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Interview mit Brian Yuzna


Das Interview führte Marcus Popescu im Frühjahr 2002 in Hamburg.
Wie kam es zur Verfilmung von Interner Link"Faust"? Wessen Idee war das?
Als ich in Barcelona die "Fantastic Factory" gründete, begann ich natürlich damit, geeignete Projekte zu suchen. Eines, das mir schließlich in die Hände fiel, war Interner Link"Faust". Ted Chalmers, ein eigentlich im Vertrieb tätiger Film- und Comicfan, war seinerzeit an Interner Link"Faust"s Schöpfer Tim Vigil und David Quinn herangetreten, und letzterer hatte ein Skript verfasst. Das Buch lag lange in meinem Büro in Los Angeles herum, weil Stuart Gordon bereits vor einigen Jahren mit der Idee spielte, den Stoff zu verfilmen.
Er hatte es mir damals gezeigt, und als ich jetzt wieder daran dachte, schien es mir das geeignete Debüt für eine Company wie "Fantastic Factory" zu sein, weil es Vergleichbares bis jetzt einfach noch nicht gab.
Interner Link"Faust" ist nach Interner Link"The Guyver" und Interner Link"Crying Freeman" bereits die dritte Comic-Verfilmung, an der Du beteiligt bist. Liest Du selbst Comics?
Ich bin ein Comicfan. Jetzt lese ich nicht mehr so viel, aber als Kind hatte ich Tonnen davon. Vor allem die alten Marvel-Hefte, "Spiderman", "The Fantastic Four" ... da hatte ich die ersten Jahrgänge komplett. Heute wären die ein Vermögen wert, aber ich hab sie leider irgendwann weggeworfen. Die Hefte von DC mochte ich auch, das MAD-Magazin hab ich gern gelesen ... und natürlich die ganzen Underground-Comics der 60er und 70er, die habe ich heute noch. Vor allem Kim Deutsch. Sein "Myles Mycroft, Psychic Detective" würde ich gern mal verfilmen, das spukt mir immer wieder im Kopf herum.
In den 90ern, wo Comics dann zu einem Riesenmarkt wurden, hatte ich zuviel mit der ganzen Filmerei zu tun und war kaum noch in der Lage, regelmäßig alle Veröffentlichungen zu lesen. Ich kenne sie natürlich dem Namen nach, aber wirklich interessant fand ich nur die alten Sachen.
Interner Link"The Guyver" und Interner Link"Crying Freeman" haben ihren Ursprung ja in den gleichnamigen japanischen Mangas. Kanntest Du die vorher auch?
Aber ja. In den letzten zehn Jahren habe ich eigentlich hauptsächlich Mangas gelesen, vor allem unter dem Gesichtspunkt einer möglichen Verfilmung. Ursprünglich hatte ich geplant, Interner Link"Devil Man" zu adaptieren, was sich als sehr schwierig erwies, und viele Ideen für diese Umsetzung sind dann in Interner Link"Faust" geflossen.
Ein anderes interessantes Projekt, das ich in Planung hatte, basierte auf dem Manga "Alien Seed", von dem ich denke, dass es einen großartigen Film abgeben würde, vor allem wenn "Screaming Mad" George sich um die FX kümmern würde. Und mit Christophe Gans habe ich einmal an einer Adaption für "Patlabor" gearbeitet ...
Wurde das Skript zu Interner Link"Faust" schon mit der jetzigen im Kopf geschrieben?
Nein, es war ja schon lange, bevor ich Interesse anmeldete, existent. Ich habe mit David Quinn an vielen verschiedenen Fassungen gearbeitet, ebenso mit dem Dialogautor Miguel Tejada Flores, dessen bekanntester Film wohl Interner Link"Fright Night 2" ist.
Wie kamen eher unbekannte Schauspieler wie Mark Frost oder Isabel Brook zu Interner Link"Faust"? Haben sie für die Rolle vorgesprochen?
Wir haben Castings in Barcelona, Madrid, London und Los Angeles veranstaltet - die beiden habe ich in London entdeckt. Isabel Brook hatte ich in einem Theaterstück gesehen, "Emma", das auf der Erzählung von Jane Austen basierte. Sie war großartig. Und Mark Frost ist ein verrückter Bursche. Er hat unter anderem in "Blue Juice" gespielt, aber Interner Link"Faust" war seine erste Hauptrolle ...
Das ist typisch für die Art von Filmen, die ich mache; die meisten namhaften Schauspieler haben eher Angst, mit so etwas in Verbindung gebracht zu werden. Es sind eben keine Sundance-Filme.
Meistens bekommt man halt nur Akteure, die nach dem großen Durchbruch suchen. Aber das ist völlig in Ordnung. Auch Jeffrey Combs hatte seine erste Hauptrolle als Herbert West in Interner Link"Re-Animator" - dieses Genre schafft sich seine eigenen Stars.
