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Interview mit Boris von Sychowski

Im Janaur 2003 hatte unser Redakteur Stefan Knust die Möglichkeit den, "Swimming Pool"-Regisseur Boris von Sychowski zu per Telefon zu interviewen.

Hallo Boris, erzähl uns einmal wie du zum Film kamst?
Eigentlich purer Zufall. In der 11.Klasse hatten wir eine recht "verrückte" Lehrerin, die sich dann auch nicht ganz an den Lehrplan gehalten hat und meinte "Drehn wir mal'n Film". Da haben wir dann ein paar kleinere Sachen gemacht was mir sehr gefallen hat und ich dachte mir, da bleibst du bei! Darauf habe ich mich dann bei der Filmhochschule in Ludwigsburg beworben und dort wurde ich dann erstaunlicherweise auch genommen. Dann habe ich ein Jahr Werbung gemacht und durch diese meine "Werberolle" wurde dann der Produzent von Interner Link"Swimming Pool" (Werner Possardt) auf mich aufmerksam und meinte lass uns doch mal was zusammen machen. Dann bekam ich das Drehbuch zu "Swimming Pool" und los gings.
Erst sollte das Projekt mit Helkon hergestellt werden, da wir uns dann aber nicht ganz einig wurden, kam dann zum Glück Benjamin Herrmann von Senator mit ins Spiel. Dort wurde dann aus dem ursprünglich deutschen Film eine internationale Produktion.

  
Also schon eine Recht bewegte Vorproduktionsgeschichte?
Das war recht wild. Wir haben gut 2 Jahre gebraucht, bis wir mit den Dreharbeiten anfangen konnten. Als das Projekt noch bei Helkon war, waren wir schon fast mit den Dreharbeiten angefangen. Aber gut 1 oder 2 Monate vorher kam dann die Trennung. Dann dauerte es wieder ein Jahr bis die neue Finanzierung stand und dann ging es endlich los.
Gibt es Vorbilder an denen du dich orientiert hast?
Gut, es ist halt ein Horrorfilm und ich mag auch die alten Filme wie Interner Link"Halloween" oder Interner Link"Dawn of the Dead". Es ist aber so, dass die Vorbilder eigentlich gesteckt waren, und ich damit nicht so viel zu tun hatte. Das hing mehr mit dem Stoff zusammen und der Art und Weise wie er vermarktet werden soll. Es war mehr ein Auftragsprodukt als Baby. Nichts desto trotz hat mir das Projekt sehr viel Spaß gemacht. Es orientierte sich eher an Filmen wie Interner Link"Scream". Bei uns fehlten dann allerdings die Komikelemente, die uns dann wohl auch die FSK18 eingebracht haben.
Es war jetzt also nicht so, dass du als Debut unbedingt einen Slasher machen wolltest?
Genau, es hätte auch beispielsweise eine Teeniekomödie sein können. Aber es passte schon, da ich auch Genrefan bin. Ich bin da aber nicht so festgelegt. Nach "Swimming Pool" habe ich auch mehrere Projekte angeboten bekommen, die auch aus dem Horrorbereich kamen diese habe ich allerdings abgelehnt, nicht weil ich das Genre nicht mehr mag, sondern weil ich sonst wahrscheinlich aufs Horrorgenre festgelegt würde.
Die Pre-Title-Sequenz ist sehr an "Scream" angelehnt, war dies so beabsichtigt?
Der Plan war "Scream" erst zu zitieren und dann plötzlich vom "Schema" abzuweichen. Dies hat leider nicht so ganz hingehauen, was letztendlich aber auch zeitliche und finanzielle Gründe hatte. Ursprünglich war geplant das ganze Haus zu verwüsten, letztendlich war es dann doch nur die Scheibe beim Pool. Mir fehlten schlicht und ergreifend noch ein paar Drehtage. Dies wurde uns auch vorgeworfen, da man, wenn man zitieren will und danach brechen will, dies auch tun sollte; sonst funktioniert es nicht.
Man las ja auch oft, "ach schon wieder ein Slasher"
Im Prinzip waren wir 1 ½ Jahre zu spät dran. Ansonsten wären wir auch vor Filmen wie "Flashback" oder Interner Link"Anatomie" in den Kinos gewesen. Das Dumme war auch für den Produzenten, dass er das Buch schon so lange hatte und immer wieder etwas dazwischen kam. Wir wären sonst die Ersten gewesen, die nach "Scream" einen Slasher und dann auch noch aus Deutschland in die Kinos gebracht hätten. Das ganze war sehr schade, da man somit auch Anlehnungen gesehen hat, die zu einem früheren Zeitpunkt gar keine gewesen wären. Das soll jetzt auch keine Entschuldigung sein, aber wir waren einfach zu spät dran.
Ich empfand die Hauptcharaktere in "Swimming Pool" irgendwie nicht sonderlich sympathisch. Man hatte eher den Eindruck von verwöhnten, arroganten, reichen Kids.
Das Problem war eigentlich hausgemacht. Wir wollten möglichst schnell in den Pool und hatten auch aufgrund des grossen Cast zuwenig Zeit die Charaktere richtig einzuführen und diese Entscheidung war wohl nicht ganz glücklich. Es gab eine Drehbuchfassung in der die Charaktere länger eingeführt werden sollten und man die Charaktere besser "kennenlernt" und somit auch Sympathie für die Charaktere schaffen kann, die wir dann aber auch aus zeitlichen Gründen nicht nehmen konnten. Während z.B. Kim (Isla Fisher) "hausgemachte" Sympathien hat (klein, süss, goldig) die auch als starker Charakter eingeführt wird und dann als erste draufgehen muss.

