Ich bin zwar nicht gänzlich jungfräulich in die Ehe gegangen, doch in manchen Dingen hat man bekanntlich einen recht starken Nachholbedarf. Filme wie z.B.
"Kommissar X - In den Klauen des goldenen Drachen",
"Die Irrfahrten des Herkules" oder aber
"Der Stein des Todes" waren mir zwar nicht fremd und den einen oder anderen habe ich mir als Kind des Öfteren im Fernsehen anschauen dürfen, aber es war nie so, dass ich mich mit einen der oben genannten Filme wirklich auseinander gesetzt hätte. Heute bereue ich das etwas, denn alle drei genannten Filme haben einen Darsteller gemeinsam: Sein Name ist
Brad Harris, besser bekannt als "der amerikanische Bayer".
Nun, eigentlich brauche ich mich nicht dafür zu schämen, denn als Kind vergötterte man zwar seine Helden, wie es z.B. Herkules einer war, aber man beschäftigte sich nicht mit der Person hinter den Muskeln und als ich dann auch immer weniger Interesse am Sandalen- und Monumentalgenre zeigte und später den deutschen Exploitationfilm und somit auch die
"Kommissar X"-Reihe aus den Augen verlor, sollte es kein Wunder sein, dass Jahre danach der Nachholbedarf einfach sehr groß wurde.
Zudem ist es auch nicht so, dass ich von heute auf morgen wieder auf den muskulösen Hüne aufmerksam wurde und somit auch wieder den Bezug zu italienischen Historienfilmen fand und auch die
"Kommissar X"-Serie wieder für mich entdeckte. Vielmehr war es einem Zufall bzw. dem Newsletter des
Geheimnisvollen Filmclubs BUIO OMEGA zu verdanken, der in mir das Interesse an
Brad Harris als Person und Schauspieler wieder weckte.
Als der "Geheimnisvolle Filmclub" den Besuch von
Brad Harris am 28.04.2006 in Gelsenkirchen ankündigte, war ich mit Sicherheit nicht der einzige, der etwas verdutzt dreinschaute und mit dem Namen nicht unbedingt viel anfangen konnte. 'Er hat bei
"Kommissar X" mitgemacht? Klar, den kenne ich noch, ebenso
"Herkules im Netz der Cleopatra". Wen hat er denn dort gespielt? Wie, die Hauptrolle?'
Da habe ich erst einmal bemerkt, wie lange das überhaupt schon wieder her ist und dass ich noch einmal komplett bei Null anfangen darf. Zwar kenne ich den Großteil seiner Filme noch, aber
Brad Harris den Schauspieler und
Brad Harris den Athlet habe ich als solches nie wirklich wahrgenommen.
Deshalb möchte ich, bevor ihr an dieser Stelle etwas über das wunderbare Event vom 28.04.2006 erfahrt, bei dem neben einer großen Trailershow, einem Kinofilm, sowie einer Autogrammstunde noch ein Interview mit dem Gaststar auf dem Plan stand, die Uhr einmal zurückdrehen und euch ein wenig mehr über den sympathischen Amerikaner erzählen, der in den frühen 60er und 70er Jahren sein Publikum begeisterte und bis heute unvergessen bleibt.
Der am 16.07.1933 im US-amerikanischen Bundesstaat Idaho geborene
Bradford Jan Harris wuchs in einfachen, aber wohlbehüteten Verhältnissen auf, wobei sich schon in frühen Jahren seine Vorliebe für Sport herauskristallisierte. In der Schule ein Musterschüler, war er auch ein äußerst begabter Sportler und Athlet und sollte Jahre später zu den Pionieren des amerikanischen Bodybuildings gehören, zudem selbst "Mister Universum"
Arnold Schwarzenegger (
"Terminator", 1984) aufsah, ebenso wie auch
Ralf Möller (
"Universal Soldier", 1989)
Brad Harris als eines seiner großen Vorbilder nennt. Dabei war Ruhm und Anerkennung nur zweitrangig in
Brads Leben, vor allem wenn es um Körper und Sport ging. Zwar wurde er immer wieder zu Turnieren und Veranstaltungen, bei dem der Körper im Mittelpunkt steht, eingeladen, aber er hatte nie an solch einer "Fleischbeschau" teilgenommen und sah sich dies meist nur aus großer Distanz und höchst amüsiert an.
Zum Film kam
Brad damals nur rein zufällig und verdiente sich wie viele seiner Kommilitonen während des Studiums als Statist in der beliebten Fernsehserie
"Navy Log" ein paar Dollar nebenbei.
"Navy Log" war eine der zu dieser Zeit sehr populären Militärserien, in der
Brad in verschiedenen Folgen als Statist oder für kleinere Stuntszenen eingesetzt wurde. Am Set machte er dann auch eine Bekanntschaft mit einem Agenten, der ihm immer mehr kleine Rollen in College- und Militärfilmen oder aber für TV-Serien besorgte, bei denen
Brad gutes Geld verdienen konnte.