Apropos Jeffrey Combs: Er ist Stammgast in Deinen Filmen.
Ja, natürlich. Bei Interner Link"Faust" war das im Prinzip ähnlich. Ich rief Jeffrey an und sagte: "Hey, ich bin nach Barcelona gezogen und mache hier meinen nächsten Film - ich hätte Dich gern dabei. Ich schick' Dir das Skript, such Dir was aus." Jeff las das Buch und meinte, er hätte noch nie einen Detective gespielt, also sagte ich: "Okay, Du bist der Detective." So hat er die Rolle bekommen, er hat sie gewählt, nicht ich.
Andrew Divoff dagegen war meine erste Wahl für "M". Er wollte unbedingt den Faust spielen, aber ich habe ihn von Anfang an als "M" gesehen.
Die Make-Up-FX in Interner Link"Faust" sind oft sehr brutal, aber selten so explizit wie in Deinen früheren Filmen und nicht einmal annähernd so extrem wie in der Comic-Vorlage. Bist Du trotzdem zufrieden damit?
Man hätte es besser Brian Yuzna zeigt kurz, was ihm bei den Dreharbeiten zu 'The Dentist' passiert ist.machen können, aber das ist keine Kritik an Pali CanterD oder "Screaming Mad" George. Das Ganze war mehr eine Frage des Budgets und des Zeitplans. Schau Dir Interner Link"Sleepy Hollow" an, dort werden ungefähr zehn Köpfe abgehauen, und jeder davon sieht großartig aus. Ich habe schon Mühe mit einem, und da können die Effekte-Spezialisten gar nichts dafür - es ist einfach zu wenig Geld da und zu wenig Zeit.
Ja, ich denke, man hätte es besser machen können, aber im Hinblick auf unsere Beschränkungen bin ich trotzdem damit zufrieden. Manche FX, wie der Schmelzeffekt in der Szene mit Claire, sehen vielleicht etwas trashig aus, aber diese Sequenz war als Komödie gedacht! In solchen Fällen macht es gar nichts, wenn der Effekt billig aussieht, weil er gerade deswegen zur beabsichtigten Wirkung beiträgt.
Bei Gore ist es eigentlich dasselbe oftmals funktioniert so etwas, gerade WEIL es unrealistisch ist; das macht einfach mehr Spaß! Bei Interner Link"Sleepy Hollow" fliegen Köpfe schreiend auf die Kamera zu. Das ist natürlich ausgemachter Blödsinn, aber unterhaltsam. Realistische Effekte vergraulen das Publikum, und so hätte der Film auch nicht funktioniert. Es ist wie bei einer Achterbahnfahrt: Du findest sie toll, wenn Du in einem Freizeitpark drinsitzt, aber es wäre ein echtes Problem, wenn jemand dasselbe auf der Autobahn machen würde, während Du daneben sitzt.
Ich glaube, das Mainstream-Publikum begeht genau so einen Fehler, wenn es um Horrorfilme geht - sie denken an all das Blut, an Leichen und Morde, an die depressive Realität. Der Fan jedoch schaut zu und hat einen Höllenspaß ... es sind Effekte, sie sind blutig und komisch zugleich, weil sie so unecht sind. Und das ist das wahre Geheimnis guter Effekte. Das ist zumindest mein Standpunkt. Ich mag das phantastische Element; mich interessiert nicht die Realität, sondern die Art, wie sie ausgedrückt wird.
Brian YuznaLeute, die denken, dass Horrorfilme eine Freakshow sind, machen einen Fehler. Das Kino verdankt gerade dem phantastischen Genre seine Seele. Damals, Anfang des 20. Jahrhundert, hat George Méliès mit all diesen phantastischen Filmen angefangen, "Der Mann im Mond" und so weiter. Und wenn man heute nach dem klassischen Bild fragt, dass die Leute international bei dem Begriff "Kino" vor Augen haben, ist die häufigste Antwort: Boris Karloff als Frankenstein! Heute ist das ein Klassiker, aber für die damalige Zeit ein absoluter Schocker! Das zweithäufigste Bild ist vermutlich King Kong auf der Spitze des Empire State Buildings. Und die großen klassischen Regisseure wie Fritz Lang, das waren echte Genre-Regisseure, Horror, Science Fiction, was Du willst ...
Leider vergessen die Leute heutzutage so was sehr schnell.
Du hast in Interner Link"Faust" auch CGI-Effekte verwendet. Denkst Du, dass in naher Zukunft diese computergenerierten Tricks zunehmend die handgemachten FX in Deinen Filmen ersetzen werden?