  
Ja, Gemeinerweise!
Ja, das fanden alle gemein, hat also wunderbar funktioniert. Und wenn man genau hinschaut werden eigentlich fast alle die nett sind plattgemacht (lacht)
In eine Szene in der Wohnung des vermeintlichen Täter, blicken der Kommissar und sein Assistent (ca. 30 Minuten im Film) in das Zimmer des vermeintlichen Täters. Dort wird relativ viel mit Farben experimentiert. Ist dies evtl. auch etwas von Dario Argento beeinflusst, der ja für derartige "Farbexperimente" bekannt ist?
Bewusst eigentlich nicht. Wir haben allerdings bewusst kein Rot verwendet. Bis auf die Szenen mit dem Killer und die Mordszenen. Im ganzen Production Design kommt praktisch kein Rot vor. Deshalb fällt dies als wir zum ersten Mal das Täterzimmer sehen auch so auf. Das war Konzept. Ebenfalls Konzept war, dass z.B. bei der Szene von Kim im Wald die Lichtverhältnisse so gewählt waren, dass wenn die Kids in den Tod liefen, sie immer auf kaltes Licht zuliefen, während warmes Licht für Sicherheit stand.
Die Mordszenen sind ja ziemlich originell in Szenen gesetzt. Gerade die Rutsche dürfte bei vielen Zuschauern unangenehme Gefühle ausgelöst haben.
Ich kann mich z.B. an die Premiere beim Münchener Filmfest erinnern, dort habe ich bei der Rutschenszene die Leute beobachtet und überall gingen die Beine zusammen (lacht) Das war schon klasse! Ich glaube auch, dass das Konzept richtig war die Szene nicht zu zeigen, sondern nur auf der Tonebene zu arbeiten und dann sich die Zuschauer die Szene vorstellen lasen. Dies ist schon eher meine Art die Mordszenen darzustellen. Ich brauche keine fallenden Gedärme oder so was, ist nicht so meine Richtung.
Die Mordszenen standen aber schon fest oder entstanden auch welche am Set?
Nein, das war alles im Storyboard, wobei ich quasi dank der Rutschenszene, die meine Idee war, auch den "Zuschlag" für das Projekt bekommen habe. Hiermit kam ich also an Bord und habe dann mit einem anderen Autoren (Lorenz Stassen) das ursprüngliche Buch welches mir persönlich nicht so gut gefiel überarbeitet, wobei unser Buch auch sicherlich seine Schwächen hat. Aber ich meine zumindest die Mordszenen sind ganz gut geworden. Die Lüftungsschachtszene gefällt mir persönlich auch sehr gut, da hätte ich noch ein paar Tage weiterdrehen können. Aber auch da merkten wir halt wieder, dass der Film eigentlich für Kinoverhältnisse eine low-budget Produktion ist.