Obwohl das ganze für
Brad zwar eine nette Sache war, die er hauptsächlich des Geldes wegen machte, beschloss er irgendwann Schauspielunterricht zu nehmen und machte Ende der 50er Jahre durch Stuntarbeiten in einigen
Elvis Presley-Filmen, sowie Western mit
Glenn Ford auf sich aufmerksam, bevor er nach seiner Militärzeit, welche er überwiegend in Deutschland absolvierte, die Stunts für einen der größten wegweisenden Historienfilme übernehmen durfte.
In
Stanley Kubricks Meisterwerk des Monumentalfilms
"Spartacus" (1960) riskierte
Brad mehr als einmal sein Leben und war auch in mehreren Statistenrollen zu sehen, wurde aber vom Spartacus-Darsteller
Kirk Douglas rauskomplimentiert, weil dieser befürchtete, dass ihm dieses charismatische Kraftpaket die Show stehlen könnte.
Aber auch ohne einen größeren Auftritt von
Harris wird
"Spartacus" ein Welterfolg und gilt auch heute noch als Meilenstein der Filmgeschichte. Währendessen
Kirk Douglas sich feiern ließ, hatte
Brad nur ein Ziel vor Augen: die Olympischen Sommerspiele in Rom (zumindest als Zuschauer), bei dem auch gleich italienische Produzenten auf den Muskelmann aus Kalifornien aufmerksam wurden und ihn vom Fleck weg engagierten. Der Rest ist eigentlich Geschichte, denn von nun an ging
Brads Karriere steil auf und er mauserte sich zum gefeierten Historien-Helden und überzeugte in Filmen wie
"Die Irrfahrten des Herkules" (1960),
"Herkules im Netz der Cleopatra" (1961),
"Goliath - Der Kampf der Makkabäer" (1961) oder aber in
"Samson - Der Befreier der Versklavten" (1961) durch seine Muskeln, sowie sein stets überzeugendes Spiel und den aufwendigen Stunts, bei denen er sich fast nie doubeln ließ.
Brad war in aller Munde und von daher dauerte es nicht lange, bis der gebürtige Rheinländer
Wolf C. Hartwig auf
Brad und seine Filme aufmerksam wurde. Als einer der erfolgreichsten Filmproduzenten Deutschlands dürften ihn die meisten durch seine Arbeit an Filmen wie
"Ein Toter hing im Netz" (1960),
"Die Nackte und der Satan" (1959),
"Die Säge des Todes" (1981) und natürlich den
"Schulmädchen-Report"-Filmen (1970-1980), sowie vielen anderen deutschen Sexklamotten kennen und lieben gelernt haben.
Wolfgang Hartwig castete
Brad Harris für den Abenteuer-Krimi
"Heißer Hafen Hongkong" (1962), bei dem er nicht nur als Darsteller vor der Kamera stand, sondern durch das Einbringen von eigenen Ideen und Vorschläge zum Actionchoreografen emporstieg. So übernahm er die Regie der 2nd Unit und arrangierte die Actionszenen selbst. Die erste Zusammenarbeit mit
Wolfgang Hartwig und dem Regisseur
Jürgen Roland trug also Früchte und es sollte nicht das letzte Mal gewesen sein, dass
Harris' Name in einer
Hartwig-Produktion aufzufinden war. Es folgten noch Filme wie
"Der Schwarze Panther von Ratana" (1963),
"Weiße Fracht für Hongkong" (1964) und
"Diamantenhölle am Mekong" (1964), in dem
Brad sowie vor als auch hinter der Kamera eine wichtige Rolle spielte.
Die Rolle, an die sich noch Jahrzehnte später die Mehrheit des Publikums erinnern sollte, ist aber die des Captain Rowland aus der erfolgreichen
"Kommissar X"-Reihe, die unter der Regie von
Gianfranco Parolini (auch als
Frank Kramer bekannt) ab 1965 in Serie ging. In nicht weniger als sieben abendfüllenden Spielfilmen schlägt sich
Brad Harris auf der Seite von
Tony Kandell durch eine Horde von Verbrechern, wobei kein Auge trocken bleibt und beide Darsteller nach Filmen wie
"Kommissar X - Jagd auf unbekannt" (1965),
"Kommissar X - In den Klauen des goldenen Drachen" (1966),
"Kommissar X - Drei goldene Schlangen" (1967) und
"Kommissar X jagt die roten Tiger" (1971) zu Kultfiguren einer ganzen Generation avancierten.
