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Bandagiert und hirnlos: Der Mumienfilm zwischen 1932-1982
Zu Beginn dieses Artikels wieder ein paar kleine, aber notwendige Anmerkungen: Das Subgenre des Mumienfilms verdankt seine Entstehung einzig und allein der Tatsache, dass die Universal-Bosse für Boris Karloff eine Rolle suchten, um an "Frankenstein" anzuknüpfen. Nachdem es keinerlei alte Sagen oder Mythen über die Auferstehung einbalsamierter Toter gibt (im Gegensatz zu kulturell verwurzelten Vorstellungen von Vampiren oder Werwölfen), lag es wohl nahe, als Immer noch ein Klassiker des Mumienfilms: Karl Freunds 'The Mummy'Dreh- und Angelpunkt die immer noch geheimnisumwitterten ägyptischen Dynastien auszuwählen.
Schon allein die Tatsache, dass Menschen in Tücher gewickelt, all ihrer Organe entledigt (das Gehirn wurde mittels Haken durch die Nase entfernt!) und in Sarkopharge gebettet wurden, lässt die Phantasie von Drehbuchautoren Kapriolen schlagen. So erscheint der nächste Schritt, diese Jahrtausende alten Mumien durch irgendeinen Hokuspokus ins Leben zu holen, nur nachvollziehbar.

Der erste hier vorliegende Film, "The Mummy" (1932) von Karl Freund, ist Plakat zu 'The Mummy' (1932)auch gleich (wie so oft) der beste dieser Reihe und gilt als Meilenstein des Universal-Horrors der 30er Jahre. Die Story ist dabei eigentlich Nebensache: Die Mumie des Priesters Imothep (Karloff), der vor 3700 Jahren lebendig einbalsamiert wurde, wird 1921 gefunden und durch das zufällige Verlesen einer Formel wiederbelebt. Als Archäologe getarnt macht sich der alte Priester auf die Suche nach einer Engländerin, in der er die Reinkarnation seiner damaligen Liebsten sieht.
Regisseur Freund, vormals Kameramann, inszenierte "The Mummy" ohne große Schocks, in gemächlicher Ruhe wird die Handlung entwickelt, wunderbare Kamerafahrten (z. B. durch das menschenleere Museum) und die gute Besetzung lassen daraus ein poetisches Märchen entstehen. Erstaunlicherweise erfuhr dieser Streifen keine Karloffsche Fortsetzung, erst 8 Jahre später tauchte die Figur wieder auf. Tom Tyler, Serial-Recke der 30er und 40er Jahre, übernahm 1940 die Bandagen und schickte in "The Mummy's Hand" (Christy Cabanne) ein Archäologenteam auf Ausgrabungstour.
Eher Langeweile als Kurzweile: 'Blood From The Mummy's Tomb'Als unterhaltsames B-Picture angelegt, vermag der Streifen durchaus zu unterhalten, eingestreute Comedyeinlagen lassen aber weniger Horror, dafür mehr Spannung durch Verfolgungsjagden aufkommen.
"Mummy's Hand" zeigt dabei exemplarisch das Problem des Mumienfilms auf: Das Ungeheuer selbst ist steif und ungelenk, kann ziemlich leicht aufgehalten werden und wirkt dadurch wenig bedrohlich. Um die Gefahr entscheidend zu vergrößern, muss ein Bösewicht (hier: George Zucco) herhalten, der die Mumie für seine düsteren Zwecke benutzt. Vor diesem Dilemma stehen auch die drei Nachfolgeprodukte, die wiederum böse Oberpriester oder andere Miesepeter einbauen, um die Story über die Runden zu bringen.
Noch einmal muss George Zucco einspringen, der in "The Mummy's Tomb" (1942, Harold Young) den titelgebundenen Untoten (diesmal Lon Chaney Jr.) nach Amerika transportiert, um die Mitglieder einer Expedition ins Jenseits zu befördern. Um die 71 Minuten Länge zu erreichen, muss der Zuschauer dabei alte Reiseaufnahmen aus Ägypten ertragen und auch der Rest ist doch eher biederer Durchschnitt.
Der nächste Output dieser Reihe ist "The Mummy's Ghost" (1944, Regie: Reginald Le Borg), wieder mit Lon Chaney Jr. in der Titelrolle. Endlich ins Leben geholt sucht er seine ehemalige Liebe, Prinzessin Annaka, was dem Zuseher allerdings weniger Freude bereitet. Viel doller geriet auch Chaneys letzter Bandagenauftritt in "The Mummy's Curse" (1945, Regie: Leslie Goodwins) nicht, in dem er sich in Louisianas Sümpfen zu Studienzwecken wiederfindet. Netterweise werden hier ganze Szenenfolgen aus Vorgängerfilmen eingebaut, was zwar Kosten spart, den Zuschauern aber Deja-vu Erlebnisse nicht erspart.
Auch der letzte Bud Abbott und Lou Costello Film für Universal entstand mit dem Mumienthema, nachdem das Komikerduo vorher schon alle klassischen Horrormotive (Frankenstein und Werwolf 1948, Invisible Man 1951 und Jekyll/Hyde 1952) veralbert hatte. Der 1955 unter der bewährten Regie von Charles Lamont entstandene Interner Link"Abbott and Costello meet The Mummy" zeigt die beiden tölpelhaften Helden auf der Suche nach einem geheimen Schatz, der, wie sollte es auch anders sein, von einer Mumie bewacht wird.
Wer auf Humor der derberen Art steht und Spaß an purem Blödsinn hat, sollte sich das nicht entgehen lassen.

