Aufwand und kleiner Geschichte richtig die Sau raus zu lassen, praktisch das ganze Konzert zum Blasen kriegen. Frühjahr 2005 allerdings stellte sich heraus, dass es wohl 2 Teile werden würden, die einzeln wenig Sinn machen würden. Also wartete ich mit der Veröffentlichung von Teil 1 und brachte schließlich beide Ende 2005 zusammen auf den Markt. Persönlich finde ich es schade, dass seit eigentlich einem Jahrzehnt fast keine richtigen Pornospielfilme mehr gedreht werden. Dem jetzigen Flachwichser scheinen digitale Clipcastings auszureichen, um abzurotzen, bevor es schlecht wird. Traurig, traurig!

Ordnung muss sein! Der Regisseur beim Staubsaugen. Regisseur in Arbeitskluft - als Darsteller
Was hälst du den vom neuen Trend aus den USA, in dem die Amis richtig Kohle in ihre Produktionen reinstecken und dann solche Filme wie "Pirates", Interner Link"Camp Cuddly Pines Powertool Massacre" oder Interner Link"Curse Eternal" herauskommen? Ich persönlich mag die Filme ja, wenn die da nicht immer Kondome benutzen würden. Das geht ja mal gar nicht ...
Diese Filme finde ich alle unter meinem Geschmack. Ich mag kein aalglattes Gelecke, da hilft auch keine Kohle. Damit beschäftige ich mich schon gar nicht mehr.
Jetzt kommt die Frage, die dich bestimmt seit 3 Jahren nervt: Was ist denn nun mit Interner Link"Angel of Death 2 - The Prison Island Massacre"? Der Trailer hat mich damals umgehauen. Ich will ihn endlich sehen!
Ja, ja, ich weiß. Ok, Fakt ist, der Film ist jetzt abgedreht. Tatsache ist, dass ich mich mit dem Projekt zugegeben etwas übernommen habe, fast eine Nummer zu groß für mich, die mich finanziell und körperlich massiv beutelte. Wer den Trailer kennt, kann das vielleicht nachvollziehen. Aber keine Angst, der Schnitt ist momentan zur Hälfte fertig und sobald diesen Monat der Exitus-Rummel vorüber ist, mache ich weiter, damit er spätestens in einem haben Jahr endlich draußen ist. Ich hoffe nur nicht, dass er sich erneut verschiebt, weil ich, wie ich insgeheim schon plane, den Interner Link"Exitus II - House Of Pain" anfange. Es wird sich zeigen.

Studiodreh mit Wind- und Nebelmaschine Dreh der Barszene am Originalschauplatz
Du willst "Exitus Interruptus" fortsetzen?
Ja, würde ich gerne. Meinen persönlichen Lieblingsfilm würde ich gerne als Teil 2 sehen, vor allem weil die Geschichte viele Möglichkeiten dafür bietet. 3 völlig unterschiedliche Plotmuster haben sich in meinem Kopf schon herauskristallisiert, eine der Ideen festigt sich gerade.
So, jetzt wollen wir es wissen. Warum ist letzten Monat Interner Link"Vegetarierinnen zur Fleischeslust gezwungen Part 1" nach sage und schreibe 6 Jahren in Österreich erstmalig erschienen, während man Interner Link"Part 2" doch schon seit 4 Jahren bekommt?
Nun, der Interner LinkPart 1 war in meinen Augen zur damaligen Zeit nicht gut genug, er lief auch nur eine knappe Stunde. Teil 2 hingegen fand ich immer schon pfiffig. Irgendwann habe ich das Teil vergessen. Irgendwann im Frühjahr bekam ich mehrere Telefonanrufe und alle fragten "Hey, haste gerade Fernsehen gesehen? Bei Viva sind die Ärzte und einer von Ihnen hat gesagt, dass Interner Link"Vegetarierinnen zur Fleischeslust gezwungen" sein Lieblingstitel wäre." Ja, ich fand es lustig, kramte den Film raus und stellte fest, dass ich noch unendlich viel Schnittmaterial hatte. Außerdem hatte ich nun bessere Studiomöglichkeiten als vor 6 Jahren. Ich setzte mich dran, baute ihn komplett um, erweiterte ihn, bis ich ihn geil genug fand und nannte das Ganze dann "Extended Fuck". Tja, mehr und nicht weniger!
(Lacht) Das war doch bestimmt Bela B., der sampelt auf seiner neuen CD ja auch eine Szene aus "Murder Set Pieces". Ein ganz schlimmer Finger!
Ja, Schütze-Männer sind alles coole Säue. Ich schätze ihn sehr und höre seine neue CD hoch und runter. Toll dass es noch Menschen wie Bela gibt.