An der Seite von
Tony Kandell brillierte
Harris aber nicht nur in den
"Kommissar X"-Folgen, sondern gab sich auch in weiteren Zusammenarbeiten mit
Kandell wie z.B. in
"Drei Supermänner räumen auf" (1971) und
"Der Stein des Todes" (1981) sehr schlagfertig, bevor seine Filme Ende der 60er Jahre etwas skurriler wurden.
Trashgranaten wie
"Nackt unter Affen" (1968),
"Das Labor des Grauen" (1973),
"SS Hell Camp" (1977),
"Die sieben glorreichen Gladiatoren" (1983),
"Der Würger kommt auf leisen Socken" (1970) und den äußerst selten gewordenen
"Lady Dracula" (1978) von
Franz Josef Gottlieb, mit
Roberto Blanco,
Eddi Arent,
Herbert Fux,
Theo Lingen und
Marion Kracht, genießen nicht nur heute noch Kultstatus bei den Fans, sonder zählen ebenfalls zu den wichtigsten Filmen neben
Harris' Monumentalwerken und seiner
"Kommissar X"-Periode. Aber auch abseits der bereits genannten Filme überzeugte
Harris weiterhin in Filmen wie z.B.
"Django - unersättlich wie der Satan" (1969),
"Zwei Schlitzohren in der gelben Hölle" (1973), sowie
"Die Rückkehr der stärksten Gladiatoren der Welt" (1971) und bewies somit seine Vielschichtigkeit und das Talent, in jeder Filmrolle und in jedem Genre eine gute Performance abzuliefern.
In den 80er Jahren wurde es jedoch etwas ruhiger um
Brad Harris und neben ein paar kleineren Filmen sah man ihn überwiegend in Serien wie z.B.
"Dallas",
"Falcon Crest" oder
"Der unglaubliche Hulk". In den 90er Jahren bis heute hörte man dann kaum noch etwas vom "amerikanischen Bayer", der bis heute glücklich in Kalifornien lebt und regelmäßig bei seinem jährlichen Oktoberfest-Besuch in München beobachtet werden kann.
Ich hoffe diese kleine Abhandlung brachte euch den sympathischen Darsteller wieder etwas näher und solltet ihr mehr Informationen über das Leben von
Brad Harris suchen, sei euch das Buch
"Ein amerikanischer Bayer" (ISBN: 3-937800-55) von
Reiner Boller ans Herz gelegt, das im September letzten Jahren im Gryphon Verlag erschienen ist, in Zusammenarbeit mit
Brad Harris entstand und als ultimatives Nachschlagwerk gesehen werden kann.
Kommen wir nun zum eigentlichen Event, welches am 28. April im Schauburg Filmpalast zu Gelsenkirchen-Buer stattfand. Um 22:30 Uhr sollte die Zeremonie beginnen, aber bereits eine Stunde vorher fanden sich die ersten Gäste ein, die nicht nur aus fleißigen Clubmitgliedern bestanden, sondern auch als Fans des Muskelmannes zu erkennen waren, welche die kleine Stadt

Gelsenkirchen das erste Mal besuchten. Leider muss man sagen, dass dieses Event diesmal nicht so gut besucht wurde wie es seiner Zeit bei
Franco Nero und
Enzo G. Castellari der Fall gewesen war. Dies liegt aber weder an der Qualität des Clubs, noch an der Wahl des Stars, denn
Brad Harris ist nun einmal ein etwas anderes Kaliber als die beide oben genannten. So konnte man sich aber wenigstens noch im Kino bewegen, was damals nicht der Fall war, als ein wenig die familiäre Atmosphäre verloren ging.
So war es diesmal deutlich angenehmer und man hatte noch genügend Zeit und Platz sich mit Freunden und Bekannten zu unterhalten oder neue Kontakte zu knüpfen, um danach ein wenig über das Genre zu plaudern.
Fast pünktlich öffnete das Komitee seine Pforten zum Kino und der Zeitpunkt schien gekommen, an dem die Fans aller Altersklassen auf ihren Helden vergangener Tage treffen sollten. Trotz aller scherzhaften Gerüchte über das Fehlen von
Harris, mit denen uns
Ivo Scheloske von Anolis ärgern wollte, stand der agile Filmveteran nach einer kurzen Ansage vom Komitee-Mitglied Sailor Ripley auch schon auf der Bühne und begrüßte das Publikum. Doch bevor es richtig losgehen sollte, präsentierte man uns noch einige Trailer zum Werk des Stargasts, welche einen Sturm der Begeisterung bei den Zuschauern auslösten. Danach folgte ein etwas 30minütiges Interview, welches von unserem hochgeschätzten Filmgelehrten
Christian Kessler geführt wurde.