Da sollte man vorsichtig sein. Um Computereffekte richtig einzusetzen, brauchst Du viel Zeit und Geld. Man kommt heutzutage nicht mehr drumherum, aber man muss es schon ordentlich machen. Und das wird sehr teuer. Ich bevorzuge digitale Effekte für die Bildbearbeitung, die Kombination von verschiedenen Images. Man hat das früher mit optischen Filtern gemacht, aber jetzt ist das so viel leichter!
Handgemachte Effekte wird es vermutlich trotzdem weiterhin geben, weil man mit dem Computer eben nicht alles machen kann. Arnold Vosloo in Interner Link"Die Mumie" zum Beispiel - es ist okay, aber ich denke, es sieht immer noch nicht gut genug aus. Auf der anderen Seite, die ersten Filme komplett aus dem Computer: Bei "Final Fantasy" ist man schon verdammt nah dran an der Wirklichkeit. Das wird sich noch weiterentwickeln. Aber hier hängt viel davon ab, wie gut derjenige ist, der die Effekte macht, daran entscheidet sich, ob es funktioniert.
Es ist nicht die Technologie, sondern der Künstler.
Im Soundtrack zu Interner Link"Faust" geben sich viele bekannte Alternativbands ein Stelldichein: Sepultura, Machine Head, Fear Factory und so weiter. Einige Kritiker behaupten, das wäre zuviel des Guten. Wie denkst Du darüber? Magst Du die Bands, und inwiefern glaubst Du, dass der Soundtrack die Darstellung von Gewalt im Film beeinflusst?
Als wir mit dem Rohschnitt begannen, suchten wir nach passender Musik, und einer der Schnittmeister unterlegte ein paar Szenen mit dieser Art von Heavy-Metal-Songs. Für mich war es wichtig, dass man das Ganze sehr laut spielen muss -viele Leute hören sich die Musik bei normaler Lautstärke an, und alles was Du hörst, ist heiseres Gebelle, ein einziger Geräuschebrei. Wenn man es dagegen wirklich laut spielt, verstehst Du alles; Du tauchst in die Musik ein und fängst an, sie zu schätzen. Ich mag die Musik, all die Energie und die ganzen Emotionen, wirklich fantastisch! Sie passt zum Comic, und für mich war es wichtig, genau diesem Comicbook-Feeling treu zu bleiben, so dass Tim Vigil und David Quinn sich Interner Link"Faust" anschauen konnten, ohne dass sie sich von der Umsetzung auf die Leinwand verraten fühlten.
Als ich den Comic las, hörte ich genau diese Musik. Was passt denn besser? Ich denke, es musste Fear Factory sein, es musste Coal Chamber sein, oder Junkie XL ... diese Musik passt zum Comic. Sie spiegelt genau das wieder, was Interner Link"Faust" ausdrücken will. Ich wollte den Film extrem machen. Manche Fans stören sich an der Musik, aber das ist nun mal die Essenz des Comics, und so sollte der Film sein. Ich hätte nie Tim Vigils extrem brutale und pornographische Bilder in dieser Form auf der Leinwand umsetzen können, aber die Musik ersetzt diese Images und reißt den Zuschauer statt dessen akustisch in die ganz eigene Hölle von Interner Link"Faust" mit.
Ich verstehe natürlich, wenn einige Fans das nicht mögen, und vielleicht verlieren wir dadurch Zuschauer. Aber der Soundtrack war mir wichtig.
Welchen Film würdest Du generell als Deinen Lieblingsfilm bezeichnen, und welchen von Deinen eigenen magst Du am meisten?
Wow, die Frage ist unmöglich zu beantworten. Ich liebe Filme, alle Arten von Filmen, und ich könnte Dir jetzt keinen nennen, den ich als meinen absoluten Favoriten bezeichnen würde. Ich mag die Filme von Fritz Lang und Hitchcock, auch Polanski, Peter Jackson natürlich ... wo soll ich da anfangen und womit aufhören? Es gibt einfach zu viele.
Von meinen eigenen Filmen mag ich immer den am meisten, der zuletzt kam. Das ist, als ob Dich jemand fragt: Welches Deiner Kinder bevorzugst Du? Es gibt keine definitive Antwort darauf, und es sind immer unterschiedliche Aspekte, die mich im einzelnen bei jedem meiner Filme faszinieren. Ich mag Interner Link"Re-Animator", weil er so ein Klassiker ist; ich mag Interner Link"Return Of The Living Dead III", weil er ein großartiger Zombie-Film ist -ich mag natürlich auch Interner Link"Society", weil ... ich meine, hey, dieser Film hat ein tolles Arschgesicht, und all das andere total durchgeknallte Zeugs. Aber momentan ist dann wohl Interner Link"Faust" mein Liebling.
Vielen Dank für das Interview, Brian!

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von X-Rated.
Yuzna gibt Regieanweisungen


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