Aufwärmung während der Drehpause Das Frauengefängnis auf dem Dachboden
Nun sei ehrlich: Was war im Nachhinein Dein bestverkauftester Film?
Weltweit? Ganz klar Interner Link"Rossa Venezia", gefolgt von Interner Link"Vegetarierinnen Part 2" und Interner Link"Dämonenbrut".
Was mich in diesem Zusammenhang interessieren würde: Wie ist denn das allgemeine Feedback im Ausland? Hast Du schon einmal was von Fans aus den USA, Italien oder Frankreich gehört? Oder vielmehr: Wie gehen die Kritiker mit Deinen Filmen im Ausland um?
Gemischt. Am meisten fahren die Franzosen auf mich ab, dort laufen die besten Lizenzgeschäfte für mich. Dann kommen die Amis, die mittlerweile 25% meines weltweiten Umsatzes ausmachen.
Im Moment kommen ja alle Deine Filme auf DVD heraus. Was ist mit den älteren Werken? Wirst Du auch mal Deine Amateurfilme neu auflegen?
Also, es fehlt ja nur noch Interner Link"Angel of Death - Fuck or die!" aus dem Jahre 1998. Der kommt jetzt tatsächlich in naher Zukunft. Er befindet sich noch im Schnitt. Die alte VHS-Fassung aus den 90ern ist meines Erachtens ja kaum zu ertragen. Meine Amateurfilme, zeitlich war das ja 1988 bis 1995, kommen natürlich nicht. Mit dieser Kinderkacke würde ich mir meinen sauer erarbeiteten schlechten Ruf kaputt machen. Einzige Ausnahme ist vielleicht mein einziger Grenzfilm von 1996, den ich immer als meinen ersten Film in den Filmographien nenne, nämlich Interner Link"Tanz der Kürbisköpfe". Aber abgesehen davon, dass der Film nur auf Video gedreht ist und grausige Qualität hat, weiß ich einfach nicht so recht.
Also wenn Du mich fragst, ich würde es bedauern ihn nicht auf DVD veröffentlicht zu sehen. Der Film hat einen gewissen Charme und gehört einfach in eine Hartbox. Am besten mit deinen Erstlingswerken als Bonus ... oder Hidden Features.
Na, ich weiß nicht. Ich kann dir ja ne VHS-Kopie machen, dann muss ich ihn nicht veröffentlichen. (lacht)
Sieht es so aus, dass Du mit dem "Exitus Interruptus" deine Richtung geändert hast und Du wieder mehr in Richtung Horror gehen wirst? Einige Deiner Fans wollen das ja seit Jahren.
Also richtig ist schon, dass ich mit "Exitus Interruptus" ansatzweise zu meinen Wurzel wollte, die ich seit Ewigkeiten verlassen habe. Und tatsächlich soll Interner Link"Exitus II", wenn er denn kommen wird, noch mehr Horror werden. Aber ich werde ganz klar auch die andere Latte bedienen. Gerade diesen Monat fange ich einen kleinen HC-Film an zu produzieren, zu dem ich aber noch nicht viel sagen will und kann.

Das bluttriefende Finale ... und jetzt schrei!
Noch eine letzte Frage: "Exitus Interruptus" wurde ja bereits ins Ausland verkauft. Wie siehst Du nüchtern betrachtet Deine Chancen international im Independent-Bereich Fuß zu fassen. Sprich: Möchtest du weiterhin absolut unabhängig bleiben oder gibt es Bestrebungen, dich vielleicht auch mal in einer internationalen Produktion "nur" als Regisseur zu verwirklichen. Quasi unter den Fittichen einer ausländischen Produktionsfirma?
Nein, auf keinen Fall. Es hätte Null Vorteile für mich. Ich verdiene so mehr Geld und kann gleichzeitig so mehr unabhängig die künstlerische Sau walten lassen. Ich habe es zum Glück nicht nötig, irgendwo um Geld zu betteln, nur um mir danach die Zügel umzulegen. Ich will es mal so sagen, wie es Bart Simpson mal vortrefflich formuliert hat: "Ich mach wonach mir ist."
Andreas, vielen Dank für die ausführliche Beantwortung unserer Fragen!


Das Interview führte Daniel Pereé im August 2006.





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