Brad Harris zeigte sich hier bereits als überaus witziger und vor allem sympathischer Kerl, der sein Gegenüber mit seiner etwas unkonventionellen Art aus dem Konzept zu bringen versuchte, bevor das Interview wieder in einer normalen Form weitergeführt werden konnte. Man sollte es nicht als Böswilligkeit von Seiten
Harris betrachten, wie einige der Gäste dies im Foyer unter das Volk bringen wollten, sondern es schien eher zu
Harris lockerer und ehrlicher Art zu passen. Zudem schien er das ganze Komitee hinters Licht geführt zu haben, da er wirklich sehr gut Deutsch konnte. So wurde das Gespräch zu Beginn auf Englisch geführt und selbst auf die Frage, ob er auch ein wenig Deutsch spricht, antwortete er mit "Nein".
Der Rest des Interviews, das sich als sehr informativ und interessant erwies, wurde auf Deutsch zu Ende geführt. Man hätte zwar gerne noch ein wenig mehr über ihn erfahren, aber selbst
Harris verwies im Interview immer wieder auf seine Biografie "Der amerikanische Bayer", da er sich an einige Sachen angeblich nicht mehr so gut erinnern konnte. In Angesicht des Alters mag dies vielleicht sogar stimmen, aber da an Harris ein Schelm verloren gegangen zu sein schien, war ich mir diesbezüglich gar nicht mehr so sicher.
Am Ende des Interviews überreichte
Christian Kessler seinem Gast in alter Clubtradition die Auszeichnung des "geheimnisvollen Filmclubs": den kleinen "Joe", welcher für außergewöhnliche Verdienste im Exploitation-Kino steht.
Nach dieser feierlichen Übergabe des begehrten Preise, sowie einer lebenslangen kostenlosen Mitgliedschaft im Club gab es eine mehrstündige Autogrammsession, bei der
Brad Harris sehr bereitwillig und ausdauernd Autogramme gab, obgleich die Schlange nie zu enden schien.
Nach mehreren Stunden des Autogrammschreibens und eifrigem Fotografieren führte man wieder in die heiligen Kinohallen und holte den Stargast noch einmal auf die Bühne, um ihn zu verabschieden. Mittlerweile schon 2 Uhr nachts, erbebte das Kino noch einmal durch den tosenden Applaus der Fans, welche
Brad Harris gebührend entließen. Doch damit war die Nacht noch lange nicht zu Ende, denn neben weiteren Trailern, bot man uns noch einige Zelluloid'tsche Schmankerl und servierte uns
"Kommissar X - In den Klauen des goldenen Drachen", der für viele Besucher nach dem Interview und den vielen Filmausschnitten die erste "richtige" Begegnung mit
Brad Harris' filmischen Werke darstellte und durchweg positiv aufgenommen wurde.
Als dann auch diese neunzig Minuten ein Ende gefunden hatten, ging man entweder mehr als zufrieden nach Hause oder aber gleich Brötchen holen, um zumindest pünktlich zum Frühstück bei seiner Familie zu sein, damit man zu Hause von diesem gelungenen Event berichten konnte. Es war also wieder ein schöner Abend in der
Buio Omega-Zentrale, auch wenn zum Ende hin die Augen schwer wurden und der Kaffee nicht mehr das zu leisten vermochte, was er bewirken sollte. Wir freuen uns auf alle Fälle schon auf das nächste Event und den nächsten Stargast, auf dass unser filmischer Horizont stets erweitert wird.
Wer nun die
"Kommissar X"-Reihe gerne zu Hause genießen möchte, sollte jeden Freitag ab 20:15 einen Abstecher auf Premiere Nostalgie machen, denn dort werden zur Zeit alle
"Kommissar X"-Filme ausgestrahlt. Leider findet man so etwas nicht mehr im öffentlich-rechtlichen Fernsehen und auf DVD ist bis heute auch nichts geplant.
Abschließend bleibt eigentlich nur noch zu sagen, dass der Name
Brad Harris durch dieses wie immer bestens organisierte und durchgeführte Event des Buio Omega die Präsenz und Ausstrahlung des Gasts noch einmal verallgegenwärtigt hat. Er ist und bleibt der Mann fürs Grobe, ein wahrer Actionheld, vielleicht sogar der letzte Actionheld der heutigen Zeit. Er brachte Paläste zum Einstürzen, schlug Tiger in die Flucht, zwang die härtesten Gangster in die Knie und ist in all den Jahren, die nicht ganz ohne Spuren an ihm vorbeizogen, immer er selbst geblieben. Seine Ideale waren klar gesteckt und seine Ziele bescheiden. Der "amerikanische Bayer" besuchte Deutschland und das war hoffentlich nicht das letzte Mal, aber ob man noch einmal die Chance bekommt, ihn bei einem solchen Event zu erleben, bleibt fraglich.
von Daniel Pereé
Quelle:
BRAD HARRIS IN "DER AMERIKANISCHE BAYER" (GRYPHON VERLAG, 387 Seiten, Softcover, Preis: 18,90 EUR, ISBN 3-937800-55-7)