  
Obwohl der Film meiner Meinung nicht gerade wie eine low-budget-Produktion wirkt ...
Wir hatten letztendlich gut 2,1 Millionen Euro und dies ist trotz eines relativ günstigen Drehortes wie Prag nicht viel Geld für einen Kinofilm. Wir hatten aber gute Leute dabei und haben rausgeholt was ging.
Waren die Kosten auch ein Grund für den Drehort Prag?
Sicherlich auch das, es war zwischenzeitlich auch angedacht Amsterdam zu nehmen. Da wir aber mit einem internationalen Cast und auf englisch drehen wollten mussten wir auch überlegen, wo kann man eine internationale High School hinsetzen? Dafür musste es eine Stadt sein die auch im Ausland, gerade auch auf dem amerikanischen Markt bekannt ist. Dadurch fiel unsere Wahl auf Prag, zumal auch Calypsofilm schon viel dort gedreht hat und dort auch schon die entsprechende Infrastruktur vorhanden war.
Cast und Crew sind ja eine internationale "Mixtur". Konnte man sich einigermaßen auf englisch verständigen oder gab es Probleme vor Ort?
Ich spreche relativ gut englisch, da viele Mitglieder meiner Familie in den USA leben. Verständigungsmöglichkeit auf englisch war eine Bedingung, sonst hätte ich auch nicht mitgemacht. Ich hatte zusätzlich das Glück, dass meine Regieassistentin und erste Aufnahmeleitung in Personalunion ein Tschechin war, die fließend tschechisch, englisch und deutsch sprach. Eine tolle Frau übrigens die mir manches mal Haut und Haare gerettet hat, da die Tschechen, wenn sie nicht wollten, auch gerne ihre englisch Kenntnisse "vergaßen". Aber ansonsten muss man schon sagen, dass dort eine sehr professionelle Arbeitsweise herrscht. Es war zwar aufgrund des knappen Drehplans sehr stressig und hart aber trotzdem muss ich sagen, dass es auch sehr viel Spaß gemacht hat.
Im Audiokommentar sagtest du auch, das die Szene nachdem Carmen (Elena Uhlig) den Lüftungsschacht durchschwommen hat in einer Umgebungstemperatur von 2 Grad Celsius aufgenommen wurde.
Ja das war der Hammer, Elena hatte dort schon einiges auszuhalten. Erst musste sie noch mit offenen Augen tauchen lernen - nicht das es mir etwas ausgemacht hätte jeden Tag mit ihr zum Üben ins Schwimmbad zu gehen (lacht) - aber wir mussten ihr erst mal das Tauchen beibringen. Und dann bei solchen Temperaturen die Dreharbeiten.
Die Originalsprache des Films ist ja englisch. Findest du das die dt. Synchro den "Flair" des Originaltons behält?
Ich finde die dt. Synchro ganz schrecklich, kann aber auch das Synchronstudio nicht verantwortlich machen, da ich ja dabei war. (lacht) Es lag mal wieder am Budget und an der Zeit. Beispielsweise hatte der Synchronregisseur nur eine Nacht Zeit das dt. Dialogbuch zu schreiben! Das geht natürlich gar nicht. Wir haben zwar während der Aufnahmen versucht noch einiges zu retten aber das war recht schwierig. Wobei ich auch den O-Ton generell mehr mag, da dort auch die sonstigen Geräusche "echt" sind und nicht so steril wie dies zwangsweise bei einer Nachsynchro eigentlich immer ist.
In einem älteren Interview erwähntest Du, dass für den Film eigentlich eine FSK16 angestrebt wurde. Nur hat der Film eine FSK18, findest Du dies gerechtfertigt?
Soweit ich weiß, war dies ein "Streitfall" und keine einstimmige Entscheidung der FSK. Der Film nimmt sich relativ ernst, obwohl ich reichlich Szenen sehe in der wir uns selbst auf die Schippe nehmen. Aber die FSK sah das wohl etwas anders. Es gibt sicherlich harte Sequenzen wie z.B. die Kranfahrt nach Kims Ermordung im Wald oder die Rutschszene. Nur sind diese nicht sehr grafisch. Ich denke es ist im Vergleich mit anderen Filmen die eine FSK16 bekommen haben, wie z.B. Interner Link"Event Horizon" oder Interner Link"Das Relikt", etwas hart, aber dies ist sicherlich ein Thema über das man auch lange reden könnte.
Der Film ist auch nicht übermäßig erfolgreich gelaufen, dies lag bestimmt auch mit an der FSK-Freigabe.
Wir hatten einen kleinen Start mit 80 Kopien und sind dann bei knapp 70000 Zuschauern gelandet, was dann als Zuschauerzahl pro Kopie eigentlich ganz gut war. Im Ausland ist der Film ziemlich gut gelaufen. Z.B. in Russland waren wir auf Platz 7, in Spanien lief der Film in Südamerika waren wir auch in den Top Ten, nur Deutschland leider nicht so richtig. Durch die 18er Freigabe gab es für Deutschland weniger Werbeetat als bei einer 16er. Die Kopienanzahl sinkt und logischerweise fehlten die jugendlichen Zuschauer. Wobei Zuschauer die aufgrund der 18er Freigabe etwas heftigere Szenen erwarteten vielleicht auch wieder enttäuscht waren, da er hierfür eigentlich schon zu "weich" war. Er war im Prinzip für die 16er zu hart und die 18er zu weich..
Kritiker monieren des öfteren, dass FSK-Entscheidungen manchmal scheinbar nach Lust und Laune oder je nachdem wer gerade im Ausschuss sitzt gefällt werden.
Ich kann das natürlich nicht beurteilen, da ich auch noch nie bei einer solchen Sitzung anwesend war. Der Sinn als Kontrollinstanz ist sicher gerechtfertigt. Dass die Entscheidungen nicht immer jeden Geschmack treffen liegt natürlich auch daran, dass auch dort Menschen mit einem eigenen Geschmack sitzen und wie diese Entscheidungen getroffen werden ist sicherlich auch nicht immer nachvollziehbar. In den meisten Fällen sind die Entscheidungen aber sicherlich gerechtfertigt.
Daher ist es sicherlich auch sehr lobenswert, dass Universal eine sehr schöne DVD mit reichlich interessantem Bonusmaterial herausgebracht haben.
Das lag auch an Universal. Die Zusammenarbeit war wirklich super. Man hat uns einfach machen lassen bis die DVD voll war. Das hat man in dieser Form selten, man hat sich wirklich Mühe gegeben. Und Universal war wohl auch durchaus zufrieden mit den Verkaufszahlen.