Erst Englands Hammer Films kehrte mit "The Mummy" ("Die Rache der Pharaonen", Regie: Terence Fisher) 1959 wieder zu den Wurzeln zurück, diesmal natürlich in Farbe und Breitwand. Die Handlung ist stark an Cover zu 'Die Rache des Pharao'Freunds 1932er Vorlage angelehnt, beachtenswert bleibt bei diesem Remake die Besetzung (Christopher Lee und Peter Cushing), die wirkungsvolle Photografie Jack Ashers sowie die wie immer liebevolle viktorianische Ausstattung. Dezidiert eingesetzte Schocks und hübsch - horromäßige Momente lassen "The Mummy" in die A-Klasse aufsteigen (ohne umzufallen, versteht sich).
Deutsches Plakat zu 'Die Rache des Pharao'Drei weitere Hammer-Adaptionen sollten noch folgen, die allerdings qualitativ absinken und ihrem direkten Vorgänger nicht mehr das Wasser reichen können: Interner Link"Curse Of The Mummy's Tomb" ("Die Rache des Pharao", Regie: Michael Carreras) übergibt 1964 Dickie Owen die Bandagen und stellt ein gutes Beispiel für wenig inspirierte Filme des Studios dar. Ganz auf billige Effekthascherei hin in Szene gesetzt kann Carreras der Thematik keine neuen Aspekte abgewinnen.
Wenigstens handwerklich gut gemacht ist Interner Link"The Mummy's Shroud ("Der Fluch der Mumie", 1967) von John Gilling, in dem wiederum Dickie Owen in Mullbinden gewickelt die Besetzungsliste arg dezimiert. Einige nette Momente von Bedrohung und Spannung retten Gillings Streifen vor dem Absturz ins Mittelmaß.

Als Nachzügler erreichte 1972 noch "Blood From The Mummy's Tomb" die Kinos, der von Seth Holt begonnen, aber aufgrund seines plötzlichen Ablebens durch Michael Carreras ersetzt werden musste. Dieser Wechsel hat wohl mehr geschadet, denn das Ergebnis ist eine Mischung aus Blut und gähnender Langeweile.
Natürlich konnten Spaniens Giftköche bei dem Thema nicht widerstehen, so entstand 1973 unter der Regie von Garlos Aured Plakat zu 'The Mummy's Hand'"La Venganza de la Momia" ("The Mummys Revenge") mit Paul Naschy in der Hauptrolle. Ergebnis: Viel oberflächlicher Gore, wenig Erquickliches, typisch Paella.
Angelegt an Bram Stokers Roman "Jewel of the seven Stars", der auch schon beim 72er Hammerstreifen Pate stand, versuchte Mike Newell 1980 mit "The Awakening" ("Das Erwachen der Sphinx") sein Glück. Obwohl sich der Kern der Handlung mehr Plakat zu 'The Mummy's Ghost'um die Reinkarnation eines Mumiengeistes dreht, kann sich das Ergebnis durchaus sehen lassen. Genrekost für Freunde gepflegter Gruselunterhaltung.

Auch Goremaestro Lucio Fulci versuchte sich 1982 an dieser Vorlage. Heraus kam so mit Interner Link"Manhattan Baby" eine sehr freie, aber blutige Bearbeitung, die schon von den Sets (New York) als Vorübung zu dem im selben Jahr entstandenen Interner Link"New York Ripper" gelten kann.
Zum Schluss noch ein Hinweis für einen Mumienfilm der etwas anderen Art. Der Film heißt "Time Walker" von Tom Kennedy aus dem Jahre 1982. Ein Außerirdischer läuft als Mumie in einem Kraftwerk herum. Dies langweilt den Zuschauer auf Dauer, da selbst die Morde so gut wie nicht gezeigt werden. Hier gilt also: Müll in Mull.


2000 Bernd Gastner
Abdruck mit freundlicher Genehmigung von X-Rated.



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