  
Ein gutes Extra auf der DVD war sicherlich auch der Teamfilm, der einen interessanten Einblick hinter die Kulissen gewährte.
Ich mag Extramaterial auf DVDs auch sehr. Und wenn man schon Extras wie Audiokommentar oder Teamfilme oder anderes macht, sollte man den Leuten auch etwas erzählen und nicht nur alles schönreden. Dies haben wir z.B. auch beim Audiokommentar versucht.
Du findest ja auch Filme wie z.B. Romeros "Dawn Of The Dead" gut.
Ich finde Romero u.a. gut, weil er halt der Erste dieser Reihe war und man ja auch den gesellschaftlichen Hintergrund ganz gerne hineininterpretieren kann. Sonderlich appetitlich fand ich den Film allerdings nicht.
Gerade in letzter Zeit wurden auch wieder einige Horrorfilme in Deutschland beschlagnahmt. Wie siehst Du so etwas?
Ich finde das Thema recht schwierig. Sofern der Jugendschutz gesichert ist, sollte man sicherlich schauen können was man möchte. Man kann sicher darüber streiten ob man mit 18 erwachsen ist, notfalls könnte man auch eine FSK21 einführen, nur Beschlagnahmungen (ausnahmen sind sicherlich Filme die rechtsradikale, hetzerische oder ähnliche Ideologien verbreiten) finde ich eigentlich nicht nachvollziehbar. Der eine Horrorfilm der beschlagnahmt wird ist sicherlich nicht schlimmer als der andere Film der frei verkäuflich ist.
Gibt es noch Geschichten oder Anekdoten vom Set die Du uns erzählen könntest?
Eine recht gefährliche Geschichte war, als der Stuntman brennend vom Balkon in den Pool springt. Als er wieder auftauchte war seine Maske voll Wasser gelaufen und er bekam die Maske nicht ab und er bekam keine Luft mehr. Nur hat dies zuerst keiner gemerkt und es dauerte schon ein bisschen bis die anderen dies mitbekamen und ihm dann schnell die Maske vom Kopf rissen. Dies war aber eigentlich auch die einzige wirklich gefährliche Szene.
Ein Problem hatte der Darsteller des Frank (John Hopkins), dieser hatte sich währen der Dreharbeiten den Fuß verstaucht und in der Szene in der alle vor der Schule auf Gregor (Thorsten Grasshoff) warten - sieht ein bisschen so aus wie eine gestellte West Werbung - sitzt er recht dekorativ auf dem Dach des Wagens da er einfach nicht laufen konnte. Die Szene war ursprünglich ganz anders und nicht so statisch geplant, aber aufgrund der Verletzung ging es halt nicht anders. Auch während des Showdowns musste er noch ziemlich die Zähne zusammenbeißen, was ihm aber vielleicht geholfen hat so böse auszusehen. (lacht)

  
Gibt es ein aktuelles Projekt von dem du uns etwas erzählen kannst?
Am 27.03.03 läuft auf PRO7 mein neuer Film mit dem Titel "Wilde Jungs". Die Dreharbeiten sind jetzt abgeschlossen und momentan sitze ich jetzt hier noch an der Nachbearbeitung. Ist eine klassische aber auch zeitgemäße Teeniecomedy mit guten Nachwuchsschauspielern. Wir haben lange gecastet und ich denke wir haben ganz gute Schauspieler bekommen. Wenn der Film gut ankommt könnte daraus auch durchaus eine Serie werden.
Vielen Dank für das Interview!
Interview wurde geführt von Stefan Knust





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